07:16 15 November 2019
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    Proteste gegen die Regierung in Valparaiso in Chile

    Zum ersten Mal seit Pinochets Diktatur – Chile verhängt in mehreren Teilen des Landes Ausgangssperre

    © REUTERS / RODRIGO GARRIDO
    Politik
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    Bei Unruhen in der chilenischen Hauptstadt Santiago sind in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) drei Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden haben nach Massenprotesten wegen einer U-Bahn-Tariferhöhung eine Ausgangssperre in einigen Provinzen verhängt. Dies berichtet der Fernsehsender „24 Horas“ am Sonntag.

    Unter den Todesopfern in Santiago seien zwei Frauen, die bei einem Brand in einem Supermarkt starben, sowie ein Mann, der später in einer Klinik seinen Verletzungen erlag, berichteten lokale Medien unter Berufung auf Bürgermeisterin Karla Rubilar. Der Supermarkt sei in der Nacht geplündert worden, hieß es in den Berichten.

    Die chilenischen Behörden haben eine Ausgangssperre in einigen Teilen des Landes verhängt. Sie betrifft die Provinzen Santiago und Chacabuco, sowie die Stadtgemeinden Puelte Alto und San Bernardo und wird von 22.00 Uhr des 19. Oktobers bis 7.00 Uhr des 20. Oktobers (Ortszeit) andauern.

    Es ist das erste Mal seit dem Ende der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990), dass eine Ausgangssperre in Chile verhängt wurde.

    Am Samstagabend hatte die Regierung beschlossen, die Fahrpreiserhöhung zurückzunehmen, bis eine neue Einigung erzielt wird.

    ​„Ich habe mit Demut die Stimme meiner Mitbürger gehört und werde mich nicht scheuen, dies auch weiterhin zu tun, weil auf diese Weise werden Demokratien aufgebaut“, sagte der Präsident bei einer Ansprache bezüglich der Erhöhung.

    Zuvor hatten Massenproteste Chile erschüttert, nachdem die U-Bahn-Fahrpreiserhöhungen in der chilenischen Hauptstadt Santiago in Kraft getreten waren. Die Regierung erhöhte den Fahrpreis von 800 auf 830 Pesos (1,04 Euro) – umgerechnet also um vier Euro-Cent.

    Demonstranten setzten als Protestzeichen mehrere U-Bahn-Stationen in Brand und stellten in verschiedenen Stadtteilen Barrikaden auf.

    Am Donnerstag waren laut der Nachrichtenagentur AFP 133 Menschen wegen Schäden in U-Bahnstationen, die sich umgerechnet auf rund 630.000 Euro belaufen, festgenommen worden. Die U-Bahn werde vermutlich bis zum Ende der Woche geschlossen sein.

    Der chilenische Präsident, Sebastian Piñera, erklärte daraufhin den Ausnahmezustand in mehreren Regionen des Landes.

    dg/ae/dpa

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    Ausgangssperre, Proteste, Santiago, Chile