23:05 15 Dezember 2019
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    Interview mit  Jerome Rodrigues und Manu

    „Macrons Einäugige”

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    Der „Gelbwesten“-Anführer Jerome Rodrigues, der Anfang dieses Jahres ein Auge verloren hat, ist nach Lille gefahren, um einen seiner Mitstreiter zu unterstützen, den dasselbe Unglück ereilte. Manuel wurde bei der Explosion einer Polizeigranate auf einer Kundgebung vor einer Woche verletzt und kann auf seinem linken Auge nicht mehr sehen.

    Nach dem Verlassen des Krankenhauses gab der 41 Jahre alte Manuel Sputnik ein Interview. Als Zeichen der Solidarität war Jerome Rodrigues auch mit dabei. Rodrigues bezeichnete die Demonstranten, die auf Kundgebungen der Gelbwesten am Auge verletzt wurden, als „Macrons Einäugige“.

    Medizinische Hilfe

    Manuels Ehefrau sagt, dass „man sich beim Schicksal dafür bedanken muss, dass wir damals auf einen Arzt trafen“. Er leistete Manuel erste Hilfe und brachte ihn zu Feuerwehrleuten, die ihn zunächst in ein Krankenhaus und dann in ein anderes brachten.

    Jérôme Rodrigues
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    Jérôme Rodrigues

    Was im Krankenhaus Salpêtrière geschah, ist kaum zu glauben. Die Ärzte reinigten die Wunde und sagten, dass Manuel sein Auge nicht verlieren werde und ruhigen Gewissens nach Hause fahren könne. Weil er und seine Ehefrau per Bus von Valenciennes nach Paris gekommen waren, hatten sie keine Möglichkeit, sofort nach Hause zu fahren.

    „Sie sagten, dass es keine freien Plätze im Krankenhaus gibt und dass wir in einem Hotel übernachten sollten. Als ich ihnen sagte, dass ich keine Bankkarte dabeihabe, boten sie uns eine Krankenbahre im Korridor und meiner Ehefrau einen Stuhl an. So verbrachten wir die Nacht. Mir wurden keine Schmerzmittel gegeben. Am nächsten Tag kehrten wir nach Hause zurück.“

    Keine Kooperation mit der Generalinspektion der Nationalpolizei

    Manuel ist wütend auf den Menschen, der die Granate warf, aber noch mehr auf jene, die dahinterstehen. Er reichte eine Beschwerde ein, doch er weigerte sich, zu den Anhörungen der Generalinspektion der Nationalpolizei zu gehen. „Es ist bekannt, wer dahintersteht. Sie können geschickt Verfahren über Polizeigewalt im Sande verlaufen lassen.“

    Deswegen forderte Manuels Anwalt, dass für sein Verfahren unverzüglich ein Ermittler ernannt werde. Am vergangenen Freitag begann endlich die vorläufige Ermittlung zu dem Fall namens „Über vorsätzliche Gewalt durch eine Person mit Staatsmacht, wodurch eine Körperverletzung zugefügt bzw. ständige Invalidität ausgelöst wurde“. Letztendlich wurde ein Ermittler mit diesem Fall beauftragt. Manuels Anwalt Arie Alimi zeigte sich mit diesem Beschluss zufrieden.

    „Ich bin am Boden zerstört. Sie haben mir mein Leben zerstört. Doch ich werde nicht aufgeben und nicht damit aufhören, wegen des Geschehenen an den Protesten teilzunehmen“, so Manuel. Und: „Wir haben absolut friedlich protestiert. Wir sind keine Randalierer. Dabei wurde ich verletzt; ich habe nichts Schlimmes gemacht.“

    Am 23. November organisierten die Gelbwesten aus Valenciennes in Nordfrankreich einen Marsch zur Unterstützung Manuels. Sie sammeln Geld, um seiner Familie zu helfen.

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    Tags:
    Emmanuel Macron, Frankreich, Gelbwesten-Proteste, Gelbwesten