12:19 20 November 2019
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    Proteste im Libanon

    Libanons Banken wegen Protesten im Land gelähmt

    © REUTERS / MOHAMED AZAKIR
    Politik
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    Die Banken im Libanon bleiben im Laufe von zwölf Tagen laut einem Bank-Topmanager wegen der Massendemonstrationen gegen die Regierung im ganzen Land geschlossen. Neben den Banken sei auch die Arbeit von Schulen und Universitäten gelähmt.

    „Die Banken haben Angst, den Kunden die Türen zu öffnen, während auf den Straßen Massendemonstrationen stattfinden. Die Banken haben auch deshalb Angst zu öffnen, weil sie nicht in der Lage sind, die gesamte Nachfrage auf dem Markt zu befriedigen, einschließlich der Überweisung von Einlagen für alle interessierten Kunden außerhalb des Libanon“, sagte der führende Manager einer der größten Banken des Landes, Iyad Asaad, in einem Interview gegenüber Sputnik.

    Ihm zufolge befürchtet die Bevölkerung selbst, dass sich der Wechselkurs der Landeswährung gegenüber dem Dollar dramatisch ändern wird, wenn die Banken öffnen, was die finanzielle Situation der Bürger dramatisch verschlechtern würde.

    Der libanesische Bankenverband gab auch am Montag eine Erklärung über die Entscheidung ab, die Kunden nur über Geldautomaten zu bedienen, und versprach, genügend Bargeld bereitzustellen, damit die Bürger ihre Gehälter erhalten können.

    Millionen Demonstranten

    Seit zwölf Tagen dauern im Libanon Massendemos an. Nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Novosti nehmen mehr als zwei Millionen Menschen, also mehr als die Hälfte der Bevölkerung, an den Protestaktionen teil.

    Vor einer Woche hatte der UN-Sondergesandte für den Libanon, Ján Kubiš, die Regierung des Landes aufgefordert, „auf die Millionen protestierender Libanesen und ihre legitimen Forderungen nach gerechten und radikalen Reformen und Veränderungen zu hören“.

    Die Protestierenden fordern vor allem den Rücktritt der Regierung Saad Hariri. Am Wochenende war das Militär bei der Auflösung der Blockaden am Widerstand der Demonstranten gescheitert.

    Als Auslöser der landesweiten Proteste gilt der Beschluss der Regierung, eine Steuer auf Tabak sowie auf Anrufe zu erheben, die über 

    Onlinedienste wie WhatsApp erfolgen. Außerdem sollte die Mehrwertsteuer bis zum Jahr 2022 auf 15 Prozent steigen.

    Später zog die Regierung die Idee mit der WhatsApp-Steuer wieder zurück, doch die Proteste flauten nicht ab.

    Den einheimischen Politikern und Experten zufolge wird die Lage im Libanon von einer Wirtschafts- und Finanzkrise geprägt. Am 24. Oktober sagte Präsident Michel Aoun, sein Land leide unter der Finanzblockade und den Sanktionen.

    Der Libanon hat eine der höchsten Staatsschuldenquoten weltweit und eine hohe Arbeitslosigkeit. Der Bankensektor leidet stark unter Währungsmangel.

    aa/gs/sna

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    Tags:
    Schließung, Regierung, Finanzen, Proteste, Banken, Libanon