13:53 16 Dezember 2019
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    Tino Chrupalla

    „Darum ist Ostdeutschland wichtig”: Neuer AfD-Chef Tino Chrupalla - Exklusiv

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    Politik
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    „Wir haben jetzt Ost und West verbunden”, sagte der neue AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla Sputnik beim aktuellen Bundesparteitag. Zum ostdeutschen Handwerk erklärte der selbständige Malermeister und Politiker aus Görlitz, die AfD habe „viele Ideen, wie man diese Branche entlasten könnte.” Die „Kenia”-Koalition in Sachsen sieht er kritisch.

    „Ostdeutschland ist sehr wichtig für die Partei”, sagte Tino Chrupalla (AfD) im Exlusiv-Interview vor Ort in der Volkswagenhalle in Braunschweig auf dem aktuellen Bundesparteitag seiner Partei. Seit Samstag ist der Sachse neuer Bundessprecher der AfD und damit Nachfolger von Partei-Mitbegründer Alexander Gauland. „Wir haben die Wichtigkeit Ostdeutschlands an den letzten Wahlergebnissen gesehen”, erklärte der AfD-Politiker, der einst sensationell seinen Wahlkreis im sächsischen Görlitz gewann.

    „Ich möchte natürlich die starke Stimme des Ostens sein”, betonte Chrupalla im Sputnik-Interview. „Wir sind die einzige Partei, die in der Führung Ost und West (er meinte seinen Bundessprecher-Kollegen Jörg Meuthen – Anm. d. Red.) verbunden hat.” Die AfD trete nun als gesamtdeutsche Partei auf. „Speziell die sozialen Themen und wirtschaftspolitischen Themen, die in Ostdeutschland ein großes Problem sind, werde ich mit einbringen. Das ist auch meine Aufgabe als Bundessprecher.”

    Wie neuer AfD-Chef einst CDU-Ministerpräsident Kretschmer schlug

    Zur Bundestagswahl 2017 gelang es dem sächsischen AfD-Politiker sogar, im Wahlkreis Görlitz dem Ministerpräsidenten von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU), dessen Direktmandat abzuluchsen. Chrupalla erhielt damals mehr Stimmen als Kretschmer.

    „Ich weiß gar nicht, ob es in der Geschichte der Bundesrepublik schon jemals einem Politiker bei einer Wahl gelungen ist, den Ministerpräsidenten zu schlagen”, kommentierte in einem anderen Sputnik-Interview vor Ort der Berliner Abgeordnete und Delegierte in Braunschweig, Karsten Woldeit (AfD). Die Wahl des neuen AfD-Chefs Chrupalla sei eine hervorragende Wahl für die Partei, so der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

    „Kenia-Koalition” in Sachsen: „CDU muss erklären, warum sie AfD meidet”

    Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hat aktuell allerdings andere Probleme. Er steht in Dresden vor einer möglichen „Kenia-Koalition”, also einer Regierungsbildung aus CDU, SPD und Grüne. Der dortige AfD-Landesverband konnte mit Chrupalla bei der letzten Landtagswahl in Sachsen einen erdrutschartigen Wahlsieg einfahren. Sicherlich auch ein Grund für den rasanten politischen Aufstieg des Familienvaters und selbständigen Malermeisters.

    Im Sputnik-Gespräch in Braunschweig kommentierte Chrupalla am Sonntagnachmittag die aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen in seinem Heimat-Bundesland: 

    „Ich schaue mir erstmal an, was die Ergebnisse dieser Koalition sein werden. Wie weit geht das mit dem Kohleausstieg, der zehntausende Arbeitsplätze bedroht. Wir als AfD haben das ja immer abgelehnt. Mit uns wird es keinen vorzeitigen Kohleausstieg geben. Die Mehrheitsverhältnisse haben sich auch in Sachsen geändert. Der Wählerwille in Sachsen wird nicht beachtet: Es gibt eine klare Mehrheit für ein bürgerlich-konservatives Lager. Die CDU möchte das nicht und deshalb muss auch die CDU dem Wähler erklären, weshalb sie diese vernünftige Politik für Sachsen ablehnt. ”

    „Handwerk im Osten steuerlich entlasten und Bürokratie abbauen”

    Zudem kündigte der neue Bundessprecher der AfD im Interview an, sich in seiner neuen Position wirtschaftspolitisch für das Handwerk in Ostdeutschland einzusetzen:

    „Wir haben dazu mehrere Ideen”, sagte Chrupalla: „Die Abgabenlast für das Handwerk ist zu hoch, vor allem die Bürokratie ist erdrückend. Gerade für den Mittelstand, für die mittelständische Wirtschaft und auch für die Handwerker. Das ist genau die Programmatik, die ich ansprechen möchte und die wir als Mittelstands-Partei auch angehen werden. Dies wird sicherlich auch auf unserem Sozial-Parteitag eine Rolle spielen, wenngleich dort das Hauptthema die Rente sein wird."

    „Bei der Bundestagswahl jagte der Malermeister Chrupalla dem heutigen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) in Görlitz das Direktmandat ab”, schrieb die „Frankfurter Rundschau” vor wenigen Tagen über den neuen AfD-Chef. „Die Fraktion hat ihn im September als stellvertretenden Vorsitzenden im Amt bestätigt. Zu Alexander Gauland hat Chrupalla einen guten Draht.”

    Chrupalla: Nachfolger von Alexander Gauland

    Chrupalla gilt als Wunsch-Kandidat von Gauland, früherer AfD-Chef und jetzt frisch gekürter und allererster Ehrenvorsitzender der Partei. Zuvor hatte Gauland angekündigt, nicht erneut für das Amt des Bundessprechers der Partei kandidieren zu wollen. Er wolle nur noch im Bundestag Führung übernehmen. Bei der Stichwahl in der Volkswagenhalle in Braunschweig stimmten am Samstagnachmittag 54,5 Prozent der AfD-Delegierten für Chrupalla.

    Sputnik berichtet weiter vor Ort aus Braunschweig.

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