13:40 20 November 2019
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    Migranten in Griechenland warten darauf, aufs Festland gebracht zu werden

    Migrantenzustrom hält in Griechenland an – Flüchtlinge werden zum Festland gebracht

    © REUTERS / COSTAS BALTAS
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    Am Dienstag hat die griechische Regierung beschlossen, 155 Migranten zum Festland zu bringen. Damit sollen die überfüllten Flüchtlingslager auf den Inseln im Osten des Ägäischen Meers entlastet werden, berichtet das griechische Staatsfernsehen „ERT“.

    In den letzten drei Tagen brachte Athen mehr als 1000 Migranten von den Inseln zum Festland. Dabei habe die Regierung genauso viele Migranten in den vergangenen vier Tagen aus der Türkei zu diesen Inseln transportiert.

    Nach eigenen Angaben plant die griechische Regierung bis Ende 2019 mehr als 20.000 Migranten aufs Festland zu bringen und sie überall im Land in verlassenen Kasernen und Wohnungen einzuquartieren. Derweil leben nach letzten Angaben des Bürgerschutzministeriums in Athen 35.000 Migranten in und um die Flüchtlingslager, die nur 7500 Menschen Platz bieten. Sie hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen unter Planen und selbstgebauten Hütten.

    Somit sei dies die höchste Anzahl von Flüchtlingen, die seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016 registriert wurde. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks seien 36 Prozent der Migranten noch minderjährig. Im April ging die Zahl der Migranten auf den Inseln auf 14.000 zurück.

    Entlastung der Ägäis-Inseln auf Kosten von Asylbewerbern

    Zuvor billigte das griechische Parlament am 1. November eine Verschärfung des Asylgesetzes. So wolle die Regierung die Ägäis-Inseln im Rahmen des Flüchtlingspakts entlasten. Dabei würde jeder Asylantrag „nach sechs anstatt nach neun Monaten geprüft“ und falls der Antragsteller nicht mit den Behörden zusammenarbeite, werde der Antrag automatisch für unbegründet erklärt.

    Im September 2019 erreichte laut der Webseite für Statistiken „Statista“ die Zahl der registrierten Migranten, die per Boot nach Griechenland gekommen waren, 10.551 Menschen. Im Oktober sei diese Zahl stark auf 3634 zurückgegangen. Dies ist eine Rekordzahl für Griechenland. Im August seien laut der „Zeit“ 8100 Menschen aus der Türkei nach Griechenland gekommen, im Vorjahresmonat wären es 3200 gewesen, dabei sollen allein auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mehr als 33.400 Menschen auf den Inseln gewesen sein (Stand: 17. Oktober). Insgesamt sollen seit Jahresbeginn fast 40.000 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Inseln gekommen sein, berichtete die „Zeit“ unter Berufung auf die Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR).

    Die Opposition sowie Hilfs-und humanitäre Organisationen kritisierten im Vorfeld die Verschärfung des Gesetzes. Bei solchen Bedingungen werde das Recht von Schutzsuchenden auf eine umfassende Prüfung ihres Asylantrags ausgehöhlt.

    dg/ae/dpa

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    UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, Inseln, Ägäis, Migranten, Griechenland