05:33 15 November 2019
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    Kandidat der Grünen Werner Kogler in Österreich am 27. Septemer 2019

    „Wir sind nicht käuflich, nur wählbar“ – grünes Wahlkampffinale in Wien

    © REUTERS / Lisi Niesner
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    Zwei Tage vor der Nationalratswahl mobilisieren die österreichischen Grünen noch einmal alle Kräfte, um den Einzug in das Parlament zu schaffen. Bei den Wählern wollen sie mit Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit punkten.

    Zur Einstimmung auf das grüne Wahlkampffinale im Wiener Sigmund-Freud-Park am Freitagvormittag sprach Umweltaktivistin Leonore Gewessler und appellierte an den „Hausverstand“ der Wähler:

    „Im Wahlkampf ist es viel um Klimaschutz gegangen, plötzlich redet jede Partei davon. Oft wurde gesagt: Klimaschutz braucht Hausverstand. Wisst ihr, was mir Mut gibt? Der Hausverstand, was den Klimaschutz betrifft, den jeder Österreicher hat, ist um Meilen weiter als der Hausverstand der Politik.“

    Umweltaktivistin Leonore Gewessler am 27. September 2019
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Umweltaktivistin Leonore Gewessler am 27. September 2019

    Die Menschen hätten verstanden, worum es gehe und was es brauche, so Gewessler. Ein Recht zu haben auf eine gute Zukunft für Alle, und nicht nur für ein paar Wenige. Auch das bedeute Klimaschutzpolitik.

    „Was kriegen wir stattdessen? Scheinpolitik, Showpolitik. Mini-Maßnahmen, die aufgeblasen werden, als wären sie die Rettung der Welt. Irgendwelche Ideen, die vielleicht in dreißig Jahren etwas bringen, aber Untätigkeit jetzt.“

    Deswegen brauche es die Grünen zurück im Nationalrat, damit die Politik auf Klimaschutzkurs gebracht werde. „Die Mitmachbewegung der Menschen haben wir. Was fehlt, ist die Mitmachbewegung der Politik! Und dafür stehen die Grünen“, so Gwessler.

    Spitzenkandidat Werner Kogler legte vor der versammelten Presse und den Unterstützern im Sigmund-Freud-Park nach und schlug gleich zu Beginn die Brücke zu den Protesten von Fridays for Future:

    „Heute gehen hier in Wien und überall auf der Welt Millionen Kinder und Jugendliche auf die Straße, weil sie eine unumstößliche und wahre Botschaft haben: Es geht um deren Zukunft! Sie haben natürlich völlig Recht! Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen der drohenden Klimakrise spürt, aber mit Sicherheit die letzte, die das Ruder noch herumreißen kann. Und deshalb die Grünen!“

    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019

    Seine Partei stehe nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für soziale Gerechtigkeit, fuhr Kogler fort: „Wenn wir die Konservativen und die Liberalen anschauen, ob es das Steuerkonzept oder das Pensionskonzept ist, dann dominiert dort immer der Zugang, wenn jeder auf sich selber schaut, sei schon auf alle geschaut. Welch ein Irrtum! Nein, wir wollen ein ganz anderes Handlungsprinzip. Wir schauen alle gemeinsam aufeinander. Das ist der Unterschied! Wir wollen eine solidarische Gesellschaft freier Menschen in einer intakten Umwelt. Dafür wollen wir ins Parlament! Dafür braucht es die Grünen – für Ökologie und Gerechtigkeit!“

    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019

    Bezugnehmend auf die schwedische Umweltaktivistin Thunberg, ohne die grüne Politik dieser Tage offenbar weder in Deutschland noch in Österreich auskommen kann, kritisierte Kogler die Klimapolitik der türkis-blauen Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz:

    Greta Thunberg hat Recht: Das Haus brennt! Und unsere Bundesregierung hat nicht verstanden, dass sie mit ihren Maßnahmen den Eindruck erweckt, als würde sie mit der Spritzpistole im Vorgarten des brennenden Hauses herumhüpfen. Das ist zu spät, das ist vor allem zu wenig! Das ist zu langsam! Wir müssen den Einstieg in den Umstieg schaffen in den nächsten zehn Jahren. Glaubwürdigen, engagierten, kompetenten Klimaschutz kriegt man in der Regel mit den Grünen.“

    Statt Geld in Flughafenausbau und noch mehr Autobahnen zu investieren, müsse die österreichische Politik umdenken und die Finanzmittel, die ja da seien, umverteilen, so Kogler. Rein ins Solarzeitalter und raus aus dem Fossilzeitalter – das gehe, das sei sinnvoll, das sei notwendig, das sei vernünftig.

    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019

    Der grüne Spitzenkandidat ließ auch nicht die Gelegenheit ungenutzt verstreichen, die Korruptionsvorwürfe gegen Politiker der türkis-blauen Regierung ins Spiel zu bringen und dabei zu betonen, dass seine Partei nicht von jedem Geld annehme:

    „Soll es wieder eine Regierung geben aus dieser Neigungsgruppe Korruption und Rechtsextremismus? Wir meinen: Nein! Es ist eben nicht egal, ob von Großkonzernen, Baulöwen, Fossilindustriellen oder Milliardären die Millionen in die Parteikasse geschoben werden oder ob das nicht der Fall ist, so wie bei den Grünen. Wir haben von denen keinen einzigen Euro genommen, wir haben sogar Spenden zurückgeschickt, wenn es nicht gepasst hat. Wir sind nicht käuflich, wir sind nur wählbar!“

    Die Stimmung bei den Grünen sei super, resümierte Kogler zum Abschluss. Nun müsse die Stimmung sich nur noch in Stimmen bei der Nationalratswahl umwandeln:

    „Wir müssen ins österreichische Parlament zurückkommen mit diesem klaren, ungeduldigen, unverbrüchlichen Anspruch und dem Versprechen: Wir wollen den Klimaschutz an die erste Stelle setzen. Deshalb machen wir diese Wahl zur Klimawahl!“

    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Aktion der österreichischen Grünen in Wien am 27. September 2019
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    Tags:
    Greta Thunberg, Klimaschutz, Aktion, Wahl, Die Grünen, Österreich