09:29 10 Dezember 2019
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    Ein beim israelischen Luftangriff beschädigtes Gebäude in Damaskus

    Neue Angriffe Israels auf Syrien: Was steckt dahinter?

    © REUTERS / OMAR SANADIKI
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    Der Premier von Israel Benjamin Netanjahu hat den Angriff der israelischen Luftstreitkräfte in der Nacht zum Mittwoch auf iranische Objekte in Syrien als Antwort auf den Beschuss israelischen Territoriums von Syrien aus bezeichnet. Von syrischer Seite war aber nichts von solchen Angriffen zu hören.

    Gab es sie überhaupt? Experten äußern sich dazu.

    Israel: Iran ist schuld

    „Der Iran verhält sich sehr aggressiv, geht herrisch in Syrien vor und versucht, eine neue Front gegen Israel zu schaffen“, sagte der israelische Experte Ili Nisan gegenüber Sputnik. „Am Vortag feuerte der Iran vier Raketen in Richtung Golanhöhen ab, Israel durfte das nicht hinnehmen. Sie verstehen, dass Israel nicht Saudi-Arabien ist, das auf Angriffe gegen eigene Raffinerien mit Schweigen reagiert hat. Deshalb hat Israel gewaltsame Methoden als Antwort gewählt und iranische Objekte in Syrien angegriffen.

    Die syrischen Raketen wurden aus einer Entfernung von ungefähr 70 km von unserer gemeinsamen Grenze abgefeuert, nahe Damaskus. Das verletzt den Vertrag zwischen Israel und Russland, laut dem sich iranische Raketen in Syrien mindestens 90-100 km von der Grenze zu Israel entfernt befinden müssen. Somit konnte Israel nicht anders handeln“.

    Terroristen im Spiel

    Der syrische Militärexperte General a.D. Muhammed Abbas sagte gegenüber Sputnik: „Sie syrische Armee hat nichts von einem Start von Raketen in Richtung Golanhöhen berichtet. Israel brauchte einen Anlass, um seine Angriffe gegen das syrische Territorium zu rechtfertigen.

    Erstens sollte man begreifen, dass die bewaffneten Gruppierungen im Süden Syriens, die durch Tel Aviv finanziert werden, israelische Raketen haben. In den vergangenen Tagen deckten syrische Sicherheitskräfte weitere Lager mit hunderten israelischen Raketen auf, die sich in den Händen der Terroristen befanden.

    Ein beim israelischen Luftangriff beschädigtes Gebäude in Damaskus
    © REUTERS / OMAR SANADIKI
    Ein beim israelischen Luftangriff beschädigtes Gebäude in Damaskus

    Zweitens präzisierte Israel nicht, um was für Raketen es sich genau handelt, die auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Falls es Artilleriegeschosse waren, konnten sie von jeder Position abgefeuert worden sein. Die Erklärungen Netanjahus über den erfolgreichen Einsatz des Abwehrschirms “Eiserne Kuppel” wirken eher wie PR und Wahlkampfpropaganda.

    Drittens: Hätte die syrische Armee die Raketen abgefeuert, hätte die Eiserne Kuppel es zeitlich nicht geschafft, sie abzufangen“.

    Politische Dividenden Israels

    „Der israelische Angriff auf Syrien bringt gleich mehrere Dividenden für Netanjahu“, sagte der syrische Abgeordnete Muhannas Haj Ali. Erstens würde das bei der innenpolitischen Konfrontation helfen. Zweitens wird es für die USA nun einfacher, das Recht Israels auf Siedlungsbau im Westjordanland anzuerkennen – also den Deal des Jahrhunderts umzusetzen.

    Jedes Mal, wenn die syrische Armee auf dem Schlachtfeld Erfolge habe, bombardieren israelische Fliegerkräfte Syrien. In Syrien gebe es im Prinzip keine iranischen Objekte, die angeblich von Israel bombardiert werden. Dort gebe es russische Stützpunkte. Doch keine iranischen. In Syrien seien iranische Militärspezialisten auf der Grundlage eines vor vielen Jahren abgeschlossenen Abkommens zwischen den Regierungen beider Länder im Einsatz. Auch der Mythos über iranische Stützpunkte sei sehr merkwürdig – alle wüssten offenbar davon, sie befänden sich direkt an der Grenze zu Israel, sie könnten jederzeit bombardiert werden.

    Tel Aviv brauche die Geschichte über die iranischen Objekte, um seine Handlungen zu rechtfertigen. Doch in Wahrheit seien Häuser von friedlichen Einwohnern zerstört worden, Zivilisten seien ums Leben gekommen.

    „Die politische Lage in Israel ist schwierig, das Niveau der Abkapselung, Kritik und Nichtzustimmung ist sehr hoch. Für den Zusammenschluss verschiedener politischer Strömungen ist eine äußere Bedrohung erforderlich. Anfang der 2000er-Jahre spielte Hisbollah diese Rolle, danach die Hamas, der Iran. Ohne einen solchen Feind würde Netanjahu seine Macht verlieren“, sagte der syrische Abgeordnete Muhannas Haj Ali.

    Israelis glauben nicht an Inszenierung

    „Ich würde die Situation eher als Versuch Netanjahus deuten, mehr Stimmen für die Zukunft zu holen“, sagte der Israel-Experte Dmitri Marjasis.

    „Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, dass das Netanjahu helfen wird. Es ist eine zwielichtige Geschichte. Ich denke nicht, dass die Mehrheit der Israelis seine ziemlich aggressive Außenpolitik unterstützt. Die meisten Menschen in Israel kennen nach dem Armeedienst die Probleme mit den Syrern, Palästinensern und Libanesen. Das ist einfach eine weitere Welle der Konfrontation, ein offensichtlicher Versuch Netanjahus, seine Stärke zu demonstrieren. Die Israelis würden auf keinen Fall die Handlungen des Premiers gutheißen.Wo genau griffen die Israelis an? Man sagt, das erfolgte gegen Objekte des Irans und der Hisbollah. In den israelischen Medien wird sogar eine ungefähre Karte der Angriffe gezeigt. Mehr werden wir kaum erfahren“.

    In der Nacht zum Mittwoch kam es in Damaskus zu mehreren Explosionen. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, dass die Flugabwehr einen Angriff auf die Hauptstadt und ihr Umland abwehrte.

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    Tags:
    Benjamin Netanjahu, Hisbollah, Israel, Iran, Syrien