08:12 15 November 2019
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    Keine ungarische Staatsbürgerschaft für Ukrainer mehr? Budapest zieht Pässe zurück

    © Sputnik / Alexander Maximenko
    Politik
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    Ungarische Behörden ziehen viele Pässe zurück, die in der westukrainischen Region Transkarpatien ausgestellt wurden. Das teilte der ehemalige Regierungschef von Transkarpatien Gennadij Moskal gegenüber dem Portal „Obosrewatel“ mit.

    Derzeit kommen laut Moskal auf jeden neuen ungarischen Bürger „zehn bis zwanzig“ jener, die ausgebürgert werden. Die Ursache dafür sei, dass in Transkarpatien nicht nur Ukrainer mit ungarischen Wurzeln, sondern auch solche mit gefälschten Dokumenten die Staatsbürgerschaft Ungarns bekommen haben.

    „Jetzt erfolgt ein Gerichtsverfahren nach dem anderen“, so der Politiker in einem von dem Portal veröffentlichten Video.

    Budapest habe den Chefs der örtlichen Behörden in Transkarpatien genehmigt, die ungarischen Sprachkenntnisse bei Bewerbern für die Staatsangehörigkeit zu prüfen sowie neue ungarische Bürger zu vereidigen.

    „Es hat sich erwiesen, dass mehr als die Hälfte der Pässe für Menschen ausgestellt wurden, die nicht zur ungarischen Ethnie gehören, die Sprache nicht kennen, die in Kiew oder noch irgendwo wohnen“.

    Es sei „beinahe unmöglich“, die ungarische Sprache zu erlernen. Das erforderliche Dokument, welches bestätigt, dass die Eltern des Bewerbers im Zeitraum zwischen 1939 und 1944 in Transkarpatien lebten, könnte aber gegen Schmiergeld gekauft werden.

    Moskal zufolge beschlagnahmt die ungarische Polizei den Pass, falls sein Inhaber kein Ungarisch versteht.

    Transkarpatien  

    Die Region Transkarpatien wurde am 22. Januar 1946 als Teil der Ukrainischen SSR gegründet. Seit 1991 ist sie ein Bestandteil der heutigen Ukraine. Etwa 12 Prozent der örtlichen Bevölkerung sind ungarischer Abstammung.

    Zwischen den beiden Ländern entstanden Spannungen wegen des vor einem Jahr in Kraft getretenen ukrainischen Bildungsgesetzes, das die Bildungsmöglichkeiten der ungarisch sprechenden Einwohner und anderer Minderheiten wesentlich beschränkt.

    Ungarns Außenminister, Péter Szijjártó, verurteilte die ukrainische Politik gegenüber der ungarischen Bevölkerung in der Ukraine. Sie sei fehlgeschlagen und erinnere ihn an die „dunkelsten Diktaturen“.

    Ungarische Pässe für Ukrainer in Transkarpatien

    Zuvor hatte die staatliche ukrainische Agentur Ukrinform unter Berufung auf eigene Quellen gemeldet, dass das ungarische Konsulat in Berehowe ungarische Pässe an Bürger der Ukraine mit dem Vermerk aushändige, die ukrainischen Behörden davon nicht in Kenntnis zu setzen.

    Daraufhin teilte Kiew mit, dass der ungarische Konsul in der Stadt Berehowe im westukrainischen Gebiet Transkarpatien zur unerwünschten Person erklärt worden sei. Budapest antwortete mit der Ausweisung eines ukrainischen Konsuls.

    mo/gs

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    Tags:
    Ukraine, Ungarn