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16:48 20 September 2019
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    Militärübungen des Weißrusslands und Russlands (Archiv)

    Nato-Hotspot an der Grenze: Warum Moskau und Minsk den Ernstfall proben

    © Sputnik / Pawel Gerasimow
    Politik
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    12.000 Soldaten, hunderte Panzer und Dutzende Flugzeuge – am Freitag beginnt im Gebiet Nischni Nowgorod das Großmanöver „Schild der Union 2019“ der russischen und weißrussischen Streitkräfte. Obwohl das Manöver ausschließlich einen Verteidigungscharakter hat, ist der Westen extrem beunruhigt.

    Warum die Nato die Übungen so aufmerksam verfolgt – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Manöver bei Nischni Nowgorod

    Die Übungen finden tief im Landesinneren statt, unweit der Ortschaft Mulino im Gebiet Nischni Nowgorod. Wie es beim russischen Generalstab hieß, wurde dieser Ort der Übungen bewusst gewählt – das russische und das weißrussische Militär will die westlichen Partner nicht in Sorge versetzen und die Lage in Europa nicht zuspitzen - trotz der Tatsache, dass die Nato in den letzten Jahren viele Manöver nahe der russischen Grenze abhält.

    Das Manöver hat einen reinen Verteidigungscharakter; geübt wird vor allem der Schutz der Grenzen vor einer Invasion. Bei der Analyse der bewaffneten Konflikte der vergangenen Jahre kam das russische Militär zu dem Schluss, dass den meisten von ihnen die Aktivierung von Terroristen, Separatisten und illegalen bewaffneten Gruppierungen mit Unterstützung von Drittkräften vorausgegangen ist. Obwohl mehrere Varianten geübt werden, soll der Schwerpunkt auf den Kampf gegen Terroristen und Banden gelegt werden, darunter die Befreiung und Säuberung von Ortschaften.

    Bei den Übungen sollen die Erfahrungen der russischen Soldaten, die sie bei der Operation in Syrien gesammelt haben, genutzt werden. Die Übungen laufen rund um die Uhr – vorgesehen sind Manöver sowohl am Tag als auch in der Nacht. In der ersten Etappe werden die Einheiten die illegalen Gruppen orten, blockieren und eliminieren. In der zweiten Etappe wird die Truppensteuerung bei Verteidigungshandlungen und die Stabilisierung der Lage in Kampfgebieten geübt.

    Das Manöver „Schild der Union“ unterscheidet sich in diesem Jahr durch seine starke Präsenz von Personal und Waffen. Im Gebiet Nischni Nowgorod sind bereits 12.000 Soldaten und fast 1000 Panzerfahrzeuge eingetroffen. Die Bodentruppen werden aus der Luft von 70 Kampfflugzeugen und Hubschraubern unterstützt. Aus Weißrussland kommen 4000 Soldaten, mehr als 100 Panzer und Panzerwagen, 50 Mehrfachraketenwerfer, Gewehre und Minenwerfer, Flugzeuge und Hubschrauber.

    Hotspot im Westen

    Die russisch-weißrussischen Übungen „Schild der Union“ finden seit 2009 alle zwei Jahre abwechselnd in beiden Ländern statt. Die ersten Manöver dieser Art wurden 2006 abgehalten, als das gemeinsame Flugabwehrsystem Russlands und Weißrusslands geprüft wurde. Die “Schild der Union”-Übungen sind ein wichtiges Element der Militärkooperation zwischen den beiden Ländern und quasi die Schlussetappe bei der gemeinsamen Kampfausbildung der Soldaten.

    Der Verteidigungscharakter der Übungen ist darauf zurückführen, dass die Militärführungen in Moskau und Minsk über die Offensivmanöver der Nato beunruhigt sind. Der Generalstabschef der Streitkräfte und Vize-Verteidigungsminister Weißrusslands, Oleg Belokonew, sagte, dass die Analyse der größten Nato-Übungen, wie “Anaconda 2018” und “Dragon 2019”, ergeben hat, dass das westliche Militärbündnis gewaltsam auf entstehende Krisen und Konflikte im postsowjetischen Raum reagieren könnte. Zudem verschob sich der Schwerpunkt bei der Vorbereitung der Nato-Truppen bei den Übungen von Verteidigungs- zu Offensivhandlungen, bei denen Spezialeinsätze auch eine Rolle spielen.

    Die Allianz spielt den Einsatz von Truppen in unmittelbarer Nähe der Grenzen des russisch-weißrussischen Union-Staates durch. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Verteidigungsministerien der beiden Länder dem Schutz der westlichen Grenzen. Das ist klar. Die Nato hält Dutzende Übungen in grenznahen Gebieten zu Russland ab. Die Nato-Armeen üben den Kampf auf dem Boden, in der Luft und auf der See. Bisweilen wird auch nicht verheimlicht, dass Russland dabei als Gegner betrachtet wird.

    Starke Verbündete

    Die militärpolitische Lage an den westlichen Grenzen bleibt angespannt. Dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu zufolge ist derzeit vor allem der Ausbau der Nato-Militärpräsenz in Osteuropa, der Ausbau des US-Raketenabwehrsystems in Polen und Rumänien, die Erweiterung der Militärkooperation der Allianz mit Finnland und Schweden zu erkennen.

    Das Verteidigungsministerium in Moskau ergreift entsprechende Maßnahmen. So wurden zur Vervollkommnung der Truppen und des Stationierungssystems in der westlichen Richtung mehr als 70 Verbände und Einheiten gebildet. Die Truppen des Militärbezirks West werden mit Tausenden Einheiten neuer und modernisierter Waffen und Technik versorgt.

    Eine große Rolle spielt auch die Vorbereitung einer regionalen Gruppierung der russischen Truppen und des einzigen Verbündeten in der westlichen Richtung – Weißrusslands. Gemäß den Vereinbarungen werden die Armeen beider Länder im Falle eines Angriffs von Drittländern gemeinsam handeln.

    Start der Kalibr-Rakete vom Bord des Raketenschiffs des Projekts 21631 „Wyschni Wolotschok“
    © Sputnik / Andrew Stanavov
    Was die militärtechnische Zusammenarbeit betrifft, so betreibt Russland zwei Militärobjekte in Weißrussland – in Baranowitschi ein Frühwarnsystem für Raketenangriffe und in Wilejka eine Kommunikationszentrale, die das Zusammenwirken der Atom-U-Boote, die im Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozean im Bereitschaftsdienst stehen, koordiniert. Dabei zahlt Russland kein Entgelt dafür, weil diese Objekte der gemeinsamen Sicherheit des Union-Staates dienen.

    Moskau hilft bei der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Weißrusslands – versorgt den westlich gelegenen Nachbarn mit allen notwendigen Waffen und Militärtechnik. Ein großer Teil der Waffen wird ohne Entgelt übergeben bzw. zu ermäßigten Preisen. Minsk bekommt Schusswaffen, Artillerie, Panzertechnik und Raketenabwehrsysteme.

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    Tags:
    Westen, Manöver, NATO, Weißrussland, Russland