08:39 10 Dezember 2019
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    Sahra Wagenknecht (Archivbild)

    Richtungsentscheidung für die LINKE: Wer folgt auf Wagenknecht?

    © CC BY 2.0 / Fraktion DIE LINKE. im Bundestag / Olaf Krostitz
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    Am Dienstag stimmt die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke über ihre neue Spitze ab. Während die bisherige Fraktionschefin Sahra Wagenknecht nicht wieder antritt, will ihr Co-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch erneut kandidieren. Doch wer folgt auf Wagenknecht? Mindestens zwei Bewerberinnen haben sich bereits in Stellung gebracht.

    Am Dienstag wird die bisherige Fraktionsvorsitzende der Linke im Bundestag, Sahra Wagenknecht, endgültig aus der ersten Reihe der deutschen Politik zurücktreten. Bereits vor Monaten hatte die 50-Jährige angekündigt, nicht erneut für die Fraktionsspitze zu kandidieren. Als einen Grund gab Wagenknecht gesundheitliche Probleme an: Das hohe Arbeitspensum habe zu einem Burnout geführt.

    Nach vier gemeinsamen Jahren mit Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch wird Wagenknecht künftig einfache Abgeordnete des Deutschen Bundestags sein. Während der 61-Jährige Bartsch erneut kandidieren will, ist die weibliche Position der linken Doppelspitze vakant. Zunächst hatte es geheißen, sollte sich keine Kandidatin finden, würde Bartsch die Fraktion notfalls auch alleine anführen. Doch mittlerweile haben gleich zwei Frauen offiziell ihren Hut in den Ring geworfen.

    ​Auf Wagenknechts Position haben sich nun die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Caren Lay und die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Amira Mohamed Ali beworben. Beide sind einem großen Teil der Öffentlichkeit bisher eher unbekannt. Die politische Ausrichtung der beiden Kandidatinnen ist unterschiedlich: Je nachdem wer die Wahl für sich entscheidet, könnte dies auch den Kurs der Partei nachhaltig beeinflussen.

    Die gebürtige Rheinland-Pfälzerin Caren Lay ist bislang stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion. Die Miet-Expertin ist außerdem Sprecherin ihrer Fraktion für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik, einem linken Kernthema. Die 46-Jährige gilt als Vertreterin des libertären und realpolitischen Spektrums der Partei. Gemeinsam mit der jetzigen Parteichefin Katja Kipping gründete Lay einst die Emanzipatorischen Linke. Zwar ist das Verhältnis zur Parteivorsitzenden Kipping zuletzt abgekühlt, inhaltlich sind sich beide Frauen bei vielen politischen Themen jedoch nah.

    ​Als zweite Kandidatin für die Nachfolge von Sahra Wagenknecht hat sich die Bundestagsabgeordnete Amira Mohamed Ali angemeldet. Die 39-jährige gebürtige Hamburgerin fordert eine bessere Zusammenarbeit aller Strömungen der Partei, statt sich "gegenseitig zu hemmen". Die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen zählt zu den Parteilinken, auch wenn sie sich als Bundestagsneuling aus Konflikten bislang eher herausgehalten hat. Mohamed Ali ist in der Fraktion Sprecherin für Verbraucherschutz, einem ebenfalls wichtigen linken Themenspektrum.

    Es gilt als ziemlich sicher, dass Bartsch als männlicher und ostdeutscher Teil der Doppelspitze wiedergewählt wird. Das Rennen zwischen Lay und Mohamed Ali ist dagegen noch weitgehend offen. Laut Medienberichten trägt Bartschs Umfeld die Kandidatur von Mohamed Ali mit, während die Reformer eher zu Lay tendieren. Ein Nachteil könnte es für Lay sein, dass sie zwar in Westdeutschland geboren ist, im Bundestag aber einen sächsischen Wahlkreis vertritt. Zwei Vertreter aus Ostdeutschland an der Fraktionsspitze der Linken wären ungewöhnlich.

    Sollte es keine Einigung geben, oder womöglich auf einen nachhaltigen Streit innerhalb der Fraktion hinauslaufen, wäre auch noch eine dritte Alternative denkbar: So könnte sich die Fraktion neben Bartsch auf die erfahrene Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch einigen. Von 2010 bis 2012 war die 58-Jährige bereits Parteivorsitzende in einer Doppelspitze mit dem Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst. Lötzsch ist als Vorsitzende des Haushaltsausschusses auch über die Parteigrenzen hinaus im Bundestag respektiert. Die gebürtige Berlinerin ist der Öffentlichkeit außerdem bekannter als die offiziellen Bewerberinnen Lay und Mohamed Ali.

    Trost für alle Unterstützer oder Fans von Sahra Wagenknecht gibt es immerhin: Auf öffentliche Auftritte oder Talkshows will sie nicht verzichten. Über Einladungen zu Veranstaltungen oder Talkshows würden laut Wagenknecht die entscheiden, die einladen, und keine Parteiführung. Abgesehen davon gebe es viele Partei- und Fraktionsmitglieder, die sie ausdrücklich gebeten hätten, weiter öffentlich aufzutreten und ein Gesicht der Linken zu bleiben.

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    Tags:
    Linkspartei, Deutschland, Die LINKE-Partei, PdL, Caren Lay, Dietmar Bartsch, Sahra Wagenknecht