20:53 14 November 2019
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    Unterstützer und Gegner des US-Präsidenten Donald Trump am 25. Oktober 2019

    Experten: Von Tötung Baghdadis profitiert vor allem Trump

    © REUTERS / Sam Wolfe
    Politik
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    US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag verkündet, dass der IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi bei einem Einsatz der US-Truppen in Syrien vernichtet worden sei. Trump zufolge war al-Baghdadi das Ziel Nummer eins für die Amerikaner seit drei Jahren gewesen. „Er ist wie ein Feigling und Hund gestorben, indem er flüchtete und weinte“, so Trump.

    „Al-Baghdadis Eliminierung gaben die Amerikaner gerade jetzt bekannt, um diese Mitteilung im eigenen Interesse zu nutzen“, sagt der irakische Militärexperte Ahmed al Sharifi gegenüber Sputnik.

    „Trump investiert in seinen Wahlkampf. Er braucht das jetzt, wo die US-Truppen ganz leise und bescheiden Syrien und den Irak verlassen“, so al Sharifi. „Ich denke, der IS wird zerfallen und mit der Zeit gänzlich von der Erdoberfläche verschwinden.“

    Im russischen Verteidigungsministerium zweifelt man daran, dass der US-Einsatz zur Vernichtung Abu Bakr al-Baghdadis überhaupt stattgefunden hat.

    „Das Verteidigungsministerium verfügt über keine glaubwürdigen Informationen über einen US-Einsatz in dem von der Türkei kontrollierten Teil der Deeskalationszone ‚Idlib‘ zur abermaligen ‚Vernichtung‘ des früheren IS-Führers al-Baghdadi“, sagte der Sprecher der Militärbehörde, Generalmajor Igor Konaschenkow.

    IS wird den Tod seines Anführers verheimlichen

    „Ich denke, glaubwürdige Informationen über den Tod dieses oder jenes US-Führers kann es gar nicht geben“, vermutete Irina Fjodorowa vom Zentrum für Nah- und Mittelost-Studien bei der Russischen Akademie der Wissenschaften gegenüber Sputnik. „Falls so etwas passiert ist bzw. passieren würde, würde die IS-Führung das verheimlichen. Denn al-Baghdadi verkörpert die Einheit verschiedener Gruppierungen, die dem IS angehören. Sollte er getötet werden, werden seine Mitstreiter alles dafür tun, dass keine Beweise für seinen Tod auftauchen. Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass die Amerikaner gerade jetzt seine Tötung verkündet haben. Sie brauchen einen Sieg, einen Triumph, einen Beweis dafür, dass sie besser als jemand sonst in der Welt Terroristen vernichten können.“

    Irina Fjodorowa führte einen Fakt aus al-Baghdadis Biografie an: „Er wurde in einem irakischen Gefängnis gehalten, das von den Amerikanern kontrolliert wurde. Wie konnte er überhaupt freigelassen werden? Unter welchen Umständen ist das passiert? Da gibt es jede Menge Fragen und noch mehr Gerüchte“, so die Expertin.

    IS wird in Afghanistan wiederauferstehen – mit einem neuen Anführer

    „Ich bin mir nicht sicher, dass die Mitteilungen über al-Baghdadis Tod stimmen. Diese Situation ähnelt der um Barack Obama im Vorfeld der damaligen Wahlen.  Es müssen Beweise her“, sagte das Mitglied des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses im Föderationsrat (russisches Parlamentsoberhaus) Franz Klinzewitsch. „Man sollte daran denken, dass der IS ein Produkt westlicher Geheimdienste ist, vor allem der US-amerikanischen. Ich denke, es passiert gerade eine neue Verlegung von Kräften. Falls al-Baghdadi tatsächlich eliminiert wurde, bin ich fast sicher, dass wir bald von einem neuen IS-Führer hören werden. Höchstwahrscheinlich wird das in Afghanistan passieren.“

    Ein Fake, um Trump in den Abgrund zu stürzen

    Der russische Militärexperte Alexander Schilin, der an der Spitze des Forschungszentrums für angewandte Probleme der nationalen Sicherheit steht, verwies in einem Interview für Sputnik darauf, dass die Amerikaner „keine Beweise für al-Baghdadis Tötung angeführt“ haben. „Ich denke, dass seine Tötung (falls das wahr wäre) Israel bestätigt hätte, das in diesem Gebiet absolut alles kontrolliert.“

    Nach seiner Auffassung könnte Trump das getan haben, „auch um seine Popularitätswerte zu steigern – und Al-Baghdadi könnte einen Monat später im Fernsehen auftreten, und dann würden Trumps Popularitätswerte abstürzen“, schloss Experte Schilin nicht aus.

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    Tags:
    Interesse, Ziel, Abu Bakr al-Baghdadi, Donald Trump, Präsidentschaftswahl, USA