07:58 18 November 2019
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    Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan am 13. Oktober 2019

    Erdogan kann Trumps Tweets zur Syrien-Offensive nicht mehr folgen

    © REUTERS / Murat Kula/Presidential Press Office
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Schnelligkeit seines amerikanischen Amtskollegen Donald Trump verspottet, der widersprüchliche Signale bezüglich der türkischen Militäroperation in Nordsyrien gesendet hat.

    „Wenn wir uns die Twitter-Posts von Herrn Trump ansehen, können wir ihnen nicht mehr folgen. Wir können den Überblick nicht behalten “, sagte Erdogan gegenüber Reportern, als er von einem Gipfeltreffen in Aserbaidschan zurückkehrte. Ihn zitiert die türkische Tageszeitung „Hurriyet“.

    Widersprüchliche Signale

    Erdogan bezog sich dabei wohl auf eine Reihe von Tweets, in denen Donald Trump zunächst seine Entscheidung verteidigte, 1.000 US-Soldaten aus entscheidenden Positionen im Nordosten Syriens abzuziehen und damit der türkischen Operation praktisch grünes Licht zu geben – und dann Sanktionen gegen Ankara zu verhängen.

    Der US-Präsident schien letzte Woche in mehreren Tweets zu versuchen, seine Entscheidung zu rechtfertigen. In denen sagte er, dass Türken und Kurden „schon immer gekämpft haben“. In einem Follow-up-Post versprach er jedoch, „die Türkei finanziell sehr hart zu treffen“, wenn sie „nicht nach den Regeln spielt“.

    Was Ziel der Offensive war

    Das Weiße Haus kündigte am Sonntag, dem 6. Oktober, abrupt den Rückzug der USA an. Drei Tage später starteten türkische Truppen eine Operation gegen ehemals von den USA unterstützte kurdische Truppen über die Grenze zu Syrien und weiter ins Landesinnere.

    Bis dahin waren die Kurden wichtige Verbündete der von den USA angeführten westlichen Koalition, die gegen IS/Daesh * kämpfte. Sie werden in der Türkei jedoch als Terroristen angesehen, die mit der eigenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in Verbindung stehen. Erklärtes Ziel der Offensive ist, in der Region eine Pufferzone einzurichten und dort bis zu drei Millionen syrische Flüchtlinge anzusiedeln, die sich derzeit in der Türkei aufhalten. Die syrische Regierung betrachtet diese Pläne sowie die anhaltende türkische Offensive als aggressive Verletzung ihrer Souveränität. Auch die internationale Gemeinschaft hat die Operation mit kritischer Stimme aufgenommen.

    Donald Trumps Haltung gegenüber dem türkischen Angriff in Syrien war offensichtlich instabil: Der US-Präsident machte den Weg für die Operation frei, indem er US-Truppen aus der Region abzog, drohte jedoch später, im Zuge der Offensive Sanktionen gegen die Türkei zu verhängen.

    Trump hat lange Zeit versprochen, die Vereinigten Staaten aus Militärkampagnen in der ganzen Welt zurückzuziehen, aber sein jüngster Syrien-Schritt hat in Washington Bedenken geweckt, dass dies die Glaubwürdigkeit der USA untergraben und mehr Chaos in die ohnehin volatile Region bringen könnte.

    *Eine in Russland verbotene Terrorvereinigung

    ek/sb

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