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05:12 22 Oktober 2019
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    Übungen Sea Breeze 2019 (Archiv)

    Säbelrasseln im Schwarzen Meer: Wollen die USA die Krim blockieren?

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist 1st Class Kyle Steckler
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    Ein „Zaun“ aus Luftabwehranlagen, mehr Kriegsschiffe, häufige Manöver – die US-amerikanische Denkfabrik RAND Corporation hat einen Bericht über Washingtons Strategie zur „Eindämmung“ Russlands in der Region des Schwarzen Meeres veröffentlicht.

    Die Experten des Think Tank behaupten, dass Moskau beträchtliche militärische Kräfte auf die Krim verlegt hätte, die für die Nato-Infrastruktur „gefährlich“ seien. Über die Maßnahmen, die das Pentagon angesichts dessen plant, berichtet Sputnik in diesem Beitrag.

    Geschlossener Raum

    Die RAND-Analysten sind überzeugt, dass sich der Schwarzmeerraum allmählich in den Schauplatz einer Konfrontation zwischen Russland und dem Westen verwandele. Auf dem Spiel stehe die Zukunft Europas. Dabei wolle Moskau mit militärischer Gewalt sowie mit diversen Instrumenten im Informationsraum sowie auf den Gebieten Wirtschaft und Energiewirtschaft aus dem Schwarzen und Asowschen Meer seine Hoheitsgewässer machen.

    Die Amerikaner verweisen darauf, dass auf der Krim seit 2015 Raketenkomplexe stationiert seien, die mit den wohl weltweit besten Luftabwehrsystemen S-400 „Triumph“ abgesichert seien. Zudem befinden sich auf der Halbinsel Frühwarn-Radarstationen.

    Besonderes Augenmerk wurde in dem Bericht der Modernisierung der russischen Schwarzmeerflotte geschenkt. Die Autoren betonten, dass sie seit 2014 sechs neue Korvetten, sechs U-Boote des Projekts 636 „Warschawjanka“ und drei Mehrzweck-Wachschiffe des Projekts 11356 bekommen habe. Diese seien mit Marschflugkörpern „Kalibr“ bestückt, die Ziele im ganzen Schwarzmeerraum treffen könnten.

    Das alles erlaubt dem Kreml nach Auffassung der RAND-Experten, in der Region einen „Anti-Access“-Raum einzurichten, wo die Nato-Kräfte im Falle einer Konfrontation große Verluste tragen müssten. Dementsprechend könne sich kein einziges Kriegsschiff der Allianz in diesem Gebiet in Sicherheit fühlen.

    Um einen „Offensivschlag“ der Russen zu verhindern, schlagen die Experten die Aufstellung von modernen Luftabwehrsystemen in Rumänien und Bulgarien sowie eine Erweiterung des Übungsgebiets der Nato-Schiffe vor. Darüber hinaus sollte das Bündnis der Ukraine und Georgien bei der Entwicklung ihres „nationalen Verteidigungspotenzials“ helfen. Allerdings wird es ihnen zufolge schwer fallen, eine einheitliche gegen Russland gerichtete Strategie zu entwickeln, denn die Interessen der Schwarzmeeranrainer sind in vielen Aspekten unterschiedlich.

    Die Nato am Schwarzen Meer

    Wenn man allerdings die Ereignisse der vergangenen Monate analysiert, kann man feststellen, dass die Spannungen im Schwarzmeerraum nicht von Russland, sondern von der Nato provoziert werden. Wie der Generalsekretär der Allianz, Jens Stoltenberg, im Frühjahr 2019 erklärte, werden westliche Kriegsschiffe zunehmend häufiger ukrainische und georgische Häfen anlaufen und an gemeinsamen Manövern teilnehmen. Die US-Botschafterin bei der Nato, Kay Bailey, sagte ihrerseits, das Bündnis plane ein so genanntes „Schwarzmeer-Paket von Maßnahmen“. Dabei gehe es um eine intensivere Luftaufklärung und Deckung von ukrainischen Schiffen in der Kertsch-Straße.

    Bereits im Sommer begann die Nato, Worte in Taten umzusetzen. Im Juli begann in Odessa die internationale Marineübung Sea Breeze 2019, an der sich fast 20 Länder beteiligten. Dabei kamen 32 Kriegsschiffe, 24 Flugzeuge und mehr als 900 Marineinfanteristen zum Einsatz. Im Schwarzen Meer erschien das US-Linienschiff „Carney“. An der Übung nahmen unter anderem ein Motorboot der georgischen Küstenwache und ein bulgarischer kleiner U-Boots-Zerstörer sowie etliche Frachtflugzeuge der Nato mit Soldaten, Technik und Anlagen an Bord teil.

    Ende Juli fand ein weiteres umfassendes Manöver im Schwarzmeerraum statt – diesmal in Georgien. An der Übung „Agile Spirit 2019“ nahmen mehr als 3000 Soldaten aus 14 Ländern teil. Im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus) sagte man damals, die Nato spiele mit den Muskeln und versuche, ihre Präsenz im westlichen und südlichen Grenzraum Russlands zu demonstrieren, während Georgien „Teil des Nato-Mechanismus zur Einflussnahme auf Moskau“ geworden sei.

    „Sanitäre Absperrung“

    Russische und westliche Experten sind sich einig, dass die Spannungen in der Region noch mehr zunehmen werden.

    Das US-Kongressmitglied und Mitglied des Verteidigungsausschusses im Repräsentantenhaus, John Garamendi, erklärte auf dem jüngsten Warschauer Sicherheitsforum, die USA und ihre Nato-Verbündeten werden 2020 die größte europäische Übung seit dem Kalten Krieg abhalten. Sie werde an der gesamten westlichen Grenze Russlands verlaufen. Dabei werden voraussichtlich die Empfehlungen der RAND Corporation in die Praxis umgesetzt.

    Start der Kalibr-Rakete vom Bord des Raketenschiffs des Projekts 21631 „Wyschni Wolotschok“
    © Sputnik / Andrew Stanavov
    „An diesen Plänen gibt es nichts Neues“, sagte dazu der Experte des russischen Forschungszentrums für Sicherheitsprobleme, Konstantin Blochin. „Die USA hegen schon seit langem die Idee zur Einrichtung einer ‚sanitären Absperrung‘ durch Staaten, die gegenüber Russland feindselig eingestellt sind – von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.“ In Washington versteht man nach seinen Worten, dass man mit Russland im Schwarzmeerraum kaum konkurrieren könne. Deshalb wolle man Moskau zwingen, sich mit dem Gedanken „anzufreunden“, dass es im Schwarzen Meer immer viele US-Kriegsschiffe geben werde, so Blochin. Sie werden den Druck auf Russland erhöhen, und zwar nicht nur aus eigener Kraft. „Daran sollen sich auch Bulgarien, Rumänien, die Ukraine und Georgien beteiligen.“

    Gleichzeitig betonte der Experte, dass der Schwarzmeerraum für die Amerikaner nicht mehr als ein neuer Spannungsherd sei, wo sie Russland provozieren können. Die jüngsten Zwischenfälle in der Straße von Kertsch seien ein klarer Beweis dafür.

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    Tags:
    Blockade, Krim, NATO, Russland, USA