22:02 16 November 2019
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    Der Spitzenkandidat der CDU in Thüringen, Mike Mohring (26.10.2019, Erfurt, Deutschland)

    „CDU muss mit Linken regieren“: Unions-Politiker aus bedeutender Region in Thüringen

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    „Nach aktueller Lage der Dinge können die Linken und die CDU eine Regierung in Erfurt bilden“, fordert ein langjährig erfahrener Landespolitiker der CDU aus Thüringen öffentlich. Er betont, die Linke ist „keine Partei am radikalen Rand.“ Mike Mohring (CDU), Fraktionschef seiner Partei in Erfurt, lehnt ein solches Bündnis laut Medien weiterhin ab.

    Er ist bereits seit 1994 Landrat des Landkreises Eichsfeld in Thüringen: Dr. Werner Henning (CDU). Jetzt fordert der Unions-Politiker nach der Wahl zum neuen thüringischen Landtag „eine Kooperation seiner Partei mit der Linken auf Landesebene“. Das meldete am Donnerstag der „Deutschlandfunk“ (DLF).

    „Nach Lage der Dinge könnten Linkspartei und CDU sich einigen, Geschäftsfelder aufteilen und verlässliche Verträge herstellen“, sagte Henning in einem Radio-Interview mit dem Medium. Er betonte, es sei nicht hinnehmbar, Linkspartei und AfD in einem Atemzug „als radikale Ränder“ zu bezeichnen.

    Trotz großer Bedenken der Bundes-CDU und der Landes-CDU in Thüringen befürworte Hennig eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Auf einem Bundesparteitag 2018 hatte die CDU jegliche Kooperation mit den Linken kategorisch und per Beschluss ausgeschlossen. „Die CDU Deutschlands lehnt Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der Alternative für Deutschland, AfD, ab“, hieß es damals. Thüringens CDU-Fraktionschef Mike Mohring hatte kurz nach der Landtagswahl am Sonntag zunächst öffentlich den Eindruck erweckt, dass er für eine Zusammenarbeit mit der Linken und Ministerpräsident Bodo Ramelow offen sei. Wenig später revidierte Mohring seine Äußerungen nach parteiinternen Debatten.

    Dazu kommentierte CDU-Landrat Henning, er befasse sich nicht primär mit der Partei und einem Parteitagsbeschluss. „Ich würde niemals meine Gesinnung gegen einen Parteitagsbeschluss eintauschen“, so Henning im „DLF“. Er regiert seit 25 Jahren als Landrat eine kulturell, historisch und wirtschaftlich bedeutende Gegend im Freistaat Thüringen. Bei den letzten Landratswahlen im April 2018 wurde Henning mit 82,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Seine Stimme hat politisches Gewicht – in Eichsfeld und Thüringen.

    Die Region Eichsfeld und der gleichnamige Landkreis gehören zu einem kulturhistorischen Territorium in Thüringen. Das Eichsfeld wurde im Jahre 897 erstmalig urkundlich erwähnt, bis 1803 gehörte die Region zum Kurfürstentum Mainz. Später, zu DDR-Zeiten, war es die größte Region der sozialistischen Republik mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung.

    Heutzutage zählt das Eichsfeld zu den wirtschaftsstarken Regionen Thüringens. Davon zeuge vor allem ein „stets positiver Gewerbeentwicklungssaldo“, heißt es in Studien zu ostdeutschen Wirtschaftsregionen. Der Landkreis biete ein investitionsfreudiges Klima, welches die Besonderheiten der Region mit den Interessen der Investoren in Einklang bringe. Die meist mittelständischen Betriebe vor Ort sind vor allem in der Metallverarbeitung, im Maschinenbau, der Textilverarbeitung und in der Ernährungsindustrie tätig.

    Die CDU stehe „weder für eine Duldung noch für eine Tolerierung von Rot-Rot-Grün zur Verfügung“, wiederholte CDU-Fraktionschef Mohring am Mittwoch im Erfurter Landtag seinen Standpunkt, sich von den Linken gezielt abzugrenzen. „Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag hat die Tür für eine Kooperation mit der Linken von Ministerpräsident Ramelow so gut wie geschlossen“, kommentierten dazu die „Kieler Nachrichten“.

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    Koalition, Wahl, Thüringen, Linke, CDU