19:30 14 November 2019
SNA Radio
    Proteste in Bagdad

    Proteste im Irak: Totenzahl steigt auf 40, Tausende verletzt

    © AP Photo / Karim Kadim
    Politik
    Zum Kurzlink
    5219
    Abonnieren

    Im Irak sind neue Proteste gegen Korruption und Misswirtschaft in Gewalt eskaliert. Reuters berichtete am Samstag, dass bei schweren Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften mindestens 40 Protestierende, darunter acht Menschen in Bagdad, getötet worden sind.

    Wie dpa zuvor unter Berufung auf die staatliche Menschenrechtskommission meldete, seien am Freitag insgesamt 30 Demonstranten gestorben. Mehr als 2300 Menschen seien zudem verletzt worden. Allein in Bagdad seien acht Menschen getötet und fast 1500 verletzt worden.   

    Die Aktivisten hatten unter anderem in der Hauptstadt Bagdad versucht, in die besonders geschützte Grüne Zone zu gelangen, in der viele Regierungseinrichtungen und Botschaften liegen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas, scharfe Munition und Gummigeschosse ein.

    Wie Faisal Abdullah von der Menschenrechtskommission der Deutschen Presse-Agentur sagte, seien weitere Demonstranten in den südirakischen Provinzen Maisan, Dhi Kar und Al-Muthanna ums Leben gekommen.

    Bereits Anfang des Monats waren bei tagelangen Protesten in Bagdad und anderen Regionen des Landes fast 150 Zivilisten getötet worden. In einem Bericht der Regierung hieß es später, die meisten von ihnen seien durch Schüsse in Kopf oder Brust ums Leben gekommen.

    Die Proteste vor allem junger Männer richten sich gegen Korruption und Misswirtschaft in dem vom Krieg zerrütteten Land. Auch am Freitag forderten die Demonstranten den Sturz der Regierung und die Auflösung des Parlaments. Nach Angaben der Menschenrechtskommission wurden landesweit etwa 50 Regierungsgebäude und Büros von Parteien attackiert und angezündet.

    Der irakische Großajatollah Ali al-Sistani rief beide Seiten zur Rücksicht auf. Sicherheitskräfte sollten die Demonstranten „freundlich“ behandeln, da diese „ihr Recht auf ein vernünftiges Leben einfordern“, hieß es in einer verlesenen Freitagspredigt des einflussreichen Geistlichen.

    Es brodelt in arabischen Staaten

    Dabei blieb Bagdad am Freitag nicht die einzige arabische Hauptstadt, in der es zu Protesten kam. Auch in der libanesischen Hauptstadt Beirut gingen die Proteste den neunten Tag in Folge weiter. Viele Straßen waren gesperrt, Schulen, Banken und zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei.

    Die Demonstranten im Libanon fordern den Rücktritt der Regierung und die Absetzung korrupter Politiker. Eine Rede von Präsident Michel Aoun am Donnerstag konnte die Proteste nicht beruhigen. Das kleine Land am Mittelmeer erlebt seit Monaten eine schwere Wirtschaftskrise.

    Auch in der algerischen Hauptstadt Algier kam es am Freitag erneut zu Demonstrationen gegen die Führung des Landes. Im April war Langzeitpräsident Abdelaziz Bouteflika nach wochenlangen Protesten zurückgetreten. Angekündigte Neuwahlen waren anschließend aber verschoben worden. Seitdem kommt es jede Woche zu Protesten. Videos in den sozialen Netzwerken zeigten Hunderte Menschen in den Straßen von Algier, die demonstrierten. Sicherheitskräfte riegelten den Zugang zu einem zentralen Platz im Stadtzentrum ab.

    ls/reuters/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Reuters, Agentur DPA, Algerien, Libanon, Irak