02:53 21 November 2019
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    Libyen (Archiv)

    Einschätzung aus Libyen: „Russland hat keine Kolonialvergangenheit – das ist ein Plus“

    © AP Photo / Mohamed Ben Khalifa
    Politik
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    Russland weitet allmählich seine Kooperation mit afrikanischen Staaten aus. Eine erneute Bestätigung dessen ist der aktuelle Russland-Afrika-Gipfel im russischen Sotschi. Nun hat der Außenminister der Provisorischen Regierung von Libyen (in Tobruk), Abdel Hadi Hwej, gegenüber Sputnik die Beziehungen zu Russland kommentiert.

    Demnach habe Russland einen großen Vorteil im Vergleich zu westlichen Staaten, da es keine koloniale Vergangenheit in Afrika habe.

    „Russland war noch nie eine Kolonialmacht in Afrika, es gibt diese schwere Last der Vergangenheit nicht“, erklärte Abdel Hadi Hwej gegenüber Sputnik.

    Im Gegenteil, die Beziehungen seien in der Vergangenheit immer „partnerschaftlich und strategisch“ gewesen.

    „Dies ist einer der Gründe für großartige Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Daher hätte dieser Gipfel schon vor langer Zeit veranstaltet werden sollen. Aber es ist gut, dass er 2019 stattgefunden hat und nicht 2020 oder 2021“, betonte der Außenminister weiter.

    Libyen-Gespräche nach Vorbild der Syrien-Gespräche

    Der Politiker unterstrich weiterhin, dass Libyen „das Nordtor Afrikas“ sei. Zugleich sei die Sicherheitslage extrem schwierig. Mehr als 21 Millionen Waffen seien im illegalen Umlauf. Auch sei die Sicherheitslage in Nigeria und Kamerun extrem schwierig.

    Daher müsse Afrika aufhören, Waffen zu importieren und zu produzieren. Es sei notwendig, „unsere Kräfte auf wirtschaftliche und soziale Fragen“ umzulenken.

    Die afrikanische Gesellschaft bestehe zu 60 Prozent aus jungen Menschen. Daher bräuchte man zunächst eine strategische und wirksame internationale Partnerschaft, um das Blatt zu wenden, sagte Außenminister Abdel Hadi Hwej.

    „Wir hoffen, dass Russland eine größere Rolle bei der Lösung der Libyenkrise spielen wird. Russland ist aktives Mitglied des UN-Sicherheitsrates, ein großes Wirtschaftsland. Wir wollen, dass Russland Libyen-Verhandlungen durchführt, wie es das bereits in Sotschi zu Syrien gemacht hat“, so der libysche Politiker weiter.

    Zudem lud er Russland ein, sich noch aktiver auf dem afrikanischen Kontinent zu engagieren und vor allem wirtschaftlich zu investieren.

    „Wir brauchen russische Beteiligung im Entwicklungsbereich, im Öl- und Gassystem, wir warten auf russische Investitionen in den Eisenbahnbau und in den Wiederaufbau des Landes. (…) Wir laden Russland erneut ein, in Libyen zu arbeiten“, betonte der Außenminister der provisorischen (östlichen) Regierung von Libyen.

    Afrika-Russland-Gipfel in Sotschi

    Porträt von Muammar al-Gaddafi
    © Sputnik / Andrej Stenin
    Zurzeit findet in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi der internationale Gipfel „Russland-Afrika“ statt. Daran beteiligen sich die Staatschefs afrikanischer Staaten sowie Vertreter der russischen, afrikanischen und internationalen Wirtschaft.

    Am Mittwoch trat dort unter anderem der russische Präsident Wladimir Putin auf.

    Er erklärte, dass Russland seine Kooperation mit den afrikanischen Staaten erheblich erweitern wolle.

    „Viele russische Unternehmen arbeiten seit langem und erfolgreich mit Partnern aus unterschiedlichen Bereichen der afrikanischen Wirtschaft und sind daran interessiert, die Präsenz in Afrika zu vergrößern. Wir werden solche Pläne natürlich staatlich unterstützen“, sagte Putin.

    Zudem teilte das russische Staatsoberhaupt mit, dass Moskau die Schulden der afrikanischen Länder im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar storniert habe. Mit einigen Staaten wurden demnach gemeinsame Programme gestartet, die die Nutzung von Schulden zur Finanzierung von nationalen Projekten vorsehen.

    ng/sb

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    Tags:
    Kolonialmacht, Kooperation, Libyen, Gipfel, Afrika, Russland