16:43 10 Dezember 2019
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    US-Präsident Donald Trump vor dem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan am 13. November 2019 in Washington

    Experte zu verschärftem US-Druck auf Türkei: “Mit Peitsche, ohne Zuckerbrot“

    © Foto : Official White House / Tia Dufour
    Politik
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    Washington hat Ankara aufgefordert, seine S-400-Luftabwehrraketen „zu vernichten, (den Russen) zurückzugeben oder loszuwerden“. Ob die Türkei das tun wird, analysierte der russische Politologe und Militärexperte Konstantin Sliwkow in einem Interview für Sputnik.

    Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums erklärte jüngst, dass die Türkei die russischen S-400-Raketen aufgeben sollte.

    „Die S-400-Lieferungen sind inakzeptabel und mit einem Sanktionsrisiko verbunden. Allerdings ist der Zeitpunkt (für Sanktionen) im Sinne des CAATSA-Gesetzes nicht bestimmt worden“, zitierte RIA Novosti den Beamten. „Man kann noch viel darüber reden, auf welchen Gebieten die Sanktionen gegen die Türkei verhängt werden, wie breit und tief sie sein könnten.“

    „Die Türkei hat genug Handlungsspielraum, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie wissen ja: Damit alles aufgeht, müssen sie die S-400-Raketen vernichten, zurückgeben oder irgendwie sonst die Raketen loswerden. Wir haben ihnen die Möglichkeit, eine Batterie unserer Patriot-Raketen zu kaufen, die ihrem Bedarf auf dem Gebiet Luftabwehr entsprechen würde, nicht gesperrt“, ergänzte der Beamte.

    Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump während des jüngsten Washington-Besuchs seines türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan erklärt, er hoffe auf eine „Regelung“ der Situation um den russisch-türkischen S-400-Deal.

    Das Mitglied und Vizepräsident der Russischen Akademie der Raketen- und Artilleriewissenschaften Konstantin Siwkow findet angesichts dessen, dass Washington auf diese Weise „die Türkei verlieren“ könnte. Dieser Auffassung zeigte er sich in einem Interview für den Funksender Sputnik.

    „Die Türkei hat sich für die Diversifizierung ihrer Rüstungssysteme entschieden, um nicht vollständig von den USA abzuhängen. Die Türkei ist kein Waffenhersteller, und die deutschen Panzer, über die sie verfügt, sind veraltet – aber neue Panzer bekommt sie nicht. Die Türken vertrauen weder der Nato im Allgemeinen noch Europa und haben sich deshalb für die Diversifizierung entschieden“, so der Experte. Der Druck, dem Washington Ankara aussetzt, könnte nach seiner Meinung dazu führen, „dass die Nato die Türkei überhaupt verliert“.

    Gleichzeitig verwies Siwkow darauf, dass die Nato bzw. die USA an der Türkei sehr interessiert seien, insbesondere wegen ihrer geografischen Lage.

    „Nicht die Türkei hängt von den USA ab, sondern umgekehrt: Die Türkei könnte die USA aus Incirlik und von anderen Stützpunkten verjagen und überhaupt aus der Nato austreten. Dann würde die Nato ihre südliche Flanke verlieren, und die USA würden sich aus militärpolitischer Sicht erst an der israelischen Küste wiederfinden. Und hinsichtlich der Waffenlieferungen könnte sich die Türkei auf Russland umstellen. Die USA setzen auf Peitsche, ohne überhaupt Zuckerbrot zu bieten, und die Türkei ist kein Land, das sich um den Finger wickeln lässt.“

    Die Türkei bekommt von Russland seine S-400-Luftabwehrraketen, die eine Krise zwischen Ankara und Washington provoziert haben, seit Mitte Juli. Im April 2020 sollen die Raketen laut Präsident Erdogan vollständig in die Bewaffnung der türkischen Truppen eingeführt werden.

    Die USA verlangten von den Türken, den S-400-Deal aufzugeben und stattdessen US-Raketen Patriot zu kaufen, und drohten, ihnen keine F-35-Kampfjets zu verkaufen. Aber Ankara ließ sich nicht unter Druck setzen und lehnte Zugeständnisse ab.

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    Tags:
    THAAD, Russland, S-400, F-35, USA, Türkei, Recep Tayyip Erdogan, Donald Trump