20:08 14 November 2019
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    US-Bomber B-52 (Archiv)

    B-52-Bomber vor der Krim: US Air Force spielt Raketenangriff durch

    © Foto: U.S. Air Force/Airman 1st Class Duncan Bevan
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    Bomberpiloten der USAF haben Raketenangriffe gegen wichtige Ziele auf der Krim trainiert. Zwei B-52-Bomber, vom Schwarzen Meer kommend, orteten Infrastrukturziele auf der russischen Halbinsel, übten die Störung von Flugabwehrradaren, griffen fiktiv an und kehrten um. Die russische Luftwaffe hatte Abfangjäger geschickt.

    Zwölf Stunden dauerte der Einsatz der amerikanischen B-52 über dem Schwarzen Meer. Vom britischen Stützpunkt Fairford gestartet, flogen die beiden Bomber quer über Europa bis an die russischen Grenzen nahe der Krim. Dabei standen die Bomberpiloten in engem Kontakt mit den Bodendiensten in Rumänien, in der Ukraine und Georgien.

    Die B-52-Bomber wurden in den zurückliegenden 50 Dienstjahren laufend modernisiert. Die B-52H als neueste Ausführung ist rundum erneuert: von Triebwerken über die Navigations- und EloKa-Systeme bis zur Bewaffnung. Dazu zählen nunmehr auch Präzisionswaffen wie Lenkbomben und Marschflugkörper (konventionell wie nuklear): etwa die JDAM und die AGM-154.

    Bei der Krim-Übung haben die Bombermannschaften offensichtlich keine Bombenabwürfe, sondern Raketenschläge simuliert: „Bombenabwürfe wären ohne das Eindringen in den russischen Luftraum unmöglich gewesen“, erklärt der ehemalige Kampfpilot Wladimir Popow.

    Freifallende Bomben werden üblicherweise zehn Kilometer vom Ziel entfernt abgeworfen. Gleitende Lenkbomben können aus größeren Distanzen abgesetzt werden, aber auch dafür müssen die Bomber nah an die Ziele heranfliegen. Dies hätte die russische Flugabwehr natürlich verhindert.

    „Das Territorialgewässer ist ein 12 Meilen breiter Streifen, das sind rund 20 Kilometer. Hätten sich die Bomber dort hineingewagt, wären sie auf der Stelle abgeschossen worden. Aber die Übung fand offenbar nach Benachrichtigung statt, da die Amerikaner in der ausschließlichen Wirtschaftszone flogen. Die russischen Leitzentralen, die Flugabwehr, die Luftwaffe wussten, wo lang und wie die US-Bomber fliegen werden“, sagt Wladimir Popow.

    Kein Durchkommen über der Krim

    Werden Raketenschläge simuliert, gehen an Bord des Bombers alle elektronischen Systeme an: Die Ortungs- und Navigations-, die Zielsuch- und Feuerleitsysteme. Das geht nur zwei bis drei Minuten lang so, was jedoch ausreicht, damit die Flugabwehr den Bomber auf allen Radarschirmen registrieren und die Abwehrraketen darauf ansetzen kann.

    „Die Flugabwehr ermittelt und erkennt die Schussrichtung der Raketen noch vor dem Start“, erklärt Wladimir Popow, der ehemalige Kampfpilot. „Das Radar der B-52 strahlt kurzzeitig in Zielrichtung, dann werden die Zieldaten verarbeitet, der Beschuss eines Boden- oder Seeziels vorbereitet. Diese ganzen Vorgänge verfolgen die Flugabwehrmannschaften aufmerksam mit.“

    Dass sie überwacht werden, entgeht den Bomberbesatzungen natürlich auch nicht. Jedes Flugzeug verfügt über Sensoren, die den drohenden Angriff durch die Flugabwehr identifizieren und den Piloten davor warnen. Die Crew weiß dann Bescheid: Das Flugzeug ist geortet, es wird anvisiert, die automatisierten Flugabwehrsysteme folgen jeder seiner Flugbewegungen. Werden die Abwehrraketen abgefeuert, wird der Pilot alarmiert, die Besatzung versucht die Suchköpfe der Raketen zu täuschen: EloKa-Systeme gehen an, der Bomber geht zu Ausweichmanövern über.

    In echten Konflikten nimmt die Flugabwehr zuallererst die Waffenplattformen ins Visier. Bereits abgesetzte Raketen werden von der Mittel- und Nahbereichsabwehr bearbeitet. Der Himmel über der Krim wird heute von S-400-Systemen geschützt, sie sind seit 2016 im Dienst. Vorher waren es S-300PS. Hochwertziele werden zusätzlich von taktischen Flugabwehrsystemen „Panzyr-S1“ abgeschirmt. Für die Flugabwehr im Nahbereich ist eigens ein in der Stadt Sewastopol basierter Verband zuständig. Dem stehen Abwehrsysteme wie „Osa“ und „Buk-M2“ zur Verfügung, in den nächsten Jahren sollen die moderneren „Buk-M3“ übernommen werden.

    Eine wichtige Komponente der Flugabwehr auf der Krim sind die Fliegerkräfte der Schwarzmeerflotte, ausgerüstet mit Mehrzweckjägern Su-30SM. Ein Geschwader in Belbek und eines in Sewastopol fliegen Su-27SM und Su-30M2. Sie sind es, die in der Regel zum Abfangen von Bombern starten, die die westlichen Grenzen Russlands zu verletzen drohen.

    Die Marine selbst verfügt ebenfalls über Flugabwehrfähigkeiten. Der Raketenkreuzer „Moskwa“ hat das seegestützte Gegenstück zum landmobilen S-300-System an Bord: das Abwehrraketensystem „Fort“. Fregatten und Korvetten der russischen Schwarzmeerflotte sind mit „Osa“- und „Schtil“-Raketen bestückt.

    Wenige Tage nach dem simulierten Raketenangriff der USAF auf die Krim teilte das russische Verteidigungsministerium mit, die russischen Luftstreitkräfte hätten eine B-52H abgefangen. Erst sei der Bomber von Luftraumüberwachungssystemen verfolgt worden, dann, kurz vor der russischen Grenze, traf eine Su-27 auf das amerikanische Flugzeug. Der russische Abfangjäger führte den Bomber solange, bis dieser in Richtung Westen abgedreht sei.

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    Tags:
    Flugabwehr, B-52, USA, Krim, Russland