10:40 15 November 2019
SNA Radio
    US-Sonderbeauftragter für den Westbalkan, Matthew Palmer, bei einem Treffen mit Serbiens Präsident Aleksandar Vucic

    Wollen USA mit Balkanstaaten ihr trojanisches Pferd in Europa?

    © AFP 2019 / ANDREJ ISAKOVIC
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    1019182
    Abonnieren

    Mit der Erklärung des US-Sonderbeauftragten für den Westbalkan, Matthew Palmer, dass die Absage der EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien ein schwerer Fehler sei, wollen die USA zeigen, wer in der Tat der „Herrscher“ in der Region ist.

    Der US-Sonderbeauftragte für den Westbalkan, Matthew Palmer, traf sich am Montag in Belgrad mit Serbiens Präsident Aleksandar Vucic. Die USA wollen, dass der Westbalkan eine europäische Perspektive bekommt. Das Aufschieben des Beginns der Beitrittsgespräche der Europäischen Union mit Nordmazedonien und Albanien sei ein „historischer Fehler“, so Palmer.

    Palmer zufolge ist es ein „schlechtes Signal für die gesamte Region“ Westbalkan. Die USA würden alles unternehmen, um die EU zu überzeugen, ihren Standpunkt vor dem EU-Gipfel im Mai nächsten Jahres in Zagreb zu ändern, so Palmer.

    EU als Protektorat der USA

    Wollen die USA damit Europa offen sagen, dass es nicht imstande ist, selbstständig Beschlüsse zu fassen? Kann diese Erklärung Palmers als Angriff auf Emmanuel Macron bezeichnet werden, der ein Veto gegen die Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Mazedoniens eingelegt hat?

    Laut der Politologin Jelena Vukoicic betrachten die USA die EU seit langem als eine Art Protektorat. Der Balkan wird als „Trigger“ genutzt, mit dem man Europa zu jedem Zeitpunkt in Brand setzen kann.

    „Es liegt auf der Hand, dass jeder Versuch jedes politischen Anführers, sich als wichtiger Akteur zu präsentieren, auf Unzufriedenheit in Washington stößt. Die USA nehmen die EU als eine Vereinigung wahr, die sich unter ihrem militärischen und politischen  sowie zum Teil auch wirtschaftlichen Einfluss befindet. Das war auch nach dem Versuch Angela Merkels und Emmanuel Macrons, die Idee einer europäischen Armee durchzusetzen, die den Amerikanern ein Dorn im Auge ist, zu spüren“, so die Expertin.

    Der Balkan als Trigger für die EU

    Vukoicic stellt sich die Frage, warum sich die USA überhaupt in die Beschlüsse von Brüssel einmischen und ein Nicht-EU-Mitglied sich mit der Frage des EU-Beitritts Albaniens und Mazedoniens befasst.

    „Was jetzt vor sich geht, hat in der Tat nichts Gemeinsames mit dem Westbalkan, Albanien und Mazedonien. Das ist ein Spiel zwischen Washington und Brüssel. Die USA trennten Russland von der EU, obwohl darunter vor allem die EU litt. Die USA drängten Europa eine militärische Organisation um die Nato auf, die der EU keinen Nutzen bringt“, so Vukoicic.

    Die USA haben eine solche dominierende Position und wollen nicht, dass ihr Einfluss auf die EU sinkt. Dazu wird der Balkan genutzt.

    „Er ist von großer Bedeutung, weil die USA via einen starken Einfluss auf bestimmte Balkan-Teile die EU kontrollieren. Die USA haben auf dem Balkan eine ständige politische Präsenz, sie können potentielle Konflikte generieren, anscheinend unter Teilnahme ihrer Hauptverbündeten auf dem Balkan – der Albaner. Ein solcher Konflikt könnte Europa große Probleme bereiten“, so die Politologin.

    EU befasst sich mit eigenen Problemen

    Die USA mischen sich zwar mit ihren Erklärungen zu Albanien und Nordmazedonien in die Angelegenheiten der EU ein, Washington hat jedoch in der Tat keinen so großen Einfluss auf die strategischen Beschlüsse Brüssels, äußerte der Politologe Bojan Milisavljevic.

    „Die USA haben eigene Interessen, sie setzen sie mittels der Nato um, doch die EU bemüht sich, die eigenen Interessen zu definieren. Die EU steht jetzt an einem strategischen Scheideweg bei vielen Fragen – von der EU-Erweiterung bis zum Brexit und der Aussicht weiterer EU-Austritte. Die EU muss eine Strategie für die Zukunft ausarbeiten. Meines Erachtens wird der US-Einfluss auf die EU in den nächsten Jahren abnehmen“, so Milisavljevic.

    Dem Experten zufolge haben die USA nicht genügend Macht, um Nordmazedonien und Albanien auf die Tagesordnung in Brüssel zurückzubringen. Die EU wird sich in den nächsten zehn Jahren nicht erweitern, weil sie viel Zeit für die Konsolidierung brauchen würde, was den USA eine weitere Möglichkeit geben würde, den Balkan zu beherrschen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren