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10:04 13 November 2019
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    Der russische Atomeisbrecher 50 Jahre Sieg im chinesischen Hafen Ningbo (Archivbild)

    Arktis-Doktrin als Kampfansage an Russland? USA wollen Nordostpassage blockieren

    © Sputnik / Michail Fomitschew
    Politik
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    Das Pentagon hat dem US-Kongress eine Arktis-Doktrin vorgelegt, die auf die Sperrung der russischen Nordostpassage gerichtet ist. Experten zufolge wird sich die Arktis in den kommenden Jahren zu einem Konfliktherd entwickeln – auf der einen Seite die Gegner der Nordostpassage mit USA an der Spitze, auf der anderen Seite Russland und seine Partner.

    In dem vom Pentagon vorbereiteten Dokument wird hervorgehoben, dass die Arktis im direkten Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit der USA stehe. Die Hauptaufgabe Washingtons sei, einen tödlicheren, stabileren, flexibleren Verband aufzubauen, der einen Wettbewerbsvorteil in dieser wichtigen Region gewährleisten könnte. Neben dem Eispolarmeer geht es dabei auch um die Beringstraße und den Meereskorridor bei Grönland, Island und Norwegen.

    Arktis-Bremse

    Das Problem besteht darin, dass den USA in der Arktis nur ein kleines Gebiet auf Alaska gehört. Deswegen setzt Washington nun die Nato-Verbündeten unter Druck, um ungehinderten Zugang zu den nördlichen Gebieten zu bekommen.

    Das Weiße Haus schlug Kanada Mitte dieses Jahres vor, auf sein ausschließliches Recht auf den arktischen Korridor zu verzichten, was in der UN-Konvention vorgesehen ist. Der Chef der US-Seestreitkräfte, Richard Spencer, hatte bereits früher die Absicht angekündigt, in der kanadischen Zone des Nordpolarmeeres die US-Flotte und die Zahl der Militärobjekte auszubauen. Viele Experten sind der Ansicht, dass der Wunsch Trumps, Dänemark Grönland abzukaufen, mit dem Streben der USA zu erklären sei, einen Militärstützpunkt in den polaren Gewässern zu bekommen.

    Zudem ist die Arktis-Doktrin auf die Schwächung der strategischen Konkurrenten der USA in der Region gerichtet – Russland und China. Besonders stark ist Washington wegen der Nordostpassage beunruhigt – die Amerikaner sehen in diesem Projekt den Versuch Moskaus und Pekings, die wichtigsten Orte in den nördlichen Breiten zu ergreifen.

    Die Nato-Verbündeten teilen die Befürchtungen des Weißen Hauses. Ende August äußerte die norwegische Regierungschefin Ine Marie Eriksen Soreide Besorgnisse wegen Umwelt- und wirtschaftlichen Aspekten der Nordostpassage und die Absicht, die Route auf Übereinstimmung mit den europäischen Standards zu überprüfen.

    Die Umweltargumente des Westens beeindruckten Moskau kaum. Der Berater der russischen Botschaft in Norwegen, Wladimir Issupow, sagte, dass das Nordostpassage-Projekt in russischen Territorialgewässern umgesetzt wird und Oslo keine Handhabe habe, außer als Zaungast zuzuschauen.

    Russland kümmert sich selbst um den Umweltschutz seiner Arktis-Projekte. Mitte August durchquerte das große Tankschiff „Prospekt Koroljowa“ der Sowkomflotte als erstes in der Welt die komplette Nordostpassage mit einem umweltfreundlichen Kraftstoff – Flüssiggas. Die Sowkomflotte verfügt insgesamt über sechs „grüne“ Schiffe.

    In den arktischen Gewässern werden immer weniger Diesel-Schiffe eingesetzt, Russland wird die Flotte mit atomarem Antrieb erweitern.

    „Ab dem kommenden Jahr senkt die Internationale Meeresorganisation den zulässigen Schwefelgehalt im Kraftstoff von 3,5 auf 0,5 Prozent. Die Nachfrage nach Schiffen mit Flüssiggas-Triebwerken wird steigen. Doch es gibt auch eine Alternative – Schiffe mit Kernbrennstoff. Sie haben überhaupt keine Ausstöße. Das ist z.B. für die Nordostpassage besonders aktuell“, sagte der Chef der Vereinigten Schiffsbaukorporation, Alexej Rachmanow.

    Ausländische Fachleute sind ähnlicher Meinung. Der Energieexperte der Freien Universität Brüssel, Samuele Furfari, rief Russland dazu auf, den Provokationen der Umweltschützer bezüglich der Atomenergie nicht zu folgen, wobei die Inbetriebnahme des schwimmenden AKW „Akademik Lomonossow“ sehr hoch eingeschätzt wurde.

    Auf beiden Seiten

    Russland hat auch Verbündete in der Nordostpassage – auf beiden Seiten der Route. Anfang Oktober teilte die Botschafterin Islands in Moskau, Berglind Ásgeirsdóttir mit, dass ihr Land sehr aufmerksam verfolge, wie sich das Projekt entwickelt, und in Erwägung ziehe, einen internationalen Hafen für Großschiffe zu bauen, die durch die Nordostpassage fahren. Südkoreas Präsident Moon Jae-in drückte im September die Zufriedenheit über die Kooperation mit Russland bei der Entwicklung der Nordostpassage aus – in koreanischen Werften werden derzeit 15 eisbrechende Tankschiffe zur Beförderung von Flüssiggas über die arktische Route gebaut.

    Experten haben keine Zweifel daran, dass der größte Teil des Handelsstroms zwischen der westlichen und östlichen Hemisphäre bereits in den kommenden Jahren zur Nordostpassage wechseln wird. Diese Strecke ist fast einen Monat kürzer als der übliche Weg über den Suez-Kanal. Und deutlich sicherer, weil dort keine Piraten aus Somalia u.a. ihr Unwesen treiben.

    Russland will zum Jahr 2024 jedes Jahr 50 Millionen Tonnen Fracht über die Nordostpassage befördern – das ist in einem Mai-Erlass Putins festgeschrieben. Laut dem Chef der Nordostpassage-Abteilung von Rosatom, Wjatscheslaw Rukscha, kann diese Zahl erreicht werden – dank dem Export der Energieressourcen des sich in Bau befindlichen Komplexes Arctic LNG-2 (von dort werden jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Flüssiggas abgeladen), der Frachtbasis „WostokUgol“ auf der Taimyrhalbinsel (20 Millionen Tonnen Kohle) und dem Vorkommen Pajachskoje (mehr als fünf Millionen Tonnen Öl).

    Doch dabei geht es nicht nur um fossilen Brennstoff. Das Gebiet Omsk will über die Nordostpassage Getreide für Länder in der Asien-Pazifik-Region befördern. Mitte Oktober billigte die russische Landwirtschaftsministerin Oksana Lut eine entsprechende Exportroute. Im Juli des kommenden Jahres ist der erste Testlauf geplant.

    Russland wird weiterhin große Arktis-Projekte umsetzen. „Die Arktis ist derzeit eine der am wenigsten erforschten Regionen der Welt, weshalb großes Potential darin steckt, das der Entwicklung der gesamten Welt einen Schub geben wird. Das sind 80 Prozent Gas, 20 Prozent Öl und bis zu 100 Prozent Vorräte an Bodenschätzen bei mehreren Elementen. Wir zählten mehr als 100 aussichtsreiche Projekte, in die bis 2030 rund elf Billionen Rubel investiert werden“, sagte Dmitri Fischkin von der Agentur des Fernen Ostens zur Heranziehung von Investitionen und Förderung von Unternehmen.

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    Tags:
    US-Kongress, USA, Russland, China, Nordostpassage, Arktis