00:20 22 November 2019
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    Die AfD und die Vergangenheit: Neue Parteizentrale am früheren Standort von Rudolf Heß‘ Zelle?

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Politik
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    Die AfD ist auf Immobiliensuche. Für die Parteizentrale, möglicherweise aber auch wegen Problemen beim Anmieten von Veranstaltungsorten. Im Gespräch: eine Liegenschaft in Berlin-Spandau. Doch das für geeignet befundene Gebäude steht auf dem Grund des ehemaligen Kriegsverbrechergefängnisses der Alliierten. Der letzte Insasse: Hitlers Stellvertreter.

    Der Berliner Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) sucht mit dem Bundesverband der Partei nach einer Immobilie in der deutschen Hauptstadt, berichtet der Tagesspiegel. Die Patei wolle in Berlin eine Marktrecherche zwecks Erwerb einer parteieigenen Immobilie für Bundesgeschäftsstelle sowie eines AfD-Tagungszentrums durchführen. Mindestens eine Besichtigung habe bereits stattgefunden. Die Landesgeschäftsstelle der Berliner AfD mietet derzeit ein Gebäude im Berliner Stadtteil Tiergarten.

    Nun solle also gekauft werden. Unklar sei noch, ob in der gesuchten Immobilie nur die Geschäftsstellen beider Verbände untergebracht oder darin auch größere Veranstaltungen wie Parteitage abgehalten werden sollten, so der Zeitungsbericht. Nicht nur der Berliner Landesverband hatte in der Vergangenheit Schwierigkeiten, Räume für Veranstaltungen zu finden. So habe im Vorfeld des für November 2019 geplanten Landesparteitags die Berliner AfD 76 Absagen erhalten, ausgewichen sei der Verband nun auf einen Ort im Brandenburgischen.

    Die mittlerweile in allen Landtagen vertretene Partei wolle sich sich das eigene Haus einiges kosten lassen, heißt es weiter im Medienbericht. So liege der Preis eines bereits von Mitarbeitern der Bundesgeschäftsstelle in Augenschein genommenen Gebäudes im Stadtteil Berlin-Spandau bei über 10 Millionen Euro. Das Haus könnte alternativ – mit Stellplatz-Nutzung – für 470.451 Euro jährlich angemietet werden.

    Die infrage kommende Liegenschaft steht allerdings ausgerechnet dort, wo sich das Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau befand, hebt der Tagesspiegel hervor. Im von allen vier Alliierten bewachten Gefängnis waren 1946 bis 1987 die Verurteilten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse untergebracht. Insassen waren etwa Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach und bis zu seinem Ableben als letzter Häftling auch Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess. Nach dessen Tod 1987 wurde der Komplex aufgelöst und teilweise eingeebnet, insbesondere das eigentliche Zellengebäude, um Neonazis keinen Ort für etwaige Wallfahrten zu bieten, wie es jahrelang am Begräbnisort von Heß in Wunsiedel der Fall war. Auf dem Gelände in Berlin-Spandau befindet sich mittlerweile auch ein Supermarkt.

    Doch da die Todesumstände von Heß von seiner Familie angezweifelt werden und wegen Hess` Bekenntnis zum Nationalsozialismus gilt er in Neonazi-Kreisen als politischer Märtyrer. Alljährlich versammelten sich vor Ort Teilnehmer des rechtsextremen Rudolf-Heß-Gedenkmarschs an dessen Todestag. Ein historisch belasteter Ort also.

    Dennoch komme der AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß in einer E-Mail zu dem Ergebnis, „dass die Räumlichkeiten sowohl als Bundesgeschäftsstelle für unsere auf Zuwachs angelegte Partei als auch als Tagungszentrum bis zu einer 'Konventsgröße plus' geeignet wären“, wie der Tagesspiegel aus einer E-Mail von Malcomeß zitiert, die dieser unter anderem auch an den Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski (zugleich stellvertretender Vorsitzender der Bundes-AfD) sowie Frank Pasemann, den stellvertretenden Bundesschatzmeister geschickt haben soll.

    Finanziert werden solle das Unterfangen gegebenenfalls im Wege eines Genossenschaftsmodells – AfD-Mitglieder sollen Anteile zu je etwa 500 Euro kaufen, etwa 50 Prozent der Summe, der Rest könnte zu je 25 Prozent aus Mitteln einer parteieigenen „Alternative Beteiligungs-, Verwaltungs- und Dienstleistungsgesellschaft mbH“ und von größeren Einzelinvestoren aufgebracht werden. Unklar sei allerdings, ob die Mitglieder dabei mitspielten, da dem Verband bis zu 100.000 Euro allein in diesem Jahr wegen säumiger Beitragszahler verloren gingen. Unter den Verursachern der Verluste seien auch wohlsituierte Mitglieder und Personen, die Einkommen aus ihrer politischen Arbeit beziehen, wie der Tagesspiegel berichtet.

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    Tags:
    Kauf, Immobilien, Haus, Rudolf Heß, AfD, Deutschland