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10:05 13 November 2019
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    Wahllokal in der Schweiz am 20. Oktober 2019

    Parlamentswahlen in der Schweiz: Große Verluste, größere Gewinne und der „Ökorutsch“

    © REUTERS / Arnd Wiegmann
    Politik
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    Die Wahlen in der Schweiz sind dieses Jahr historisch gewesen. Noch nie in der Geschichte der Eidgenossenschaft hat eine Partei in einer Wahl ganze 17 Mandate erhalten. Auch die Frauenquote im Nationalrat ragt mit einem Anteil von 42 Prozent empor. Mit diesem Wahlergebnis beanspruchen die Gewinner – die Grünen – nun einen Platz in der Regierung.

    Am Sonntag wählten die Schweizer ihr neues Parlament. Nach den letzten Stand der Ergebnisse wurden viele Tendenzen bestätigt: Die Bevölkerung nimmt das Thema „Klimakrise“ ernst. Deshalb gewannen die grünen Parteien eine enorme Anzahl an Sitzen. So hat die Grüne Partei Schweiz (GPS) 17 und die Grün-Liberale Partei (GLP) neun neue Mandate errungen. Alle restlichen Parteien haben Sitze verloren. Der Nationalrat ist gewählt, während der Ständerat noch auf die entscheidenden Resultate wartet. Bis Ende November bleiben 22 Sitze im Ständerat offen.

    Die Prognosen im Oktober versprachen den Parteien mit „grünem“ Namen einen Gewinn in den diesjährigen Parlamentswahlen. Doch den enormen Gewinn der GPS überwältige selbst die Parteipräsidentin Regula Rytz.

    Eine Wahl der Rekorde

    Noch nie hatte es eine Partei geschafft, so viele Sitze auf einmal dazuzugewinnen. Andererseits gab es diesen Herbst auch die bisher größten Verluste in der Geschichte der Schweizer Parlamentswahlen. Als größte Verliererin steht die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit zwölf verlorenen Sitzen da. Trotz dieses beträchtlichen Verlusts bleibt die SVP die stärkste Partei im Parlament und vertritt ganze 25,6 Prozent der Schweizerischen Wählerschaft.

    Ein weiterer Rekord ist die diesjährige Frauenquote im Nationalrat: Ganze 84 Sitze wurden an Kandidatinnen vergeben. Nie zuvor hatte die Schweiz einen Frauenanteil von 42 Prozent im Nationalrat. Im Vergleich zu den Wahlen 2015 ist das ein gewaltiger Sprung: Damals betrug der Anteil anschließend nur 32 Prozent. Die Redaktion „Swissinfo“ begründet diese hohe Anzahl an Kandidatinnen unter anderem auch mit dem Frauenstreik. Dieser hätte wohl vor allem die jüngeren Generationen politisiert.

    Grüner Bundesrat?

    Eine Frage steht aufgrund der Ergebnisse sehr präsent im Raum: Wird es künftig einen grünen Bundesrat geben? Im Moment stellen die Grünen die vierstärkste Partei im Parlament dar, was ihnen nach der „Zauberformel“ einen Platz gewähren sollte. Die besagt nämlich, dass die drei stärksten Parteien je zwei Sitze im Bundesrat und die viertstärkste einen erhalten würden. Die Formel stellt keine obligatorische, doch eine oft benutzte Lösung dar. Auch das Volk hat sich bereits dafür geäußert: Laut einer Umfrage des SRF wollen 60 Prozent der Bevölkerung einen grünen Bundesrat. Dabei stimmen 38 Prozent für einen Kandidaten aus der GPS. Vier Prozent wollen einen Kandidaten der GLP schicken und 18 Prozent sind grundsätzlich dafür, dass eine der beiden Parteien einen Platz erhält.

    Auch Rytz sprach sich am Sonntag in einem Interview mit dem Schweizer Rundfunk dafür aus, den Sitz im Bundesrat in Angriff zu nehmen. Denn die Regierung solle sich den Wahlen so anpassen, dass sie den parlamentarischen Linksrutsch repräsentiere. Konkret sehe sie einen Sitz der „FDP.Die Liberalen“ als einen, der ersetzt werden müsste.

    Mehr als die Hälfte wählte nicht

    Bei der Einsicht in die Wählerwanderung sieht man, dass die grünen Parteien den Großteil ihrer Wähler aus ehemaligen Nicht-Wählern generieren konnten. Trotzdem ging nicht einmal die Hälfte aller Wahlberechtigten an die Urne. In diesem Jahr gaben 46,1 Prozent der Bevölkerung ihre Stimmen ab. Diese Zahlen sind die tiefsten seit den Parlamentswahlen im Jahr 2003.

    lm

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    Tags:
    Die Grünen, Klima, Gewinner, Parlamentswahl, Schweiz