05:30 15 November 2019
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    AfD-Spitzenkandidat in Thüringen Björn Höcke (L)

    „Kommt rüber wie ein Zeugen Jehovas Heftchen“ - Höckes Comic mit DDR-Vergleich erntet Spott und Häme

    © REUTERS / AXEL SCHMIDT
    Politik
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    Vor der Landtagswahl Ende Oktober wirbt der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke für sich mit einem Comic, in dem er sich auf dem Erfurter Anger mit Bürgern unterhält. Eigentlich wollte er damit „den kleinen deutschen Bürger“ ansprechen - stieß aber nur auf Gelächter.

    „Wahlrecht jetzt doch ab 12? Ist das nicht ein wenig übertrieben?“, reagierte der Facebook-Nutzer Hansjörg Schwarz auf das bunte Unterhaltungsstück, das jedoch angeblich als Teil der AfD-Wahlkampagne in Thüringen gedacht ist. „Auch mit diesem Comic übermalt man nicht den, jetzt amtlich beglaubigten, Faschisten“, beharrte seinerseits der Nutzer Jo Po. Das Wort gilt allerdings für den Rechtsaußen Höcke, den man seit kurzem nach einer Gerichtsentscheidung nun offiziell einen „Faschisten“ nennen darf. 

    In dem am Montag geposteten Comic spricht er als blauäugige blonde Comic-Figur die Menschen in Erfurt an, die anscheinend auf eine Straßenbahn warten. Sie beklagen sich gegenüber Höcke über die AfD-Ausgrenzung sowie die angebliche Zensur. Dabei vergleichen sie das heutige Deutschland mit der DDR, man sei wieder auf „dem besten Weg in eine Gesinnungs-Diktatur“. Früher seien es die „Stasi-Schergen“ gewesen, heute „machen die Antifa-Banden Jagd auf politische Abweichler“, so die Botschaft des Comics. Als „böser“ Antagonist taucht da unter anderem Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf, der Musiker Herbert Grönemeyer, der Schauspieler Til Schweiger oder der Toten-Hosen-Frontmann Campino würden einem „diktieren, wie die Gesellschaft auszusehen hat“. Sie seien wie die „Kulturschaffenden in der DDR“, die vom Staat dazu benutzt wurden, um das Volk „auf Parteilinie zu bringen“. Gemeinsam mit Höcke rufen die beiden Erfurter Bürger dann zu einer „friedlichen Revolution auf dem Stimmzettel“ auf.

    In den zahlreichen Kommentaren unter dem Facebook-Beitrag amüsieren sich die meisten Leser weiter. Kaum jemand zeigt sich von der Kampagne ernst angesprochen.  „Kommt rüber wie ein Zeugen Jehovas Heftchen. Passt!“, schrieb der Nutzer Thomas Walloch weiter. „Genial! Zielgruppenadäquat! So geht Marketing“, erwiderte Günter Geng. „Wenn die Anhänger einen normalen Text nicht verstehen, muss man halt auf bunte Bildchen zurückgreifen“, meinte Sven Aufenvenne. „Unglaublich, hab zuerst gedacht, das sei Verarsche. Aber der meint das wirklich ernst“, so der Nutzer Stefan Marquardt. „Wenn man glaubt, der Höcke kann nicht plumper ...“, schrieb seinerseits Claro Stein. „Höcke höcke unser Kanzler!! Ein hoch auf die AfD“, spottete Micha Braun. „#nieWieder. So ein Comic macht doch das Parteiprogramm und die Aussagen der Leute der AfD nicht besser. Aber auch hier gilt, solange sie ihre Energie hier reinstecken, können sie woanders nichts kaputt machen“, meinte Elise Radtke.

    Für seine NS-artige Rhetorik wird der Anführer des nationalkonservativen Flügels Höcke von Experten und der Öffentlichkeit seit langem attackiert. Dass die AfD sich von ihm trotzdem nicht distanziert, erklärte der Parteienforscher Dr. Steffen Kailitz in einem Sputnik-Gespräch damit, dass sein Flügel immer mehr an Dominanz innerhalb der AfD gewinne und die Spitze der Fraktion bereits beherrsche. Auf dem Kyffhäusertreffen im Juli stand die Rede Höckes, wo er den AfD-Bundesvorstand attackiert hatte, unter dem Motto „Der Osten steht auf“. In den aktuellen Umfragen vor den Landtagswahlen am 27. Oktober steht die AfD mit 24 Prozent auf dem zweiten Platz. Knapp dahinter liegt die CDU mit 23 Prozent, an der Spitze steht die Linke mit 29 Prozent.

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    Tags:
    DDR, Diktatur, NS, AfD, Björn Höcke