22:29 15 Dezember 2019
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    die beschädigte Pipeline nach einem Angriff auf die Erdölanlagen in Saudi-Arabien am 14. September 2019

    Lässt sich ein Drohnenangriff abwehren?

    © REUTERS / HAMAD I MOHAMMED
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    Keine Flugabwehrsysteme können einem Angriff wie auf die Erdölanlagen in Saudi-Arabien standhalten, meinen die hohen US-Militärs. Stimmt das? Russische Experten klären auf.

    Von den Drohnen, die am 14. September die Anlagen von „Saudi Aramco“ angegriffen haben, weiß man wenig. Vermutlich waren es rund ein Dutzend, und zwar aus iranischer Produktion. Die Islamische Republik besitzt auch Kampfdrohnen. Das sind 400 kg schwere Geräte, von denen jedes bis zu vier lasergelenkte Gleitbomben aufnehmen kann. Also handelt es sich dabei um ziemlich große Drohnen.

    Die amerikanischen Flugabwehrsysteme im Gebrauch der saudischen Streitkräfte hätten sie theoretisch abschießen sollen, meint der Militärexperte der Zeitschrift „Arsenal des Vaterlands“ Alexej Leonkow. „Bis vor kurzem haben die Amerikaner behauptet, ihr Flugabwehrraketensystem Patriot könne Drohnen abschießen. Es wurde einmal sogar berichtet, eine zwei Millionen Dollar teure Rakete habe eine 200 Dollar teure Drohne vom Himmel geholt. Deshalb dürfte die Erklärung des Sprechers des Vereinigten Generalstabs, Patriot könne ähnliche Ziele nicht zerstören, unzutreffend sein.“

    Es gibt größere wie kleinere Drohnen. Gerade gegen schwere luftangriffsfähige Drohnen werden Flugabwehrraketensysteme eingesetzt, aber mit Patriot-Raketen auf relativ kleine Fluggeräte zu ballern, ist nicht gerade die beste Idee. Für einen effizienten Schutz gegen Drohnenangriffe bedürfe es eines komplexen Herangehens, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift „Waffenexport“ Andrej Frolow. „Um die Drohnengefahr auf ein Minimum zu halten, ist ein gestaffeltes Herangehen erforderlich. Die Meldesysteme müssen effizient genug sein, um unterschiedliche Drohnen ausmachen zu können, einschließlich der kleinen. Na, dazu gehören auch allerlei Bekämpfungsmittel, beginnend bei Raketenkomplexen bis hin zu Artillerie- und elektronischen Kampfführungssystemen.“

    Gegenwärtig werden Drohnenabwehrmittel aktiv entwickelt, welche die Steuerung der Drohne abfangen, und sie an der Erfüllung ihrer Aufgabe hindern. Übrigens sind auch die russischen Truppen in Syrien von Drohnen attackiert worden. Was das Ergebnis davon war, daran erinnert der Leiter des Zentrums für politisch-militärische Studien der Moskauer Lomonossow-Universität Jewgeni Buschinski:

    „Syrien hat gezeigt, dass sämtliche Drohnen, mit denen Hmeimim angegriffen wurde, abgefangen und zerstört worden sind. Eigentlich hat unser Luftwaffenstützpunkt praktisch keinen Schaden erlitten. Also können Drohnen doch bekämpft werden. Etwa das Flugabwehrraketensystem Panzir, das sowohl mit Raketen als auch mit Kanonen ausgestattet ist, bekämpft die tief und langsam fliegenden Ziele ausgezeichnet. Patriot ist zwar für solche Ziele sicher nicht geeignet, doch müssen sich die US-Militärs irgendwie rechtfertigen.“

    Der Iran, dem die Vereinigten Staaten Schuld an dem Angriff auf Erdölanlagen in Saudi-Arabien geben, hat versprochen, seinerseits Drohnen abzuschießen, die in seinen Luftraum eindringen würden. Im Unterschied zu den Saudi-Arabern besitzen die Iraner Panzir-S-Flugabwehrsysteme. Der ehemalige Chef der Flugabwehrraketentruppen, Oberst Sergej Chatyljow, unterstrich in einem Presse-Interview: „In Saudi-Arabien sind höchstwahrscheinlich Komplexe stationiert, die für die Zerstörung von Abfangraketen eines Raketenabwehrsystems zuständig sind. Sie sind auf die Bekämpfung schnell fliegender Flugzeuge und Raketen ausgerichtet, die ein Objekt gezielt zerstören sollen. Dabei ist ihr Wirkungsbereich bei solchen Zielen klein.“

    Die amerikanischen Flugabwehrmittel wurden mit Drohnen konfrontiert, die unterschiedliche Waffen - Bomben und Sprengstoffe - an Bord hatten. Ein unbemanntes Flugobjekt stellt im Unterschied etwa zur ballistischen Rakete ein langsam und tief fliegendes kleineres Ziel dar. Die Drohnen haben die Wirkungsbereiche der amerikanischen Abwehrsysteme gemieden, die angesichts dieser Angriffsmittel versagten. Im Endeffekt musste sogar der amerikanische Kongress zugeben, dass ihr Patriot-System sich gegen diesen Typ von Zielen als unwirksam erwiesen hätte.

    Allerdings hänge hier laut dem Experten manches nicht von dem Funktionieren jedes einzelnen Abwehrsystems ab, sondern davon, wie die Flugabwehr im Ganzen organisiert sei. „Wir verwenden nämlich die Langstrecken-FlaRak-Komplexe S-300 und S-400 nicht gegen Drohnen. Aufgrund meiner Erfahrungen beim Schutz des Militärflugplatzes Hmeimim kann ich sagen, dass dort nicht nur die Panzir eingesetzt werden, sondern auch die Fliegerabwehr-Maschinengewehre ZPU-1 und ZPU-2, also ziemlich alte Waffen. Gut bewährt haben sich ferner die Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-Systeme Tor-M2 und Tor-1. All das ist aber an das einheitliche Aufklärungssystem gebunden. Es geht dabei um ein System des vielschichtigen, kombinierten Flak- und Raketenfeuers. Das Versagen der Drohnenabwehr in Saudi-Arabien ist eher auf die Organisation des Flugabwehrsystems zurückzuführen. Oder besser gesagt auf sein Fehlen.“

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    Tags:
    Drohnen, Abwehr, Patriot, Angriff, Saudi Aramco, Saudi-Arabien