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05:28 22 Oktober 2019
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    Das serbischstämmige Politiker aus Bosnien und Herzegowina Milorad Dodik (Archivbild)

    Bosnischer Top-Politiker exklusiv: Welche Nato? Ich will nicht in die Nato

    © Sputnik / Walerij Melnikow
    Politik
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    Das serbischstämmige Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina, Milorad Dodik, spricht im Interview über den angeblichen Einfluss Russlands und den wahren Einfluss der USA auf den Balkan.

    Außerdem erklärt er, warum die Republika Srpska nicht in die Nato will, und warum Balkan-Politiker aus Furcht dem Kurs ihrer westlichen Kollegen folgen, als eigene Wege zu gehen. Darüber hinaus geht er auf die Rolle der neuen US-Sondergesandten für den Balkan und der medialen Asymmetrie in Bosnien und Herzegowina ein.

    Russlands Präsenz in Bosnien und Herzegowina ist eine Lüge. Wenn jemand dort präsent ist und Einfluss nimmt, dann sind es die USA. Die Amerikaner – Matthew Palmer (er wurde am 30. August zum US-Sondergesandten für den Balkan ernannt – Anm.d.Red.) - und andere sagen täglich etwas über Bosnien und Herzegowina, doch wenn Lawrow etwas sagt (auf der Sitzung des Waldai-Klubs sagte er, dass Bosnien und Herzegowina in die Nato hineingezogen wird – Anm.d.Red.), schlagen alle Alarm! Wenn die Amerikaner das für ihr Recht halten, warum kann der russische Außenminister das nicht sagen? Lawrow hat gutes Detailwissen über die Lage im ehemaligen Jugoslawien, unter anderem in Bosnien und Herzegowina. Er ist sehr objektiv in diesem Kontext. Er verhielt sich zu unseren Rechten (Rechten der bosnischen Serben – Anm.d.Red.) nie mit mehr Respekt als zu den Rechten der anderen.

    Die globale Polarisierung an der Linie zwischen Amerika und einem Teil Westeuropas einerseits sowie Russland und China andererseits führt dazu, dass die westlichen Kräfte damit beginnen, sie einzuordnen, wer für sie und wer gegen sie ist. Als sich die Republika Srpska weigerte, Zölle gegen Russland einzuführen, verwandelten wir uns sofort in „russische Vasallen“. Ein Klischee. Daraus ergibt sich die ganze Geschichte mit Russland – sie fürchten, dass die Russen den größeren Einfluss als sie selbst haben.

    Wenn man die Situation real betrachtet, ist alles, was die Amerikaner unternehmen, gegen die staatlichen und nationalen Interessen Serbiens gerichtet. Das Kosovo, die Schaffung Bosnien und Herzegowinas, das damals geteilt werden sollte – der damalige Staatssekretär für nationale Sicherheit schlug bei der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens vor, Bosnien und Herzegowina zu teilen. Allerdings wurde am Konzept eines Staates Bosnien und Herzegowina festgehalten, der nicht funktioniert. Jetzt sind wir daran schuld. Ich bin daran schuld, dass ich nicht verstehe, dass sie uns Gutes wünschen! Wir wissen selbst, was für uns gut ist und was nicht.

    Darum geht es im Wesentlichen. Ich war es nicht, der in die USA reiste, den Amerikanern Probleme bereitete. Es sind sie, die hierher kommen und darauf warten, dass ich nur das machen werde, was sie sagen – ob wir in die Nato müssen oder nicht … Sie können nicht einfach hierher kommen, uns mit niedrig angereichertem Uran bombardieren, in Bosnien und Herzegowina intervenieren und sich auf die Seite der Kroaten und Muslime im Krieg stellen, dessen Ausgang bestimmt wird, und danach das erniedrigende Dayton-Abkommen aufdrängen. Welche Nato? Ich will nicht in die Nato.

    Russland ist auch Mitglied der Partnerschaft für den Frieden. Ich erinnere mich an Zeiten, als Russland seine Bereitschaft ausdrückte, der Nato beizutreten. Damals war eine solche Zeit. Jetzt ist eine andere Zeit. Alles ändert sich, nur der Druck bleibt unverändert. Die Nato sagt: „Wir ziehen niemanden gewaltsam heran, das ist die Sache eines jeden Landes.“ Doch in der Tat sagen Palmer und weitere Sondergesandte ihnen, dass sie beitreten müssen. Doch wir müssen nicht und werden das nicht machen.

    Bekanntermaßen haben die Amerikaner, Briten und Bosnier in Sarajevo ein Informationszentrum über den bösartigen russischen Einfluss auf den Balkan ins Leben gerufen. Die Amerikaner und Briten verheimlichen nicht, dass sie die Geldgeber sind. Viele Balkan-Politiker verhalten sich wie folgt: Wenn sie in die USA bzw. nach Großbritannien fahren, wird ihnen das gesagt, was die Beamten von ihnen hören möchten … Doch ich kam nicht, um das zu sagen, was sie hören wollen, sondern um die eigene Meinung über die Situation zu äußern. Das ist nicht typisch und gefällt dort niemandem.

    Die Geschichte über den russischen Einfluss ist absolut erfunden. Ich habe nie gehört, dass jemand aus Russland kam und sagte: „Man muss es so und so machen.“ In Bosnien und Herzegowina gibt es kein einziges russisches Medium, dafür aber Al Jazeera, N1 (CNN-Tochterfirma), Nova. Auch in Zagreb, Belgrad, Sarajevo gibt es sie. Und sie reden da noch von russischem Einfluss! Unglaublich.

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    Tags:
    Jugoslawienkrieg, Jugoslawien, Matthew Palmer, Bosnien, Bosnien-Herzegowina, Russland, NATO, Balkan, Milorad Dodik