19:00 05 Dezember 2019
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    Wener Kogler (die Grünen) am 29. September 2019

    „Die Grünen müssen bereit sein, zu regieren“ - Franz Fischler (ÖVP) Exklusiv

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    Politik
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    Sehr zufrieden mit dem Wahlergebnis seiner Partei zeigte sich der ÖVP-Politiker Franz Fischler. Angesichts des ebenfalls sehr guten Ergebnisses der Grünen und der nun theoretisch möglichen schwarz-grünen Koalition erwartet Fischler von den Grünen Flexibiltät und Verhandlungsbereitschaft. Sputnik hat mit Fischler in der Wiener Hofburg gesprochen.

    Die ÖVP mit Sebastian Kurz an der Spitze hat den ersten Hochrechnungen zufolge mit ihrem Wahlergebnis sämtliche Prognosen und vielleicht sogar die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen. Nach Regierungskrise und Abwahl mit 37 Prozent zurückzukommen, habe selbst Spitzenkandidat Kurz „fast sprachlos“ gemacht, wie er merklich erfreut und emotional bei der ÖVP-Wahlparty vor seinen Parteikollegen und Unterstützern zugab.

    Einen Zugewinn der ÖVP habe er durchaus erwartet, sagte im Sputnik-Interview Franz Fischler, Präsident des Alpbach-Forums. Dass der Wahlsieg der Türkisen so deutlich ausfallen würde, freue ihn, erwartet habe er das aber nicht. Fischler (ÖVP) war unter anderem Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und EU-Kommissar.

    Die Verluste der FPÖ auf der anderen Seite, die auf 16 Prozent gefallen ist, seien der langen Reihe an Skandalen zuzurechnen. Die Menschen seien davon frustriert und fragten sich, weswegen sie die FPÖ noch wählen sollten, so Fischler.

    Ihren Wiedereinzug ins Parlament würden Werner Kogler und die Grünen, die sich mit starken 14 Prozent zurückgemeldet haben, nicht nur dem Thunberg-Effekt verdanken, auch wenn die Klimainitiative gerade bei den jungen Leuten eine wichtige Rolle gespielt habe, so das Urteil des Experten.

    „Von manchen Grün-Wählern, die sich bei den letzten Wahlen von den Grünen abgewendet hatten, ist es glaube ich auch eine Rückkehr aufgrund des Verhaltens des Spitzenpersonals der Partei. Es sind jetzt alles neue Leute, das hat ebenfalls einen Effekt gebracht. Ich glaube auch, dass vor allem in den westlichen Bundesländern eine Rolle spielt, dass es dort ja schwarz-grüne Koalitionen gibt, die relativ gut funktionieren.“

    Dass die SPÖ keinen Boden gutmachen konnte und im Vergleich zu vergangenen Nationalratswahlen ein Minus von 4-5 Prozent verzeichnen muss, könne man nicht der Spitzenkandidatin anlasten.

    „Für eine Person allein ist es schwierig, aus der Rolle der Opposition heraus große Erfolge zustande zu bringen. Rendi-Wagner ist eine sehr sympathische Politikerin. Was ihr zurzeit fehlt, ist der Rückhalt ihrer Partei. Die Partei kommt in der Öffentlichkeit kaum vor.“

    Über mögliche Koalitionen möchte Fischler am Wahlabend nicht spekulieren, hält die Konstellation ÖVP-SPÖ jedoch für „ziemlich unwahrscheinlich“. Die Grünen, die sich mit ihrem guten Ergebnis  als Koalitionspartner für eine Zweierkoalition mit der ÖVP ins Spiel gebracht haben, sollten laut Fischler jetzt „eine gewisse Flexibilität und vor allem eine Verhandlungsbereitschaft“ signalisieren. „Letztlich heißt das: Die Grünen müssen bereit sein, zu regieren“, resümiert Franz Fischler.

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    Tags:
    Regierung, Die Grünen, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), SPÖ, ÖVP, Sebastian Kurz, Wahl, Österreich