04:03 15 November 2019
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    Türkische Armee in Syrien (Archiv)

    Türkischer Botschafter verteidigt Syrien-Offensive

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    Politik
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    Rund drei Wochen nach Beginn der türkischen Offensive gegen Kurden in Syrien rechtfertigt Ankaras Botschafter in Russland das international kritisierte Vorgehen. Nach Darstellung des Diplomaten schützt die „Operation Friedensquelle“ die Syrer und sichert die Einheit ihrer Heimat. Den Kurden wirft er eine Verschwörung mit IS-Dschihadisten vor.

    Die Türkei habe „angesichts der terroristischen Bedrohungen“ am 9. Oktober die Operation „Friedensquelle“ gestartet, die insgesamt drei Ziele habe, sagte Mehmet Samsar, der Botschafter der Türkei in Moskau, in einem Sputnik-Gespräch. Ihm zufolge sind die Ziele durchaus gut gemeint.

    „Das Hauptziel ist es, den terroristischen Aktivitäten, die in Syrien ihren Ursprung haben und unser Land gefährden, ein Ende zu setzen sowie die Terroristen in der Region zu neutralisieren.“

    „Rettung der Syrer“

    „Das zweite Ziel ist die Wahrung der territorialen Integrität Syriens, das dritte besteht darin, die Syrer vor der Unterdrückung und Grausamkeit der Terroristen zu retten und den Menschen, die vor dem Terror fliehen mussten, eine sichere Heimkehr zu ermöglichen“, versicherte der türkische Diplomat. 

    Er beschuldigte die Kurdenmilizen PYD und YPG, „vom Grenzgebiet östlich des Euphrat aus mehr als 320 Angriffe“ verübt zu haben, „die sich sowohl gegen unser Land als auch gegen die Syrer westlich des Euphrat richteten“.

    Darüber hinaus schmuggelten die Kurden, so der Botschafter, durch unterirdische Tunnel Sprengstoff und Munition aus der Region in die Türkei.

    Angebliche Verschwörung mit IS*

    Uns liegen verlässliche Hinweise darauf vor, dass die PYD und YPG gefangene Kämpfer des Daesh (arabische Bezeichnung der Terrormiliz Islamischer Staat, IS* – Anm. d. Red.) befreien, damit diese im Gegenzug in die Türkei gehen und dort Terroranschläge verüben“, sagte Samsar weiter.

    Die Türkei habe ihre Sorgen mehrmals an die USA und andere Verbündete herangetragen, ohne jedoch auf Verständnis gestoßen zu sein. Nach dem Scheitern der entsprechenden Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten habe Ankara eine militärische Operation starten müssen.

    Die Operation „Friedensquelle“ sei durchaus vom Völkerrecht gedeckt, beteuerte Samsar. Denn die Türkei nehme damit lediglich ihr Recht auf Selbstverteidigung im Sinne von Artikel 51 (Kapitel VII – Anm. d. Red.) der UN-Charta wahr und befolge die einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Bekämpfung des Terrorismus. Dabei respektiere Ankara  die territoriale Einheit des Nachbarstaates.

    Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, hatte zuvor geäußert, dass sich die Operation in Nordsyrien gegen die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei von Kurdistan (PKK) und die Terrormiliz IS richte. Dennoch verurteilten viele Staaten, darunter die USA und die Mehrheit der EU-Länder, die türkische Offensive.

    Russisch-türkischer Syrien-Deal

    Am 22. Oktober einigten sich Erdogan und der russische Präsident, Wladimir Putin, bei einem Treffen in Sotschi darauf, dass russische und syrische Soldaten den Abzug der kurdischen Milizen aus einem Gebiet bis zu 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt unterstützen sollen.

    Den Kurden wurden 150 Stunden Zeit für den Rückzug gegeben. Danach sollen gemeinsame russisch-türkische Patrouillen in einer Tiefe von bis zu zehn Kilometern in Grenznähe beginnen. Die Patrouillen sollen östlich und westlich von dem Gebiet der türkischen Militäroperation „Friedensquelle“ vonstattengehen.

    sp/ae

    * Terrororganisation, in Russland verboten.

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    Tags:
    Moskau, Botschafter, Begründung, Offensive, Kurden, Syrien, Türkei