14:12 16 Dezember 2019
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    Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez küsst die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt neben dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, an der UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid.

    Nach Besuch beim Rohstoff-Forum in Russland: Entwicklungsminister Müller geht Klimagipfel verbal an

    © AFP 2019 / CRISTINA QUICLER
    Politik
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    Entwicklungsminister Gerd Müller (CDU) nimmt an der diesjährigen UN-Klimakonferenz demonstrativ nicht teil. In Interviews kritisiert er es, dass bis zu 30.000 Teilnehmer jedes Jahr für zwei Wochen rund um den Globus fliegen und das „vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist“. Vor einigen Tagen war Müller bei der Rohstoff-Konferenz in Sankt Petersburg.

    Die Klimakonferenz sei in ihrer jetzigen Form weder zeit- noch klimagemäß, sagte Müller gegenüber dem „Spiegel“. „Wir wollen Emissionen sparen und dann fliegen jedes Jahr 25.000 Menschen um die halbe Welt, um über Klimaschutz zu diskutieren? Mal ganz abgesehen davon, dass eine Konferenz mit so vielen Teilnehmern ineffektiv ist.“

    Als Chile die Klimakonferenz abgesagt hatte, hatte Müller vorgeschlagen, hochrangige politische Konferenzen nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. „Als die Entscheidung jetzt auf Madrid fiel, habe ich mich entschieden, selbst nicht anzureisen und einen kleinen Stab aus Experten zu schicken“, sagt Müller weiter. Die Delegation seines Ministeriums hat er übrigens halbiert. Stattdessen plädiert Müller für „deutlich effektivere Konferenzen“ wie etwa eine jährliche Konferenz der Experten in Bonn, die die vielen technischen Fragen voranbringe. Im Blick auf „die ärmeren Länder, die schon jetzt vom Klimawandel betroffen sind“, sagte Müller, Deutschland verstärke da die Unterstützung über den Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen. Für den internationalen Klimaschutz habe er in den Haushaltsverhandlungen zusätzlich 500 Millionen Euro erhalten. Damit könnte Berlin 2020 die versprochenen vier Milliarden Euro in den internationalen Klimaschutz investieren. 

    Ende November hatte Müller noch gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschlands gesagt, derartige Konferenzen mit bis zu 30.000 Teilnehmern seien „vollkommen aus dem Ruder gelaufen“. Am 28. November nahm er an der Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz in Sankt Petersburg teil, wo mehrere Politiker und Wirtschaftsleute die Ausgestaltung einer zukunftsorientierten Nachhaltigkeitskooperation, die klimafreundliche Transformation der Energiesysteme in beiden Ländern sowie den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft diskutierten. „Deutschland und Russland können zusammen Motor beim Umwelt- und Ressourcenschutz sein“, sagte Müller im Rahmen der Konferenz gegenüber den Journalisten und forderte „ein neues Kapitel deutsch-russischer Freundschaft“, um gemeinsam den Klimaschutz voranzutreiben. 

    Mit Russlands stellvertretendem Premierminister Alexej Gordejew tauschte er sich über die gemeinsame Entwicklung der Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Russland nach deutschem Vorbild aus. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Deutschlands früherer Bundesumweltminister Klaus Töpfer, Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der ehemalige Leiter der Münchner Konferenz, Horst Teltschik, waren dabei.

    lk/mt

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    Tags:
    Rohstoffe, Klimawandel, Entwicklungshilfe, Entwicklungsprogramm, Gerd Müller