07:10 18 November 2019
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    Soldaten der Türkei an der Grenze mit Syrien (Archiv)

    Norwegischer Minister besorgt über „totales Chaos” inmitten türkischer Offensive

    © AFP 2019 / SALEH ABO GHALOUN
    Politik
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    Der norwegische Justiz- und Einwanderungsminister Jøran Kallmyr von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) sieht Parallelen zwischen der Migrantensituation angesichts der türkischen Offensive in Nordostsyrien und der Flüchtlingskrise 2015.

    „Wir blicken nicht gelassen auf die jüngste Offensive der Türkei. Gleichzeitig ist Europa beinahe zur Geisel von Erdogans Politik geworden. 3,6 Millionen Asylsuchende werden ein totales Chaos anrichten, auf das Europa nicht vorbereitet ist“, sagte Kallmyr dem staatlichen Sender NRK während seines Besuchs im neuen Ankunftszentrum, das von der norwegischen Einwanderungsbehörde verwaltet wird.

    Wenige Tage vor Kallmyrs Kommentar hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Verurteilung der von ihm angekündigten Offensive „Friedensquelle” durch die EU kritisiert. Sollte die EU versuchen, die Operation als Invasion darzustellen, würde die Türkei die Türen für 3,6 Millionen Flüchtlinge öffnen, warnte der Staatschef.

    Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der türkischen Militäraktion in Nordostsyrien bereits 100.000 Menschen vertrieben.

    Kallmyr glaubt dennoch, dass sein Land nun besser für eine mögliche Flüchtlingswelle gerüstet sei als vor vier Jahren. Die norwegischen Aufnahmebehörden würden einer möglichen massiven Zunahme von Asylanträgen Rechnung tragen. Allein das Ankunftszentrum sei in der Lage, bis zu 300 Asylbewerbern pro Tag Platz zu bieten.

    „Wir versuchen, sie daran zu hindern, nach Norwegen zu kommen, und lassen sie in Zelten statt in Hotelzimmern übernachten. Im Jahr 2015 haben wir gesehen, dass sie Fotos mit Freunden geteilt haben, wozu sie schrieben: ‚Hier ist Luxus, ihr müsst auch kommen.’ Da wurde ein völlig falsches Bild von Norwegen vermittelt“, sagte Jøran Kallmyr.

    Die gegen die Kurdenmiliz YPG sowie den „Islamischen Staat”* gerichtete Militäroperation der Türkei in Nordostsyrien dauert seit dem 9. Oktober an.

    Das türkische Verteidigungsministerium verkündete am Samstag, dass Erdogans Armee und die syrische bewaffnete Opposition die Stadt Ras al-Ain unter ihre Kontrolle genommen hätten.

    *Terrororganisation, in Russland verboten

    jeg/sb

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    Tags:
    Migranten, Nordsyrien, Offensive, Türkei, Norwegen