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14:23 18 Oktober 2019
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    Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg beim Truppenbesuch in Polen (Archivbild)

    Nato weitet sich in Süddeutschland aus - Schnelle Truppenverlegung nach Osteuropa zum Ziel

    © Foto: U.S. Army / Capt. John W. Strickland/ Released
    Politik
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    Am Dienstag haben Vertreter der Nato-Staaten in süddeutschen Ulm ein neues Nato-Kommando eingeweiht. Laut dem Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose handelt es sich dabei um eine qualitative Aufrüstung mit Blick auf die „Sicherheitsparanoia in Polen und im Baltikum“.

    Laut einer entsprechenden Mitteilung der Nato wird das neue Nato-Kommando für schnelle Truppen- und Materialtransporte (Joint Support and Enabling Command) als „Teil der verstärkten Abschreckung und Verteidigung der Nato als Reaktion auf ein verändertes Sicherheitsumfeld“ dienen. Es werde dazu beitragen, die Bewegung der alliierten Waffen und Infanterie über die europäischen Grenzen hinweg zu beschleunigen, zu koordinieren und zu sichern, geht aus der Mitteilung hervor.

    ​In Friedenszeiten wird das neue Kommando für gemeinsame Unterstützung und Ermöglichung insgesamt 160 Mitarbeiter beschäftigen und voraussichtlich bis 2021 voll besetzt sein. Im Krisenfall wird es auf bis zu 600 Mitarbeiter zurückgreifen können. Es soll „eine rasche Weitergabe der alliierten Verstärkungen“ sicherstellen. Der US-General und Oberste Befehlshaber der Alliierten in Europa, Tod D. Wolters, wird für das Zentrum verantwortlich sein.

    Da die US-Truppen sich im westpolnischen Zagan versammeln, verläuft die Truppenverlegung vor allem durch Brandenburg. Eine Optimierung dieser, aber auch anderer Truppenbewegungen durch Deutschland soll also die Aufgabe des neuen Zentrums sein. Mit dessen Bildung wurde noch 2018 begonnen.

    „Eine Form von qualitativer Aufrüstung“

    „Nach dem Putsch in der Ukraine und der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation fühlt man sich in den Nato-Staaten plötzlich von Russland bedroht“, erklärt der Oberstleutnant  a. D. der Bundeswehr, Jürgen Rose, gegenüber Sputnik. Er sei von der Idee „nicht unbedingt begeistert“, möchte aber betonen:

    „Bei der Sicherheitsparanoia in Polen und im Baltikum sind aber die westlichen Alliierten nicht unbedingt die Haupttreiber der Idee.“

    Nach dem Kalten Krieg heiße für die Nato, so Rose weiter, ob man im Falle eines bewaffneten Konflikts in der Lage sei, qualitativ und quantitativ die erforderlichen Truppen an die Ostgrenze der Nato zu verlegen. Da man sich zugleich an die Abmachung mit Russland halten wolle, keine dauerhaften Stationierungen vorzunehmen, setze man jetzt verstärkt auf die temporären. „Für den Fall eines Konfliktes reichen sie aber nicht aus und man will die zusätzlichen schneller verlegen können.“

    Im Großen und Ganzen gehe es um eine Form von qualitativer Aufrüstung. Man vermehre die Truppen nicht, sondern arbeite daran, dass man sie effektiver einsetzen könne, sagt Rose. Das trage allerdings nicht zwingend zur friedlichen Lösung der Konflikte bei und dass es entsprechende Reaktionen bei Russland hervorrufe sei klar.

    Momentan laufen die Vorbereitungen für die nächste Verlegung von US-Truppen Mitte Oktober über niederländische Häfen quer durch Deutschland nach Polen. Dabei werden laut Angaben der US-Streitkräfte rund 3.500 Soldaten sowie mehr als 2.000 Militärfahrzeuge, darunter 85 Abrams-Kampfpanzer und 120 Schützenpanzer vom Typ „Bradley“, aus Texas nach Polen gebracht. Dort sollen sie eine ungefähr ebenso große Einheit ablösen, die nach neun Monaten militärischer Aktivitäten in Ost- und Südosteuropa in die USA zurückkehren wird. Seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts führen die US-Militärs in den Ländern von Estland bis Rumänien bzw. vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer regelmäßig Manöver gemeinsam mit den deutschen und den einheimischen Streitkräften durch.

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    Tags:
    Baltikum, Truppenentsendung, Ausweitung, Deutschland, Ulm, NATO