06:57 11 Dezember 2019
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    Nato (Symbolbild)

    Was kostet der „Hirntod“? So viel müssen frischgebackene Nato-Länder blechen

    © Sputnik / Alexej Witwizki
    Politik
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    Am Dienstag feiert die Nato ihr 70-jähriges Bestehen. Sputnik hat analysiert, wie viel Montenegro, Kroatien und Albanien – frische Mitglieder der Allianz – und Nordmazedonien, das bald auch ein Nato-Land wird, für die Verteidigung ausgeben.

    Zwölf Staaten unterzeichneten 1949 in Washington den Nordatlantik-Pakt. 2020 soll Nordmazedonien das bereits 30. vollwertige Nato-Mitglied werden.

    Nach dem Beitritt zur Organisation wird Skopje offenbar mehr für sein Militär ausgeben müssen. Die Nato hatte sich mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) jedes einzelnen Mitgliedstaats zum Ziel gesetzt.

    Dem Internationalen Währungsfonds zufolge lag Nordmazedoniens BIP 2018 bei 12,6 Milliarden Dollar (11,3 Milliarden Euro). Der Verteidigungsetat des Landes soll 2017 nach Informationen aus offenen Quellen 1,09 Prozent des BIP betragen haben und damit wesentlich unter den aktuellen Nato-Forderungen gelegen haben.

    Montenegro

    Das letzte Land, das der nordatlantischen Alianz beitrat, ist Montenegro. Seine Verteidigungsausgaben sollen nach der Einschätzung des Bündnisses in diesem Jahr bei 92 Millionen Dollar (83 Millionen Euro) oder 1,65 Prozent des BIP liegen.

    Diese Volumen bedeuten einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Damals gab Podgorica 84 Millionen Dollar (75 Millionen Euro) für die Verteidigung aus.

    Kroatien und Albanien

    Während der vorletzten Welle der Erweiterung des Bündnisses im April 2009 wurden Kroatien und Albanien Nato-Mitglieder.

    Derzeit liegen Zagrebs Verteidigungsausgaben bei einer Milliarde Dollar (970 Millionen Euro), was 1,75 Prozent des BIP entspricht. Es wird erwartet, dass das Land sich beim Nato-Gipfel in London öffentlich verpflichtet, das Zwei-Prozent-Ziel bis 2020 zu erreichen.

    In diesem Jahr soll Albanien 198 Millionen Dollar (178 Millionen Euro) – oder 1,26 Prozent des BIP – für Verteidigungsziele ausgegeben haben.

    Berlin und Washington

    Deutschland gab nach der offiziellen Nato-Statistik in diesem Jahr 1,36 Prozent des BIP für Verteidigung aus und die USA 3,42 Prozent. Berlins Verteidigungshaushalt liegt 2019 bei 54,1 Milliarden Dollar (48,8 Milliarden Euro) und ist damit um das 13-Fache niedriger als der der Vereinigten Staaten (730,1 Milliarden Dollar, umgerechnet 658,6 Milliarden Euro).

    Wird Deutschland der Nato bald mehr zahlen?

    2019 zahlt Washington fast 470 Millionen Euro in die Gemeinschaftskasse der Allianz, während Deutschland nur rund 313 Millionen überweist.

    Nach DPA-Informationen plant derzeit das Militärbündnis, dass Deutschland ab 2020 genauso viel Geld beisteuert wie die USA.

    Dabei könnte Washingtons Anteil an den Gemeinschaftskosten von jetzigen 22,1 Prozent auf 15,9 Prozent gesenkt werden, während der deutsche Anteil von 14,8 Prozent auf 15,9 Prozent steigen würde.

    Deutschland würde dann jährlich knapp 25 Millionen Euro mehr zahlen. Für die USA bedeutet dies dagegen eine Ersparnis von rund 131 Millionen Euro.

    Wie der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am 29. November vor der Presse in Brüssel sagte, will das Nordatlantische Bündnis seine Militärausgaben zum Jahr 2024 auf rund 400 Milliarden US-Dollar aufstocken. Dies würde ein „beispielloser Fortschritt“ sein.

    Nato-Gipfel in London

    In der britischen Hauptstadt begann am Dienstag das zweitägige Treffen der Nato-Staats- und Regierungschefs. Anlass ist das 70-jährige Bestehen der Allianz. Die künftige Richtung des Bündnisses steht allerdings infrage, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron diesem den „Hirntod“ bescheinigt hat.

    Die Nato-Staaten haben sich bereits auf den Text für die Abschlusserklärung des Jubiläumsgipfels geeinigt. Nach DPA-Angaben wird darin zum ersten Mal in einer Gipfelerklärung des Verteidigungsbündnisses explizit die aufstrebende Militärmacht China als mögliche neue Bedrohung erwähnt.

    Nordmazedonien: Streit um den Namen

    Griechenland und Mazedonien hatten ihren langjährigen Streit um den Namen der ehemaligen Teilrepublik Ex-Jugoslawiens im Juni 2018 mit der Unterzeichnung eines Abkommens beigelegt. Das Dokument ebnet Skopje den Weg in die Nato und die Europäische Union, stößt aber sowohl in Griechenland als auch in Nordmazedonien selbst auf Kritik.

    mo/mt/sna

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    Tags:
    Nordmazedonien, Albanien, Kroatien, Montenegro, NATO