06:55 11 Dezember 2019
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    Auftritt von Friedrich Merz beim CDU-Bundesparteitag in Leipzig am 22. November 2019

    Merz wettert auf Parteitag – gegen SPD und Greta Thunberg

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    Es war mit Spannung erwartet worden: Direkt im Anschluss an die Rede der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer begann auf dem Bundesparteitag der CDU eine Aussprache. Im Fokus dabei: Friedrich Merz, einer der wohl härtesten Kritiker von AKK. Und wie erwartet schoss Merz scharf - jedoch in eine andere Richtung, als erwartet.

    Knapp 90 Minuten hatte Annegret Kramp-Karrenbauer zu den Delegierten auf dem Leipziger Bundesparteitag gesprochen. Dafür gab es minutenlagen stehenden Applaus. Kein Thema, das sie ausließ. Keinen, den sie nicht lobte. Aber auch kein großer Schwerpunkt oder Dramaturgie. Dramatisch wurde es aber zum Schluss: Wenn die Delegierten andere Vorstellungen von der Zukunft des Landes hätten als sie, "dann lasst es uns hier und heute ansprechen oder auch beenden", so AKK.

    In der anschließenden Aussprache ergriffen dann mehrere CDU-Mitglieder das Mikrofon, um mal mehr und mal weniger auf die Rede Kramp-Karrenbauers einzugehen. Nach Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Gesundheitsminister Jens Spahn und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ergriff dann auch Friedrich Merz das Wort.

    Merz lobte dabei die Rede von Annegret Kramp-Karrenbauer, auch Kritik habe darin nicht gefehlt. Anstatt gegen die Parteivorsitzende zu wettern, schießt Merz in Richtung SPD:

    "AKK hat eine mutige und kämpferische und nach vorn zeigende Rede gehalten, dafür sind wir ihr alle dankbar".

    Die CDU sei loyal zu ihrer Vorsitzenden - das sei der Unterschied zur SPD.

    Merz gibt sich zahm und stellt sich klar hinter Kramp-Karrenbauer. Aber rhetorisch ist er deutlich besser als vor einem Jahr auf dem Bundesparteitag in Hamburg. Damals wurde ihm sogar unterstellt, er habe absichtlich eine schwache Rede gehalten, um AKK den Parteivorsitz zu ermöglichen. Diesmal nicht, seine Kritik richtet sich aber nicht an die eigene Partei, sondern neben der SPD auch an die „Fridays for Future“-Bewegung. Wenn Greta Thunberg sage, „Ihr habt uns die Jugend geraubt“, dann müsse man sagen:

    "Ihr habt die beste Jugend gehabt, die man haben kann. Mit allen Chancen.“

    Dafür gab es großen Beifall im Leipziger Messesaal.

    ​Friedrich Merz spielt auch noch einmal auf den Parteitag in Leipzig 2003 an, in dem ihm während seiner Rede das Beispiel mit der Steuererklärung auf dem Bierdeckel eingefallen sei. Das begleite ihn seitdem. Er frage sich jetzt, warum das noch immer so populär sei:

    "Ich vermute, dass die Menschen, die das gut fanden, gesagt haben: Da bringt mal jemand auf einen einfachen Nenner, was wir in einer komplexen Welt politisch wollen."

    Es sei ein Symbol gewesen für etwas Einfaches, etwas Verständliches. Heute schwinde das Vertrauen in die Institutionen. Seine Antwort darauf sei, dass die Parteien wieder die Fähigkeit finden müssten, einfach zu zeigen, woher man komme, wo man hinwolle und wohin dieser Weg gehe.

    Als die Rede des ehemaligen Unions-Fraktionsvorsitzenden Merz zu Ende ist, bleibt das Fazit: Er wirbt für die Mitte und für die Einheit der Union. Es gab lauten Applaus, vereinzelt standen die Delegierten für ihn auf. Von Revolte aber keine Spur.

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    Annegret Kramp-Karrenbauer, Leipzig, Fridays For Future, SPD, CDU, Greta Thunberg, Friedrich Merz