07:25 11 Dezember 2019
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    Greenpeace-Aktion vor dem RWE-Kraftwerk in Neurath (Archivbild)

    „Zerstörung, Hitze, Todesfälle“ – Bundesregierung stellt Bericht zu Klimafolgen vor

    © REUTERS / Wolfgang Rattay
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    Der Klimawandel trifft Deutschland immer härter - so lautet das Ergebnis des in Berlin vorgestellten Klima-Monitoringberichts der Bundesregierung. Die Zahlen besagen: Die Erderwärmung sorgt hierzulande für immer mehr Hitzetote, Umweltzerstörung und eine leidende Landwirtschaft. Versicherungen und Steuerzahler kostet das Milliarden.

    Die Folgen der Erderwärmung werden auch in Deutschland immer spürbarer und lassen sich deutlich besser in Zahlen und Fakten belegen – das ist das Ergebnis des am Dienstag in Berlin vorgelegten zweiten Klima-Monitoringberichts der Bundesregierung. Erstellt wurde der Bericht von Bundesumweltministerin Svenja Schulzes Ministerium und dem Umweltbundesamt.

    ​In dem Papier heißt es, wegen der Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu starken Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. Die Untersuchung besagt, dass die Durchschnittstemperatur im Zeitraum zwischen 1881 und 2018 um rund 1,5 Grad zugenommen habe, allein in den vergangenen fünf Jahren seien es 0,3 Grad gewesen.

    Die Auswirkungen dieser Erwärmung seien für alle spürbar. Die Präsidentin des Bundesumweltamts, Maria Krautzberger, erklärte bei der Vorstellung des Berichts:

    "Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit."

    Es müsse "dringend vorgesorgt werden“, so Krautzberger. Sie verwies darauf, dass die Erhöhung der Durchschnittstemperatur mit einer höheren Anzahl "heißer Tage" verbunden sei. Das sind Tage, an denen die Temperaturen in Deutschland auf über 30 Grad steigen. Deren Zahl sei seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Das setze auch den Menschen zu, vor allem in den Städten.

    Umweltministerin Schulze will deshalb massiv in die Vorsorge investieren. Die SPD-Politikerin forderte, die Entwicklung des Klimas müsse konkrete Auswirkungen für alle haben. Es erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen. Das gelte insbesondere auch für die städtischen Wohngebiete. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten hier die Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt, so die Ministerin:

    „Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität."

    Umweltbundesamt-Präsidentin Krautzberger bringt an dieser Stelle ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderprogramm für Klimavorsorge ins Spiel.

    ​In dem Bericht ist auch von weiteren, massiven Auswirkungen der veränderten Temperaturen zu lesen: Die Studie der Bundesregierung erwähnt erstmals hitzebedingte Todesfälle. Im Jahr 2003 sind 7500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle. Auch gab es noch nie so häufig niedrige Grundwasserstände wie in den letzten zehn Jahren. Diese seien so dramatisch, dass es zeitweise zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung kam.

    Hochwasser in Venedig, November 2019
    © Sputnik / Alessandro Rota

    Auch die Schifffahrt ist eingeschränkt und Kraftwerke und Industrie laufen Gefahr, nicht genügend Kühlwasser zu bekommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit allein in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro. Durch extreme Wetterereignisse wie Stürme oder Starkregen entstanden 2018 an Häusern, Fahrzeugen, Industrie und Landwirtschaft Versicherungsschäden in Höhe von insgesamt rund 3,1 Milliarden Euro – eine Rekordsumme. Der Monitoringbericht gilt allerdings nur als Kompass für die Bundesregierung: Ob er tatsächlich zu konkreten politischen Maßnahmen führen wird, ist bislang unklar.

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    Tags:
    Landwirtschaft, Bundesregierung, Klima, Hitze, Deutschland, globale Erderwärmung, Svenja Schulze, Klimawandel