08:27 18 November 2019
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    Beerdigung der kurdischen Politikerin Hevrin Khalaf (Foto in d. M.) am 13. Oktober 2019

    Hinrichtung der kurdischen Politikerin Khalaf, Asylbewerber Rabah live dabei – Deutschland schweigt

    © AFP 2019 / DELIL SOULEIMAN
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    Alhareth Rabah, der als syrischer Flüchtling in Deutschland gelebt und Asyl beantragt haben soll, war offenbar bei mehreren brutalen Hinrichtungen im Rahmen der türkischen Offensive in Syrien dabei. Doch war er „nur“ Zeuge oder Mittäter?

    Während die Welt mit Sorge die türkische Militäroffensive in Syrien verfolgt, mehren sich die Vorwürfe, wonach pro-türkische Gruppierungen an Hinrichtungen von Kurden beteiligt sein sollen. Fotos und Videos im Netz zeigen eine Reihe brutaler Hinrichtungen, darunter auch die Tötung der kurdischen Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Hevrin Khalaf. Wie die Recherche des niederländischen Journalisten Harald Doornbos jüngst zeigte, soll bei den Hinrichtungen auch der Syrer Alhareth Rabah dabei gewesen sein und diese gefilmt haben. Rabah ist, laut Doornbos, 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hatte hier Asyl beantragt.

    „Nur“ Zeuge oder Mittäter? Rabah spricht mit französischer Nachrichtenagentur

    der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am 18. Oktober 2019
    © REUTERS / Murat Kula/Presidential Press Office
    „France 24 Observers“, eine Tochtergesellschaft der staatlichen französischen Medienholding „France Médias Monde“ sprach mit Alhareth Rabah, der nach eigenen Angaben Ahrar al-Sharqiya als Fotograf begleitete und Zeuge der Hinrichtungen war, die auf den Videos zu sehen sind. Ahrar al-Sharqiya ist laut „France 24“ eine islamistische Rebellengruppe, die zur Syrischen Nationalarmee gehört.

    Rabah gibt an, die Hinrichtungen, die auf einem der Videos zu sehen sind, hätten am Morgen des 12. Oktober an der M4-Strasse zwischen den Siedlungen Suluk und Tal Tamer stattgefunden.

    „Ich arbeite momentan als Fotograf für diese Fraktion. Sie hatten eine Straßenblockade auf der M4 errichtet. Sie zwangen Autos zum Anhalten und nahmen mehrere Fahrer gefangen. Doch einige Fahrer wollten sich nicht ergeben und widersetzten sich. Einige eröffneten das Feuer. Andere überfuhren unsere Männer. Deshalb wurden sie von unseren Kämpfern neutralisiert. Ich persönlich habe keine Waffe getragen. Auf dem Video kann man sehen, dass ich nur ein Handy und eine Kamera bei mir hatte.“

    Den Hergang der Hinrichtung der kurdischen Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Hevrin Khalaf und ihrer Begleiter erklärt Rabah so:

    „Als sie aufgefordert wurden, an der Straßensperre anzuhalten, befolgte das gepanzerte Fahrzeug, in dem Hevrin Khalaf saß, die Anweisung nicht und ließ seine Türen geschlossen. Aus diesem Grund wurden alle Insassen getötet. Das geschah in den frühen Morgenstunden des 12. Oktober.“

    Verhaltene Reaktionen aus Deutschland

    Die Reaktionen auf die Enthüllungen von Harald Doornbos und France 24 fallen bisher äußerst dürftig aus: Kaum Widerhall in der deutschen Presse, Schweigen in der Politik. Immerhin: Auf Twitter fordern einzelne User die deutschen Behörden auf, im Fall Rabah etwas zu unternehmen.

    So schreibt beispielsweise der Journalist und Autor Tobias Huch in einem Tweet am 18. Oktober, das Bundeskriminalamt habe ja Rabahs Daten für einen internationalen Haftbefehl. Markiert sind das BKA und Regierungssprecher Seibert.

    Auch diese Userin sieht offenbar das BKA, die Bundesregierung und die deutschen Medien in der Pflicht, wenn man die Tags betrachtet.

    Ähnlich auch dieser Tweet, der sich unter anderem an das Auswärtige Amt und Außenminister Heiko Maas wendet:

    Von einer großen medialen Welle der Empörung kann man zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht sprechen.

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    Tags:
    Hinrichtung, Kurden, Syrien, Heiko Maas, Bundeskriminalamt (BKA), Offensive, Türkei, Asylbewerber, Deutschland