19:25 15 Dezember 2019
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    Der Kanadas Premier Justin Trudeau

    Blackfacing-Skandal um Kanadas Premier: „Trudeaus Milieu wendet sich von ihm ab”

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    Der kanadische Soziologe Joseph Yvon Thériault hat im Sputnik-Interview den rassistischen Skandal um den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau mit der „Amerikanisierung der kanadischen Politik“ erklärt. Es sei paradox, dass ausgerechnet Trudeau in solch eine Geschichte verwickelt wurde – der Chefideologe der neuen politischen Korrektheit.

    Der Professor für Soziologie der Universität Montreal und ehemalige Dekan der Fakultät für kanadische Forschung zu Globalisierung, Staatsbürgerschaft und Demokratie Joseph Yvon Thériault erklärte diesbezüglich:

    „Der entfachte Skandal kennzeichnet eher die Epoche, als die Erscheinung selbst. Die Tatsache, dass eine solche Praxis als Beleidigung eines Teils der Bevölkerung gilt, die als Rassismusopfer tituliert wird, stellt maßgebliche Änderungen im öffentlichen Bewusstsein in Kanada, vor allem in den Medien, fest. In der Tat kommen die meisten empörten Reaktionen aus liberalen, progressiven, akademischen und Journalisten-Kreisen, als aus der Gesellschaft im Ganzen. Die Öffentlichkeit empfindet es eher als merkwürdig, dass ein solches Ereignis so heiß diskutiert werden kann“.

    Justin Trudeau (2R) mit  hautverdunkelndem Make-up auf Gesicht bei einer Studentenparty im Jahre 2001
    © REUTERS / Handout
    Justin Trudeau (2R) mit hautverdunkelndem Make-up auf Gesicht bei einer Studentenparty im Jahre 2001

    Der Soziologe ist über die Parallele zwischen schwarzer Schminke, die der kanadische Premier für eine Mottoparty im Jahr 2001 („Arabische Nächte”) getragen hatte, und den amerikanischen Anhängern der Idee der Überlegenheit der weißen Rasse überrascht:

    „Diese Geschichte kennzeichnet auch eine Form der Moralisierung des politischen Lebens und bietet nicht die Möglichkeit, Fragen wirklich zu besprechen, die mit Diskriminierung zusammenhängen. Es sind ausschließlich Vorwürfe zu vernehmen. Die Amerikanisierung des öffentlichen Lebens ist im vollen Gange. Blackfacing ist vor allem eine amerikanische Erscheinung. Sie ist mit rein amerikanischen sozialen Verhältnissen verbunden. Es wird versucht, uns die kanadische Spezifik mit Begriffen zu erklären, die in den USA entstanden. Die Einstellung zu Sklaverei ist bei  den Kanadiern eine andere als bei den Amerikanern.“

    Laut dem Experten hat sich Trudeau in gewissem Sinne selbst eine Falle gestellt.

    „Justin Trudeau geriet in die selbst gestellte Falle. Alles, wozu er so aktiv eintrat, kehrte sich nun gegen ihn selbst. Nun bleibt ihm nur übrig, sich zu entschuldigen. Allerdings kann er auch nicht anders reagieren. Es ist merkwürdig zu beobachten, wie einige seiner politischen Opponenten ihn verteidigen. Diese Geschichte wird die Wahlergebnisse kaum merklich beeinflussen, doch im Ausland wird Trudeaus Image beschädigt“.

    Bemerkenswert ist, dass die Einwohner von Quebec von diesem Skandal weniger schockiert sind, als die englischsprachigen Kanadier. Laut dem Experten hängt das mit den Besonderheiten Kanadas zusammen.

    „Englisch-amerikanische Gesellschaften traten als erste dafür ein, dass die Multikulti-Politik auf der Staatsebene angewendet wird. Vielleicht erklärt das, warum die Reaktion im englischsprachigen Kanada viel stärker als in Quebec war. Trotz der Amerikanisierung des politischen und intellektuellen Lebens ist Quebec ein Ausnahmefall. Seine Bewohner reagierten nicht so heftig auf den Blackfacing-Skandal, weil der europäische (besonders französische) Einfluss in Quebec immer noch sehr zu spüren ist“.

    Am 18. September zog Trudeau sich publikumswirksam das Büßergewand an und „entschuldigte“ sich öffentlich.

    „Damals dachte ich mir nicht, dass es eine rassistische Gestalt war. Doch heute gebe ich zu, dass es eine rassistische Gestalt war. Ich bedauere das zutiefst“.

    Am selben Tag zeigte der TV-Sender Global ein Archiv-Video, in dem der kanadische Premier (schon in einem anderen Kontext) breit lächelnd und … mit schwarzer Schminke zu sehen ist.

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    Tags:
    Rassismus, Kanada, Justin Trudeau