18:24 23 November 2020
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    Der Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat Russland aufgefordert, die Ermittlungen im Fall des mutmaßlichen Auftragsmordes an einem Georgier in Berlin zu unterstützen. Braun zeigte sich zudem überrascht von Moskaus empörter Reaktion wegen der Ausweisung von zwei russischen Botschaftsmitarbeitern.

    Der mutmaßliche Auftragsmord an einem Georgier in Berlin sorgt derzeit für Spannungen zwischen Russland und Deutschland. Laut Kanzleramtschef Helge Braun dient die Ausweisung von zwei russischen Botschaftsmitarbeitern als Signal an Moskau, sich in die Ermittlungen einzuschalten.

    „Die Ausweisungen sehen wir als sehr eindringliches Signal an die russische Seite, uns unverzüglich bei der Klärung der Identität und der Hintergründe zu der Person des mutmaßlichen Täters umfassend zu unterstützen“, sagte der CDU-Politiker gegenüber dem „Spiegel“.

    Neben Russlands mangelnder Unterstützung kritisierte Braun die von Moskau angekündigten Gegenmaßnahmen: „Vor dem Hintergrund der monatelang fehlenden Unterstützung habe ich absolut kein Verständnis dafür, dass Russland empört ist oder sogar über Gegenmaßnahmen nachdenkt.“ 

    Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), bezeichnete die Ausweisungen als angemessen. Es gehe jetzt darum zu ermitteln, ob der Fall zum "russischen Muster" gehöre, übergelaufene Agenten und andere Staatsfeinde im Ausland umzubringen, sagte Röttgen dem „Spiegel“.

    Das russische Außenministerium dementierte jegliche Verwicklung der russischen Behörden in den Fall und betonte, dass die Erklärung der russischen Botschaftsmitarbeiter in Berlin zu „persona non grata” unzulässig sei.

    Mutmaßlicher Auftragsmord an Georgier

    Zelimkhan Khangoshvili, ein 40-jähriger ethnischer Tschetschene mit georgischer Staatsbürgerschaft, war im August in einem Berliner Park erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, ein 49-Jähriger mit russischem Pass, soll dem Opfer mit einem Fahrrad gefolgt sein und ihm dann in den Rücken und in den Kopf geschossen haben. Der Verdächtige wurde festgenommen und schweigt zu den Vorwürfen.

    Wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben hatten, übernahm mittlerweile die Bundesanwaltschaft den Fall. Die Bundesregierung wies zwei russische Diplomaten aus. Russland kündigte im Gegenzug eigene Schritte an. Seitdem halten sich beide Seiten über ihr weiteres Vorgehen bedeckt.

    Zur Person Khangoshvili

    Der Getötete soll nach verschiedenen Berichten Anfang der 2000er Jahre auf der Seite muslimischer Tschetschenen gegen Russland gekämpft haben. Das schreibt auch die georgische Menschenrechtsorganisation „Human Rights Education and Monitoring Center“ (EMC).

    Ab 2008 war Khangoshvili Offizier in der georgischen Armee während ihrer Invasion in Südossetien, wo er ebenfalls gegen Russland sowie gegen südossetische Freiwilligenverbände kämpfte. Unter anderem war er Anhänger der islamistischen Terrororganisation „Kaukasus-Emirat“.

    Auf Khangoshvili soll im Mai 2015 in der georgischen Hauptstadt Tiflis ein Mordanschlag verübt worden sein. Er sei verletzt worden, habe aber überlebt und mit seiner Familie aus Georgien flüchten müssen.

    In Deutschland lebte der Mann laut dem „Focus“ seit 2016. Er habe einen Asylantrag gestellt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen nutzte er zwei verschiedene Namen. Die Berliner Polizei habe ihn eine Zeit lang als „islamistischen Gefährder“ geführt.

    mka/ae/dpa

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    Mord, Berlin, Ermittlungen