12:20 20 November 2019
SNA Radio
    Der iranische Präsident Hassan Rohani (Archivbild)

    Iran setzt Zentrifugen in Atomanlage Fordo wieder ein

    © Sputnik / Alexey Nikolskij
    Politik
    Zum Kurzlink
    11661
    Abonnieren

    Der Iran wird laut Präsident Hassan Rohani ab dem 6. November die Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in der Atomanlage Fordo wieder in Betrieb nehmen und damit auf die Einhaltung weiterer Vorschriften des Atomabkommens verzichten.

    „Das wird Fordo betreffen. Laut dem Joint Comprehensive Plan of Action haben wir, wie Sie wissen, 1044 Zentrifugen in Fordo. Ab morgen soll in Fordo wieder (Uran)gas (in die Zentrifugen – Anm. d. Red.) gefüllt werden“, sagte Rohani in seiner Rede, die von dem iranischen Staatsfernsehen am Dienstag übertragen wurde. Somit werde die vierte Etappe des Verzichts auf eine Reihe von iranischen JCPOA-Verpflichtungen eingeleitet.

    Die erwähnten Aktivitäten sollen nach wie vor unter Kontrolle der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) durchgeführt werden und seien „umkehrbar“, betonte Rohani: Sobald andere Teilnehmer des Atomdeals ihre Verpflichtungen einhalten, würde auch der Iran die Einhaltung des Atomabkommens wieder aufnehmen.

    Der 2015 von UN-Vetostaaten, Deutschland und dem Iran verabschiedete Gemeinsame Umfassende Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) hatte vorgesehen, dass Teheran die Kerntechnische Anlage Fordo auf die Produktion von stabilen Isotopen umstellen soll. Damit sollte der Iran nur die Anlage Natanz zur Uran-Anreicherung behalten.

    Weitere zwei Monate Zeit für Gespräche

    Teheran gebe anderen Teilnehmern des Atom-Abkommens weitere zwei Monate Zeit für Gespräche zu dem Thema, fuhr Rohani fort.

    Zwar seien die Gespräche zum Atomabkommen bisher erfolgslos gewesen, würden sie jedoch fortgesetzt, sagte er:

    „Falls wir eine passende Lösung finden, falls die Sanktionen aufgehoben werden, und wir Öl ruhig verkaufen und die Geldmittel unserer Banken ruhig nutzen dürfen, falls sie ihre Sanktionen gegen Metallproduzente völlig aufheben werden, dann werden wir auch im vollen Maße zu den früheren Bedingungen zurückkehren“, so Rohani weiter.

    Teherans Teilausstieg aus Atomabkommen

    Zum ersten Mal hatte Teheran auf eine Reihe von Einschränkungen in Bezug auf sein Atomprogramm zum ersten Jahrestag des Ausstiegs der USA aus dem Atomdeal verzichtet – Washington hatte den Vertrag einseitig am 8. Mai 2018 verlassen. Donald Trump veranlasste erneut umfassende Sanktionen gegen den Iran, die vorher als Folge des gemeinsamen umfassenden Aktionsplans ausgesetzt worden waren.

    Teheran reagierte ein Jahr später darauf, indem es eine etappenweise Reduzierung seiner Verpflichtungen ankündigte, die im JCPOA vorgesehen waren.

    In der ersten Etappe vergrößerte der Iran seine Vorräte des angereicherten Urans und des schweren Wassers. Später hatte die Regierung in Teheran die zweite Etappe der Reduzierung ihrer Verpflichtungen zum Atomdeal angekündigt und erklärt, dass der Iran das Uran bis zu jenem Grad anreichern werde, welcher für das Land erforderlich sei. So betrug dieser Wert bereits 4,5 Prozent, während der Atomdeal einen Höchstwert von lediglich 3,67 Prozent vorgesehen hatte.

    Die dritte Etappe begann am 6. September: Der Iran erklärte, dass das Land sich im Bereich der Atomforschungen und Entwicklungen nicht durch die Paragraphen des JCPOA einschränken lassen werde. Es wurde gemutmaßt, dass damit die Arbeit an hochkomplexen Zentrifugen gemeint war, die für die weitere Anreicherung von Uran benötigt werden, und deren Entwicklung dem Iran im Abkommen untersagt wurde.

    Die 5+1-Staaten (UN-Vetostaaten und Deutschland) und der Iran hatten im Juli 2015 ein Abkommen vereinbart. Der Iran verpflichtete sich, wesentliche Teile seines Atomprogramms zu beschränken. Im Gegenzug wurden Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran aufgehoben.

    asch/ae/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Zentrifugen, Urananreicherung, Uran, Hassan Rohani, Ausstieg, Atom-Deal, Atom-Abkommen, Gemeinsamer Umfassender Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA), Gemeinsamer Umfassender Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA), Iran