07:38 18 November 2019
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    Der ukrainische Regierungschef Alexej Gontscharuk im Ministerkabinett

    Ukraine: Neuer Ministerpräsident heißt Neo-Nazis willkommen - Video

    © Sputnik / Stringer
    Politik
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    Der ukrainische Regierungschef Alexej Gontscharuk hat am Sonntag in Kiew ein Konzert der rechtsradikalen Metal-Band „Sokira Peruna“ („Peruns Axt“) besucht und sogar eine Ansprache von der Bühne gehalten.

    Auf einem Video des Konzerts bedankt sich Gontscharuk bei allen anwesenden Neonazis für ihre „Existenz“.

    „Danke, dass es Euch gibt. Das gibt uns die Möglichkeit, auf friedlicher Erde unter friedlichem Himmel zu leben und uns damit zu beschäftigen, was wir aus meiner Sicht nicht schlecht können“, sagte Gontscharuk.
    „Wir arbeiten für Euch. Ich arbeite für Euch. Damit die Ukraine stärker wird.“

    Ein Foto von Gontscharuks Auftritt veröffentlichte der Chef der ukrainischen rechtsradikalen Gruppierung S14, Jewgeni Karas. Organisiert wurde das Konzert von Andrej Medwedko, der unter Verdacht steht, den Schriftsteller und Journalisten Oles Busyna ermordet zu haben.

    Die Band „Sokira Peruna“ gilt als neonazistisch. Auf der ukrainischsprachigen Seite von Wikipedia heißt es, dass die Lieder der 1998 gegründeten Gruppe von den Themen Neonazismus und weiße Macht geprägt sind.

    2018 wurde gegen die Band ein Strafverfahren wegen der Nutzung von Hackenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen bei ihren Konzerten sowie wegen faschistischer Aufrufe und Zitaten des italienischen Diktators Benito Mussolini eingeleitet.

    Reaktion der Opposition und der regierenden Partei

    Die Opposition fordert nun den Rücktritt von Ministerpräsident Gontscharuk. Die Partei von Präsident Wladimir Selenski, „Diener des Volkes“, kritisierte den hochgestellten Politiker wegen des Vorfalls und wartet nun auf dessen Erklärungen, berichtet die Online-Zeitung „Strana.ua“ unter Berufung auf einen Sprecher der Partei.

    Gontscharuk bestreitet jedoch, das Konzert besucht zu haben.

    Nicht das erste und nicht das letzte Vorfall dieser Art

    Im vergangenen Juni hatte die israelische Zeitung „Haaretz“ über ein großes Neonazi-Konzert in Kiew berichtet, an dem ein halbes Dutzend Neonazi-Bands aus der ganzen Welt „mit gewalttätigen, rassistischen und offen antisemitischen Texten“ auftraten. Solche Konzerte stünden in ganz Europa unter Druck von Politikern und der Öffentlichkeit bis hin zur Absage.

    „Aber im Gegensatz zu Neonazi-Konzerten in anderen Teilen Europas findet Kiews Fortress Europe-Konzert nicht im Verborgenen statt“, schrieb „Haaretz“. Auch „Sokira Peruna“ sei damals mit dabei gewesen. Nach Angaben der Zeitung hat der ehemalige Gitarrist der Band 2012 bei einem Hassverbrechen sechs Menschen ermordet.

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    Tags:
    Alexej Gontscharuk, Ukraine, Neonazis