13:59 20 November 2019
SNA Radio
    Twitter Logo

    Vor Wahlen in den USA: Twitter verbietet politische Werbung

    © AP Photo / Richard Drew
    Politik
    Zum Kurzlink
    2715
    Abonnieren

    Der Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet laut seinem Chef Jack Dorsey weltweit keine politischen Inhalte mehr als gesponsorte Werbung. Diese Entscheidung wurde vor dem Hintergrund der anstehenden Präsidentenwahl 2020 in den Vereinigten Staaten verkündet.

    Bei der Werbung handelt es sich beispielweise um Tweets, die gegen Bezahlung im Feed von Nutzern platziert werden können. Das passiert auch, wenn die User dem Account nicht folgen.

    „Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient statt erkauft werden muss“, so Dorsey am Mittwoch.

    Der Kauf von Reichweite für eigene Tweets manipuliere die Entscheidung des Nutzers, selbst einem Account oder Inhalten zu folgen.

    Die neuen Regeln sollen laut dem Twitter-Chef am 22. November in Kraft treten.

    Indirekte Kritik an Facebook

    Mit der neuen Richtlinie zur Werbung grenzte sich Twitter von einem anderen sozialen Medium – Facebook – ab. In den vergangenen Wochen war Facebook in den USA immer mehr in die Kritik geraten wegen der Entscheidung, Anzeigen mit politischen Inhalten grundsätzlich nicht von den Faktencheck-Partnern des Online-Netzwerks prüfen zu lassen.

    Darüber hinaus beschloss Facebook, nichts zu unternehmen, wenn Politiker falsche oder irreführende Informationen verbreiten. Mark Zuckerberg, der Chef des Sozialnetzes, hält zugleich an der Möglichkeit, politische Werbung zu schalten, ausdrücklich fest – auch wenn sie für Facebook keine große Rolle als Einnahmequelle spiele.

    Dorsey kritisierte indirekt die Facebook-Position: Twitter würde sich unglaubwürdig machen, wenn die Firma einerseits sagen würde, man unternehme alles, um die Verbreitung irreführender Informationen einzudämmen – aber zugleich sie gegen Bezahlung verbreiten ließe.

    Reaktion seitens US-Politikern

    Das Statement des Twitter-Chefs sorgte für unterschiedliche Reaktionen unter US-Politikern. Viele prominente Demokraten, darunter die ehemalige Außenministerin der Vereinigten Staaten, Hillary Clinton, der Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb im US-Kongress, David Cicilline, und die Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Ocasio-Cortez, lobten die neue Richtlinie.

    „Damit ist das Richtige für die Demokratie in Amerika und in der ganzen Welt gemacht worden. Was sagst Du, Facebook?“, twitterte Clinton am Mittwoch.

    Das Wahlkampfteam von Trump kritisierte andererseits den Vorstoß von Twitter. Das sei „eine sehr dumme Entscheidung“, so Brad Parscale, der die Wiederwahlkampagne des US-Präsidenten, Donald Trumps, leitet, in einem Statement vom Mittwoch.

    „Dies ist ein weiterer Versuch, Konservative zum Schweigen zu bringen, da Twitter weiß, dass Präsident Trump die ausgefeilteste Online-Kampagne hat, die jemals bekannt war“.

    US-Präsidentenwahl 2020

    Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2020 ist für den 3. November 2020 vorgesehen.

    Aufseiten der Republikaner meldete Donald Trump am Tag seiner Amtseinführung 2017 die Kandidatur an, bisher meldeten sich allerdings bereits mehrere Parteikollegen zur Gegenkandidatur. Bei den Demokraten wird ein großes Bewerberfeld erwartet; weit mehr als 20 bedeutende Politiker haben bereits ihre Kandidatur bekanntgegeben. Stand September 2019 werden laut Umfragen Joe Biden, Elizabeth Warren und Bernie Sanders die größten Chancen eingeräumt.

    mo/tm/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Jack Dorsey, Twitter, USA