06:39 06 Dezember 2019
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    F-16-Kampfjet der Luftstreitkräfte von Taiwan (Archivbild)

    Taiwan will F-16-Kampfjets: Geht Washington den Streit mit Peking ein?

    CC BY-SA 2.0 / Al Jazeera English / Taiwan F-16 Debate
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    Aus Pekings Sicht kommt es einer politischen Grenzverletzung gleich, wenn Drittstaaten Kriegsgerät an Taiwan liefern, die „abtrünnige Provinz“. Die Regierung Trump zeigt jedoch die Bereitschaft, Chinas Sicherheitsbedenken zu missachten. Ein neuer Rüstungsdeal zwischen Washington und Taipeh steht an. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Das US-Außenministerium hat vor wenigen Monaten erklärt, ein Rüstungsgeschäft mit Taiwan im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar zu genehmigen. 108 „Abrams“-Panzer und 250 tragbare Flugabwehrsysteme „Stinger“ sind darin enthalten, schreibt das Portal. Was das State Departement in seiner Erklärung unbeachtet ließ, ist laut „NI“ der fast perfekte Deal für 66 Kampfjets F-16V – die allerneueste Version des legendären Jagdbombers, neu gebaut in Greenville, South Carolina. Kommt es zum Geschäftsabschluss, wäre es die erste Lieferung neuer Kampfflugzeuge aus dem Westen an Taiwan seit 1992.

    Dass der F-16-Deal in der Erklärung des Außenministeriums unerwähnt blieb, liegt womöglich an den Verhandlungen zwischen Washington und Peking mit dem Ziel, den schwelenden Handelskrieg zu beenden. Hat die Trump-Regierung die F-16-Genehmigung zurückgehalten, um die Gespräche nicht zu sabotieren? Oder hält das Weiße Haus sich die F-16 als Verhandlungsjoker vor, um Zugeständnisse von Peking zu erpressen? Jedenfalls ist der Ausgang des Deals gegenwärtig ungewiss, wobei Taipeh und die Taiwan-Lobby im Kongress sich für dessen Abschluss starkmachen.

    Taiwans Luftwaffe braucht neues Gerät

    Da Peking alles daransetzt, den Kauf moderner Kampfjets für Taiwan weitestgehend zu erschweren (Sanktionen gegen Rüstungsfirmen eingeschlossen), konzentriert sich Taipeh auf die Modernisierung seiner bestehenden Kampfflugzeugflotte.

    2018 erst haben die Vereinigten Staaten Ersatzteile im Wert von mehreren Millionen Dollar für die betagten Kampfjets F-5E bereitgestellt, die die taiwanesische Luftwaffe für Angriffs- und Trainingsmissionen nutzt.

    Der Upgrade-Versuch für die 55 französischen Jagdbomber „Mirage“ 2000-5 blieb in Taiwan hingegen erfolglos. Kürzlich aber hat die taiwanesische Luftwaffe das Upgrade ihrer 102 Jagdbomber F-CK-1 aus heimischer Fertigung auf den Standard C und D abgeschlossen.

    Der größte Erfolg gelingt der taiwanesischen Luftwaffe gegenwärtig mit dem Upgrade von 144 Kampfjets F-16 A und B auf den Level F-16V (Block 72). Pro Jahr werden circa 25 dieser Maschinen modernisiert.

    Dieses 5,3 Milliarden Dollar teure Modernisierungsprogramm enthält auch die Genehmigung zum Erwerb von „Sidewinder“-Raketen, neuer EloKa-Behälter, präziser Lenk- und Cluster-Bomben sowie entsprechender Zielerfassungs-Pods für deren Einsatz.

    Zudem enthält ein Deal von 2017 die Genehmigung zur Lieferung schlagkräftiger Präzisionswaffen an Taiwan: Gleitbombe AGM-154 JOSW und Anti-Radar-Rakete AGM-88B HARM – eine Bewaffnung, die vermuten lässt, dass Taipeh Fähigkeiten zum Gegenschlag aus der Luft auf das Festland aufbaut, schreibt „The National Interest“.

    Gelingt Taipeh die Bestellung der 66 brandneuen Kampfjets F-16V, können die neugebauten Maschinen zusätzliche Upgrades erhalten, die in der Nachrüstung der taiwanesischen F-16-A-Jäger nicht enthalten sind. Beispielsweise: Triebwerke mit größerer Schubkraft und möglicherweise an die Flugzeugzelle angepasste Zusatztanks, sog. Conformal Fuel Tanks (CFT). Diese Behälter ersetzen die an den Flügeln angebrachten Abwurftanks, die sich negativ auf die Aerodynamik, den Radarquerschnitt und die Zuladung des Kampfjets auswirken.

    Die taiwanesischen Medien berichten, der F-16V-Deal würde 7,8 bis 8 Milliarden Dollar kosten. Dies käme dem erstaunlich starken Stückpreis von 121 Millionen Dollar pro Maschine gleich – für ein als „Billigjet“ positioniertes Kampfflugzeug. Anzunehmen ist allerdings, dass in dieser Summe auch Wartungspakete, Ersatzteil- und Munitionslieferungen sowie Ausbildungs- und Trainingsprogramme enthalten sind.

    Vorher hatten die Verantwortlichen in Taipeh die Beschaffung von F-35-Kampfjets erwogen, entschieden sich jedoch dagegen: ausschlaggebend waren die Betriebskosten und die andauernden technischen Schwierigkeiten der neuen amerikanischen Maschine. Zudem fürchtet Washington womöglich den Verlust der F-35-Technologie an China.

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    Tags:
    Taiwan, China, USA, Kampfjet, F-35, Mirage-Kampfjet, F-16