12:15 15 Dezember 2019
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    US-Kampfjets F-35A (Archiv)

    „Die Türkei wird vielleicht nie mehr US-Kampfjets kaufen“ - Experten

    © Foto : U.S. Air Force/Airman 1st Class Valerie Seelye
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    Russische Flugzeuge hinterlassen bei türkischen Fachleuten offenbar einen nachhaltigen Eindruck. Das Schauprogramm der Su-35 und Be-200 bei der Airshow Teknofest 2019 in Istanbul zeigte erneut, dass russische Flugzeugtechnik mittlerweile weltweit als Messlatte gilt und begehrt ist.

    Die Gespräche zwischen Moskau und Ankara über die Kooperation in diesem Bereich werden zunehmend konkreter und könnten demnächst zu vertraglichen Vereinbarungen führen.

    Die USA haben Ankara bei ihrem Kampfjet-Deal zwar kräftig abkassiert, weigern sich aber, die F-35 an die Türken auszuliefern.

    Wie es bei der Flugzeug-Kooperation der Türkei mit Russland und den USA künftig weitergeht, erklärt das Mitglied des Sicherheits- und außenpolitischen Rates der türkischen Präsidialverwaltung, Professor an der Akademie der militärischen Streitkräfte und Universität Yeditepe in Istanbul, Mitglied des US-Juristenverbandes für internationales und Weltraumrecht, Professor Mesut Hakkı Caşın, in einem Sputnik-Interview.

    „Die Türkei ist jetzt in einer Etappe, in der eine sehr wichtige Entscheidung getroffen wird. Einer der Gründe ist, dass die USA sich weigern, die F-35-Kampfjets auszuliefern, obwohl die Türkei dafür Geld in vollem Umfang zahlte. Diese Position der USA ist bekanntermaßen auf den Erwerb der russischen Flugabwehrkomplexe S-400 durch Ankara zurückzuführen. Das widerspricht dem Völkerrecht, weil es sich in dem einen Fall um Flugabwehrkomplexe und in dem anderen um Militärflugzeuge handelt. Zudem ist die Türkei rechtlich gesehen einer der F-35-Hersteller“, so der Experte.

    „Präsident Erdogan widmete während seines jüngsten Russland-Besuchs zwei wichtigen Fragen größte Aufmerksamkeit – dem Erwerb von Su-35-Jets und der gemeinsamen Produktion der Su-57 der 5. Generation. Diese Fragen werden derzeit von Experten der türkischen Streitkräfte, dem Außenministerium und anderen zuständigen Behörden besprochen. Parallel schützt die Türkei ihre Rechte auf die F-35-Lieferungen, wobei mit den USA weiter verhandelt wird. Sollten sich die USA weiterhin weigern, die Kampfjets an die Türkei zu übergeben, wird sie einen endgültigen Beschluss zugunsten des Kaufs von Su-35-Jets und der gemeinsamen Produktion von Su-57-Jets treffen. Zudem würde die Türkei in diesem Fall wohl nie mehr US-Flugzeuge kaufen. Ähnlich wie es mit Großbritannien der Fall war, als die Briten während des Ersten Weltkriegs die türkischen Kriegsschiffe Sultan Resadiye und Sultan Osman beschlagnahmten, und Ankara anschließend keine Schiffe, Flugzeuge und andere Militärtechnik von London kaufte“, so der Experte.

    Bezüglich der Erfolge der russischen Flugzeuge bei Teknofest 2019 in Istanbul sagte der Experte: „Die türkischen Spezialisten halten viel von der Manövrierfähigkeit der Su-35 und zeigen großes Interesse an russischen Militär- und Zivilflugzeugen. Am Freitag will Erdogan das Festival besuchen. Im Ganzen kann man sicher sagen, dass die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Russland in der Wirtschaft, bei Flugzeugen und im Weltraum ein qualitativ neues Niveau erreicht hat“, so der Experte.

    Amerikanische Stealth-Kampfjets vom Typ F-35 und F-22 bei einem Flug über dem Hudson River
    © REUTERS / Sgt Ashley Keates / MoD Crown Copyright 2019 / Handout
    Der türkische Wirtschaftsexperte Şevket Apuhan sagte bezüglich möglicher Flugzeugdeals zwischen Ankara und Moskau, dass Russland „das wichtigste Land ist, mit dem die Türkei als Kooperationspartner Hightech entwickeln und die nationale Produktion von Militärtechnik beginnen kann“.

    Laut dem Experten ist der Ausschluss der Türkei aus dem F-35-Programm „ein großer Vorteil für die Türkei, weil jeder Dollar, den die USA aus dem Rüstungshandel bekommen, für die Lieferungen von schweren Waffen an die PKK Kurdistans geht“. In dieser Situation macht die Türkei sich selbst sehr angreifbar. Demnach ist der Stopp der Zahlungen für die Gewährleistung der Sicherheit, die in die Tasche der USA fließen, ein sehr wichtiger strategischer Schritt. Die Erklärung Erdogans während seines Russland-Besuchs über den möglichen Kauf russischer Militärflugzeuge kann als Botschaft an die USA und die gesamte Weltgemeinschaft betrachtet werden. Eine Kooperation mit Russland würde die Festigung der Positionen der Türkei in diesem Bereich fördern und die Unabhängigkeit von den USA sichern, die der Türkei feindlich gesinnte Einheiten an ihrer südlichen Grenze unterstützen, so der Experte.

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    Tags:
    Russland, Rüstung, Lieferung, F-35, USA, Türkei