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01:06 15 Oktober 2019
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    Bundesaußenminister Heiko Maas (r.) und Wortführer der Hongkonger Studentenbewegung Joshua Wong am 09. September 2019 in Berlin

    DRF-Vorstandsmitglied zu Maas-Wong-Treffen: Maas mag durchaus recht haben, aber…

    © REUTERS / JOSHUA WONG
    Politik
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    Martin Hoffmann, das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums (DRF), versteht die Reaktion von Bundesaußenminister Heiko Maas auf die Kritik Chinas an seinem Treffen mit dem Wortführer der Hongkonger Studentenbewegung Joshua Wong.

    Man solle sich nicht durch wirtschaftliches Volumen erpressen lassen, selbst wenn es um eine Exportchance für die deutsche Industrie und ein Handelsvolumen von 200 Milliarden Euro gehe, welches China und Deutschland verbinde, sagte er im Sputnik-Interview. „Das kann nicht die Messlatte dafür sein, wie man sich einem anderen Land gegenüber verhält. Deutschland und China sollten miteinander anders umgehen, aber ich bin nicht der Überzeugung, dass es hier nur um wirtschaftliche Aspekte geht.“

    Und jetzt komme das große Aber, fügt Hoffmann hinzu. Er hält es grundsätzlich nicht für sinnvoll, „dass man solche Dinge, die von substantieller Bedeutung für das zwischenstaatliche Zusammenleben sind, zu einer medialen Veranstaltung macht. Auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist, muss man die Dinge mit den Chinesen ansprechen, wie es Angela Merkel gemacht hat, die sagte, dass Gewalt keine Lösung für Konflikte sein könne. Das ist die Art, wie man das machen sollte, man darf sich auf keinen Fall erpressen lassen.“

    Man dürfe sich auch nicht zurückhalten mit dem, was man meint, so das DRF-Vorstandsmitglied. „Man muss aber einen Rahmen finden und die Chinesen nicht nur als Handelspartner, sondern als Nation behandeln, mit der wir viel zusammenarbeiten und auch der Zukunft eine gemeinsame Sicherheitsstruktur in der Welt aufbauen.“

    Wie soll dann Deutschland liberale Werte im Ausland verteidigen?

    Die deutsche Politik, besonders die Außenpolitik, hat aus der Sicht Hoffmanns vor allen Dingen die Aufgabe, mit anderen Staaten eine gemeinsame Linie, ein gemeinsames Verhandlungsteam und eine gemeinsame Plattform zu finden. „Dabei kann es und wird es immer wieder Meinungsverschiedenheiten geben. Der entscheidende Punkt ist, und das gilt nicht nur gegenüber den Chinesen, das gilt auch gegenüber Russland, dass die Partner auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt sprechen, dass nicht ein Land dem anderen, in welcher Form auch immer, sagen zu müssen glaubt, was richtig und was falsch ist.“

    Man könne natürlich sagen, fährt das DRF-Vorstandsmitglied fort, „und man muss auch sagen, wenn man bestimmte Dinge nicht richtig empfindet. Das muss aber in Respekt und einem Rahmen passieren, wo man sich ernsthaft über diese Dinge austauscht und sich auch ernsthaft dafür interessiert, wie diese Motivation sind und wie es dazu gekommen ist, und auch was staatlicherseits getan wird, um die Bedenken auszuräumen. Wenn das aber nur ein Platz wird, wo man mediale Schaukämpfe ausfechtet, dann macht es keinen Sinn.“

    Es gebe viele Dinge im deutschen und auch europäischen Vorgehen, die ganz anders als in vielen anderen Ländern seien, urteilt Hoffmann. „Auch in Europa haben wir oftmals Meinungsverschiedenheiten, was die Einhaltung von Menschenrechten angeht. Dennoch lebt man, handelt und diskutiert miteinander, und man entwickelt auch globale Friedenskonzepte. Und da muss man die Regierungen im gegenseitigen Verhandlungswillen behandeln. Wenn das deutlich wird, wie man das auch während des Besuches Angela Merkels in China gesehen hat, dann wird das auf der chinesischen Seite auch so wahrgenommen.“

    Das komplette Interview mit Martin Hoffmann zum Nachhören:

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    Tags:
    Kritik, Treffen, Heiko Maas, China, Deutschland