Widgets Magazine
17:19 15 Oktober 2019
SNA Radio
    Ukrainische Aufständische Armee, 1941 (Archiv)

    Verklärt Kanada ukrainische Kriegsverbrecher zu Helden?

    © Foto: Wikimedia Commons
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    359150
    Abonnieren

    In Kanada ist ein Skandal entflammt, nachdem der Botschafter des Landes in Kiew an der Aufstellung eines Gedenkkreuzes zu Ehren getöteter ukrainischer Nationalisten teilgenommen hatte.

    Die Heroisierung der Extremisten der Organisation der ukrainischen Nationalisten und der Ukrainischen Aufständischen Armee wurden nicht nur von jüdischen Organisationen, sondern auch von mehreren Vertretern der ukrainischen Diaspora kritisiert. In diesem Artikel beleuchtet der Sputnik-Korrespondent in Montreal diesen Vorfall, dessen Vorgeschichte und die entsprechenden Reaktionen. 

    Die aufsehenerregende Einweihungszeremonie fand in Sambor (Gebiet Lwow) statt, unweit eines Friedhofs, auf dem 1200 Juden beerdigt sind, die 1943 von Nazis und ukrainischen Kollaborateuren getötet wurden. Kanadas Botschafter wurde von einigen hochrangigen Offizieren der kanadischen Armee begleitet.

    Die Zeremonie wurde von der kanadischen Organisation Ukrainian Jewish Encounter veranstaltet und finanziert, um das „gegenseitige Verständnis und die Solidarität zwischen Ukrainern und Juden zu festigen“. Am gleichen Tag sollte auch ein Denkmal für Juden, die während eines Pogroms in Sambor ums Leben kamen, feierlich eingeweiht werden. Die Zeremonie verlief im Beisein von Vertretern der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, der Ukrainisch-Griechisch-Katholischen Kirche und der ukrainischen jüdischen Gemeinde.

    Allerdings verlief die Veranstaltung nicht nach Plan. Die Einweihung des Denkmals für die Mitglieder der Ukrainischen Aufständischen Armee sorgte bei einigen Vertretern der jüdischen Gemeinde für Empörung. Trotz der Anwesenheit des obersten Rabbiners der Ukraine war ein Skandal nicht zu verhindern.

    Das Denkmal stellt ein großes Steinkreuz dar. Es wurde nahe des Friedhofs aufgestellt, wo früher bereits drei Kreuze installiert wurden, die für Polemik sorgten. 2000 ließ ein jüdischer Wohltäter aus Kanada auf diesem Friedhof ein Denkmal für die Holocaust-Opfer errichten. Doch die Einheimischen demontierten es und postierten an derselben Stelle drei zehn Meter hohe Holzkreuze für die Mitglieder der Organisation der ukrainischen Nationalisten und der Ukrainischen Aufständischen Armee.

    Bereits seit einigen Jahren fordern die Juden vehement die Demontage der Kreuze. Die Veranstaltung am 21. August sollte Versöhnung symbolisieren, doch einige Vertreter der jüdischen Gemeinde nannten diese Zeremonie eine „Schändung“. Historiker stellten fest, dass die Organisation der ukrainischen Nationalisten und die ukrainische Aufständische Armee während des Zweiten Weltkrieges eng mit den Faschisten kooperierten und auf eigene Initiative Pogrome organisierten.

    „Es liegt auf der Hand, dass es sich um die Schändung des Gedenkens an die verstorbenen Juden handelt (...), als ein Denkmal für die Mörder direkt auf den Gräbern ihrer Opfer aufgestellt wurde. Diese Schändung macht mich sehr wütend. Das ist ein wahnsinniger Zynismus“, sagte der Vorsitzende des Ukrainischen Jüdischen Komitees, Eduard Dolinski, im Interview für Radio Canada International.

    Der oberste Rabbiner der Ukraine, Jakov Dow Bleich, erklärte seine Teilnahme an der Veranstaltung mit der Notwendigkeit, einen Kompromiss zu finden, damit vom Friedhof die drei Holzkreuze zu Ehren der ukrainischen Nationalisten und Aufständischen Armee entfernt werden. Derselben Ansicht ist auch Ukrainian Jewish Encounter. Auf der Webseite dieser Organisation ist die Tendenz zu erkennen, die andauernde Rolle des Antisemitismus in der Heimat von Nestor Machno abzuschwächen. Diese Argumente überzeugten nicht alle.

    „Der oberste Rabbiner der Ukraine und andere religiöse Vertreter nahmen an der Einweihung eines Denkmals für Mitglieder der Ultranationalistenbewegung teil, deren Anhänger mit den Nazis kollaborierten“, hieß es in einem Artikel in der Zeitung „Times of Israel“ vom 27. August 2019.

    Experten zufolge bemüht sich die Ukraine wohl darum, die 17 getöteten Nationalisten als Helden darzustellen, um die antisemitische Vergangenheit dieser Organisation auszublenden.

    „Sie versuchen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die ukrainischen Nationalisten, ähnlich wie die Juden, mit Repressalien konfrontiert waren, während die Organisation der ukrainischen Nationalisten in Wahrheit aktiv an der Vernichtung der Juden teilnahm“, sagte der schwedische Historiker Per Anders Rudling.

    Der kanadische Historiker mit ukrainischen Wurzeln, John-Paul Himka, äußerte die Meinung, dass Kanada nicht an solchen kriegsverherrlichenden Veranstaltungen teilnehmen sollte: „Ich denke nicht, dass Kanada an Veranstaltungen teilnehmen sollte, wo diese Menschen – Kriegsverbrecher – glorifiziert werden.“

    Kanada ist einer der engsten Verbündeten der Ukraine. Im März verlängerte Ottawa die Mission der kanadischen Streitkräfte in der Ukraine – offenbar um seine Positionen in der EU zu festigen.

    Beobachtern zufolge hat die ukrainische Diaspora (etwas weniger als 1,5 Million Menschen) großen Einfluss auf die Außenpolitik Kanadas. Das betrifft unter anderem den Botschafter in Kiew, Roman Waschtschuk, der aus einer Familie ukrainischer Flüchtlinge stammt, und Jocelyn Coulon, den ehemaligen Berater des früheren kanadischen Außenministers Stephane Dion. In seinem Bestseller „Un Selfie avec Justin Trudeau“ analysiert Coulon gerade diesen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Kanada und Russland.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Heroisierung, Kriegsverbrecher, Skandal, Botschafter, Ukraine, Kanada