03:35 16 Dezember 2019
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    Handgemalte Plakate der Grünen

    Entspannt und manierlich: Wahlkampf in Wien ist eben speziell... Fotos

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    Politik
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    Laute Wahlkampfauftritte, mit Wahlplakaten zugepflasterte Innenstädte, Agitation, Demonstrationen und Zerstörung – das alles werden Sie in Österreich einen Tag vor einer richtungsweisenden Wahl nicht erleben.

    Dass Wahlen in Österreich vorgezogen werden, ist in der Geschichte der Alpenrepublik eher Regel als Ausnahme, so häufig sind Wahltermine schon vorverlegt worden. Doch der am Sonntag anstehenden Nationalratswahl sind Skandale vorausgegangen, die sich gewaschen haben, und begleiten sie bis zum Schluss. Ibizagate hatte das Ansehen der FPÖ schwer beschädigt, zur Niederlegung der Ämter von Heinz-Christian Strache geführt und Österreich in eine schwere Regierungskrise gestürzt, die mit dem baldigen Auseinanderbrechen der türkis-blauen Koalition endete. Was danach folgte, zog auch das Kanzleramt unter Sebastian Kurz in Misskredit – die sogenannte Schredder-Affäre. Zuletzt hat die ÖVP unliebsame Aufmerksamkeit von der Zeitung „Falter“ bekommen, die dem ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Strache wird wiederum vorgeworfen hat, sich unerlaubt am Spesenkonto bedient zu haben.

    Handgeschriebene Wahlaufforderung von Pamela Rendi-Wagner
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    Handgeschriebene Wahlaufforderung von Pamela Rendi-Wagner

    Bei so vielen Skandalen könnte man meinen, dass der Wahlkampf mit nie dagewesenen Emotionen, mit erbitterten Kämpfen der Kandidaten, womöglich von Protesten begleitet geführt würde. Dass die Parteien keine Kosten und Mühen scheuen würden, um an diesem möglichen Wendepunkt in der Geschichte ihres Landes die Wähler von sich zu überzeugen. Doch scheinen die Uhren in Österreich anders zu ticken...

    Wir haben uns auf einen ausgedehnten Stadtspaziergang durch die Wiener Innenstadt begeben, um die Stimmung am Tag vor der Wahl abseits der Pressetermine, aus der Sicht der Wähler, der ganz normalen Bürger der österreichischen Hauptstadt zu spüren.

    Der erste Eindruck: Man muss die Wahlwerbung im öffentlichen Raum fast schon mit dem Feldstecher suchen. Was die Wahrnehmbarkeit der Plakate und sonstiger Wahlwerbung auf den Straßen Wiens angeht, so ist der subjektive Eindruck: Bei jeder Landtagswahl in Deutschland ist in jeder x-beliebigen Kleinstadt wahlkampftechnisch mehr los als in Wien einen Tag vor der Nationalratswahl. Die Plakate pflastern hier gar nichts, sind vielmehr sparsam und unaufdringlich hier und da platziert. Die vielen Touristen aus allen Herren Länder, die durch Wiens Straßen flanieren, die architektonische Schönheit der österreichischen Hauptstadt bestaunen und in den unzähligen Wiener Cafés die leidgeprüften Touristenfüße bei einem Wiener Schnitzel oder einem Kaffee entspannen, könnten leicht übersehen, dass ihr Gastland vor einer Wahl steht.

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    Was auch auffällt: Die meisten Plakate sind heil. Die Freiheitlichen haben auf ihrer Facebook-Seite zwar angeprangert, dass ein Paar Plakate ihrer Partei heruntergerissen worden sind, insgesamt muss man aber sagen: Beschmierte oder gar zerstörte Plakate sind die absolute Ausnahme in Wien. Und das beliebteste Ziel solcher „Optimierungsmaßnahmen“ scheint auch nicht die FPÖ mit Spitzenkandidat Norbert Hofer zu sein, sondern der ehemalige Koalitionspartner ÖVP mit Sebastian Kurz an der Spitze. Sieht man überhaupt Schmierereien, so ist es meist das Konterfei von Kurz, das auf diese Weise „verschönert“ wird.

    Das könnte daran liegen, dass ÖVP-Plakate zahlenmäßig dominieren. Aus deutscher Sicht zwar sehr dezent platziert, dominieren sie doch die Wahlwerbung im öffentlichen Raum. Mit gebührendem Abstand folgen zahlenmäßig die Wahlplakate der SPÖ und Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner. Platz 3 geht nach subjektiver Wahrnehmung der Sputnik-Korrespondenten an die Grünen und Werner Kogler. Sehr viel weniger präsent sind die Plakate von FPÖ und Neos, die man wirklich suchen muss. Von der Liste JETZT und Peter Pilz haben die Korrespondenten in zwei Tagen kein einziges Plakat registriert.

    Statt unpersönlichem, aggressivem Großstadtmarketing, will Wien eher im Kleinen überzeugen. So sind wir unweit der SPÖ-Parteizentrale auf kleine, von Pamela Rendi-Wagner handgeschriebene Notizzettel gestoßen, die die Wähler überzeugen sollen. Auch bei den Grünen scheint Do-it-yourself angesagt zu sein, wie eine Plakatreihe von handgemalten Postern a la Fridays for Future zeigt. 

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    Sputnik hat ein Paar Eindrücke am Tag vor der Nationalratswahl gesammelt.

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      Wahlaufforderung in Wien
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