14:21 14 Dezember 2019
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    Ankunft von aus der Türkie ausgeschobenen IS-Anhängern im Berliner Flughafen Tegel am 14. November 2019

    „Einige von ihnen werden an Anschlägen beteiligt sein“: Experte zur Dschihadisten-Rückkehr

    © REUTERS / FABRIZIO BENSCH
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    Anfang Dezember wird die Türkei elf IS*-Kämpfer und ihre Familien nach Frankreich abschieben. Wie sollte man sie aufnehmen? Wie gefährlich sind sie? Romain Caillet, französischer Experte für Islam und Dschihadismus, hat sich zu der Lebenssituation dieser Menschen im Gespräch mit Sputnik geäußert.

    Welche Strafen gibt es für diese Personen, hauptsächlich für Frauen, die aus den Regionen zurückkehren, die unter der Kontrolle der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS; auch Daesh) standen?

    Früher glaubte man, dass die Frauen weniger Verantwortung tragen als die Männer, und die Gerichte waren ihnen gegenüber nachsichtiger. Aber jetzt hat sich die Situation geändert. Darüber hinaus werden sie unter dem Druck der öffentlichen Meinung für schuldiger erachtet als die Männer. Dabei spielen sie in den dschihadistischen Organisationen mit seltenen Ausnahmen keine ernsthafte Rolle. Normalerweise sind (für solche Personen – Anm. d. Red.) zehn Jahre Gefängnis vorgesehen.

    Haben wir genug Kapazitäten in den Gefängnissen? Wird es ein damit verbundenes Risiko geben?

    Dies ist ein seit langem bestehendes Problem: Wenn sie zusammen mit Häftlingen untergebracht werden, die keine Dschihadisten sind, werden sie versuchen, diese zu ihrem Glauben zu bekehren. Und wenn sie sich in einer Zelle mit den Radikalen befinden, werden sie sich vereinen und dadurch noch gefährlicher werden. Da es unmöglich ist, alle zu isolieren, ist es schwierig, eine Lösung zu finden.

    Wie können diese Menschen in die Gesellschaft wieder eingegliedert werden? Wie gefährlich sind sie?

    Meiner Meinung nach kommen drei Kategorien von Dschihadisten aus dem Gefängnis. Es ist schwierig genug, sie zu unterscheiden, aber im Allgemeinen werden einige von ihnen mit der dschihadistischen Ideologie brechen. Andere werden diese Ideen weiterhin teilen und dabei glauben, dass sie bereits genug für die gemeinsame Sache getan haben; sie werden nicht länger an den dschihadistischen Aktionen teilnehmen. Und schließlich wird es diejenigen geben, die, offen gesagt, an den künftigen Terroranschlägen in Frankreich beteiligt sein oder jedenfalls bei den mit dschihadistischen Aktivitäten verbundenen Ermittlungen auftreten werden. Die Bedrohung besteht immer noch.

    Kann man mit Menschen koexistieren, die alles zerstören wollten, was unsere Gesellschaft repräsentiert?

    Es muss etwas getan werden: Zu jedem Zeitpunkt und in jeder Ideologie können Menschen auftauchen, die ihre Ansichten um 180 Grad ändern. Ich persönlich kenne einen Menschen, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er sich aufgrund der Anklage wegen der mit dem Dschihadismus verbundenen Straftaten befand, und danach Atheist geworden ist. So können sich  auch Trotzkisten den extremen Rechtsradikalen anschließen. Dies gilt natürlich nicht für die Mehrheit, aber das passiert.

    Es gibt keine klare Methode, wie dies (Wiedereingliederung – Anm. d. Red.) zu erreichen ist. Behauptungen, dass man mit einem Radikalen sprechen kann und er dann seine Meinung ändern wird, sind eine Lüge. Die „De-Radikalisierung“ ist ein individueller ideologischer Weg. Der Verzicht auf eine Anschauung bedeutet, dass man unvermeidlich Freunde und Familie verliert. Das ist nicht einfach. Das ändert sich nicht so schnell.

    Rückkehr der IS-Kämpfer nach Deutschland

    Auch nach Deutschland kehren derzeit Kämpfer und Kämpferinnen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ verstärkt zurück. Es gibt Befürchtungen, dass viele IS-Rückkehrer und Terroristen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nun „straffrei ausgehen“ könnten. Ohne begründeten Verdacht könne und dürfe jedoch niemand vor ein deutsches Gericht gestellt werden, betonte Rechtsanwalt Memet Kilic aus Heidelberg im Gespräch mit Sputnik.  Die Bundesregierung „muss nun schauen, dass man nur die Personen einbürgert, die auch tatsächlich verfassungstreu sind“, so Kilic weiter.  

    *Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten

    pd/ip/sna/

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    Tags:
    IS, Syrien, Strafe, Gefängnis, Ideologie, Dschihadisten, Radikale, Frankreich