23:23 20 November 2019
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    Türkischer Präsident Tayyip Erdogan bei einer Rede vor seinen Anhängern in Sivas

    Großmachtstreben von Erdogan: Wird Türkei Atomwaffen entwickeln?

    © AP Photo / Pool Presidentical Press Service
    Politik
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Option einer Entwicklung von Atomwaffen in seinem Land angesprochen. Langfristig bräuchte man diese Waffen, um auf die Ebene der Großmächte aufzusteigen, so die Ansage. Diese Gedankenspiele lassen sich allerdings auch in den Kontext um den Kauf der russischen Systeme S-400 einordnen.

    Als Erdogan am Mittwoch bei einem Wirtschaftsforum in der zentraltürkischen Stadt Sivas sprach, brachte er plötzlich ins Spiel, dass die Türkei Atomwaffen brauche.

    Er erklärte, dass er es nicht akzeptieren wolle, dass andere Länder Atomwaffen besäßen, der Türkei aber solche Waffen verbieten wollten.

    „Einige Länder haben Raketen mit nuklearen Sprengköpfen, nicht nur eine oder zwei. Aber sie sagen uns, wir könnten sie nicht haben. Das akzeptiere ich nicht”, so der türkische Präsident wörtlich.

    Unklar blieb, ob er damit konkrete türkische Forschungspläne an einer Atombombe andeuten wollte, oder ob es eher bei Gedankenspielen bleiben würde.

    Ankunft der russiscehn Luftabwehrkomplexe S-400 in der Türkei
    © REUTERS / Turkish Military / Turkish Defence Ministry / Handout

    Der Blick auf Atomwaffen dürfte zunächst zum Wunsch Erdogans passen, sich zunächst zu der führenden Regionalmacht aufzubauen und später möglicherweise in die Liga der ganz großen aufzusteigen.

    Gerade weil etwa Israel Atomwaffen besitze, bräuchte die Türkei das auch – so vermutlich der Gedankenweg des Präsidenten.

    „Alle entwickelten Länder der Welt“ verfügten über solche Waffen, betonte Erdogan dazu.

    Dieser Logik folgend, bräuchte die Türkei also ein nukleares Arsenal, um „entwickelt“ zu sein.

    Zugleich lässt sich diese Aussage anfechten. Wie etwa der „Tagesspiegel“ am Samstag schreibt, haben 14 der 20 führenden Wirtschaftsmächte der Welt in der G-20-Gruppe keine Atomwaffen.

    Keine Atompläne, aber ein Wink an die Nato

    Ob die Türkei wirklich die Entwicklung von Atomwaffen anschmeißen wird, dürfte angezweifelt werden. Das Land hat sowohl den Atomwaffensperrvertrag als auch den Kernwaffenteststopp-Vertrag ratifiziert.

    Die Aussagen von Erdogan ließen sich aber als ein Hinweis an die Nato interpretieren, dass die Türkei ab nun rüstungs- und sicherheitspolitisch unabhängig von Allianzen handeln wird. Erdogan sprach in diesem Kontext auch den Streit mit den USA und anderen Nato-Staaten über die Beschaffung des russischen Flugabwehrsystems S-400 an und erklärte, dass die Türkei sich ihre Partner selbst aussuchen werde.

    „Bisher saßen wir mit den USA am Tisch, jetzt sitzen wir mit Russland zusammen, und morgen setzen wir uns vielleicht mit China hin“, sagte er.

    Hürden einer atomaren Aufrüstung

    Dass sich Erdogan mit Russland „an einen Tisch“ setzen müsste, um Atomwaffen zu entwickeln, könnte wahrscheinlich sein. Die Türkei selbst besitzt keine eigene Atomtechnik und auch keine ausreichend entwickelten Forschungsinstitute auf diesem Bereich.

    Derzeit wird zwar an der Mittelmeerküste das erste Atomkraftwerk der Türkei gebaut – allerdings von russische Firmen.

    Außer Russland könnte sich die Türkei etwa an Pakistan wenden. Fraglich bleibt, ob dieser Handelspartner die notwendige Zuverlässigkeit bringt.

    Zudem könnte die Entwicklung von Atomwaffen harte Sanktionen des Westens provozieren.

    Doch auch regionale Mächte dürften sich mit allen Mitteln gegen eine nukleare Aufrüstung der Türkei stellen – nicht zuletzt, weil sie eine Aufrüstung des gesamten Nahen Ostens provozieren könnte.

    Vor allem der Iran und Saudi-Arabien würden sicherlich ebenfalls Atomwaffenprogramme starten.

    Ein Naher Osten, gespickt mit Atomwaffen, dürfte sicherlich das gefährlichste Szenario sein.

    ng/mt

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