15:10 12 Dezember 2019
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    Türkische Soldaten in Syrien am 23. Oktober 2019

    Idee einer internationalen Sicherheitszone in Syrien nutzlos und gefährlich – Experten

    © REUTERS / Khalil Ashawi
    Politik
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    Nachdem sich Russland und die Türkei auf einen Fahrplan zur Normalisierung der Lage in Nordsyrien geeinigt haben, bleibt der Nato nichts anderes übrig, als die Schaffung einer internationalen Sicherheitszone in Syrien zu erörtern. Die Initiative könnte nun aber zu einer Eskalation führen, sagten Experten gegenüber Sputnik.

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg will Anstrengungen unternehmen, um den politischen Prozess im Norden Syriens voranzutreiben. Das erklärte er beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. US-Verteidigungsminister Mark Esper äußerte sich besorgt darüber, dass Ankara sich von seinen Nato-Verbündeten entfernt und näher an Russland heranrückt als an den Westen. In einem Gespräch mit Sputnik äußerte sich der politische Analyst Alexej Anpilogow zu dieser Erklärung des Pentagon-Chefs wie folgt:

    „Diese Erklärung zeigt die Sackgasse, in die die Beziehungen der Nato zur Türkei, insbesondere zwischen den USA und der Türkei, geraten sind. Diese Beziehungen haben sich zu einem Spektakel mit einem eher unklaren Ende entwickelt: zu einer Tragödie oder zu einer erfolglosen Comedy-Geschichte. Die Nato ist in diese Situation geraten, weil sie die Bedürfnisse der Türkei in Bezug auf die lokale Sicherheit an ihren Grenzen nicht berücksichtigt hat. Und jetzt ist die Türkei gezwungen, praktisch allein oder mit Russland das Problem mit den Kurden zu lösen, was die Türkei zwingt, aus Sicht der Allianz unpopuläre Schritte zu unternehmen“, sagte Alexej Anpilogow.

    Aber die Nato habe keine andere Wahl – die Sicherheitszone musste besprochen werden, um nicht das Gesicht zu verlieren, sagte Dmitri Absalow, Präsident des Zentrums für strategische Kommunikation.

    „Dies ist nur ein Versuch, auf Ereignisse zu reagieren, die ohne Beteiligung europäischer Partner stattfinden. Das Bündnis versucht, der gemeinsamen Agenda zu folgen, ohne sie zu formen, und gleichzeitig wird es zur Geisel: Unter der Verpflichtung, die IS* zu bekämpfen, kam eine Koalition dorthin; Trump ging fort, ohne seine Verbündeten vorher zu benachrichtigen; und jetzt muss die Nato auch etwas zu diesem Thema formulieren“, so Dmitri Absalow.

    Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zuvor angesichts der türkischen Militäroperation in Nordsyrien vorgeschlagen, eine Sicherheitszone im Grenzgebiet zur Türkei einzurichten. Den Schutz soll dabei eine UN-Truppe leisten. Nun erklärte der stellvertretende Außenminister Russlands, Sergej Werschinin, Moskau sehe keine Notwendigkeit, eine Sicherheitszone im Nordosten Syriens unter internationaler Kontrolle zu errichten.

    Jetzt sei die Idee, eine internationale Sicherheitszone in Syrien zu schaffen, nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich, meint der Direktor des Nationalen Instituts für moderne Ideologie, Igor Schatrow.

    „Die Initiative ist überraschend. Wo war die Nato, als die Situation in Syrien ein aktives diplomatisches Eingreifen erforderte? Ich denke, dass jetzt, da der Fahrplan für Russland und die Türkei bereits abgesprochen wurde und Syrien ihn unterstützt hat, keine Initiativen erforderlich sind, um internationale Friedenstruppen dorthin zu schicken. Sie werden nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich sein, weil sie eine Eskalation der Spannungen hervorrufen können. Ich denke, niemand wird sich jetzt bereit erklären, andere Operationen zu initiieren als die, die Russland, die Türkei und Syrien gemeinsam durchführen“, schloss der Politikwissenschaftler.

    Am 22. Oktober hatten Moskau und Ankara Folgendes vereinbart: Das Militär Russlands und Syriens wird den Abzug der kurdischen Formationen samt Waffen auf 30 Kilometer von der syrisch-türkischen Grenze unterstützen. Danach beginnen russisch-türkische Patrouillen in einem zehn Kilometer breiten Raum von der Grenze westlich und östlich der unter die Operation „Friedensquelle“ fallenden Region, mit Ausnahme der Stadt Kamisli.

    *eine Terrororganisation, in Russland verboten  

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    Tags:
    NATO, Kritik, Schutzzonen, Annegret Kramp-Karrenbauer, Deutschland, Türkei, Russland