11:07 10 Juli 2020
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    Fall Khangoshvili: Der Georgier-Mord in Berlin und seine diplomatischen Auswirkungen (12)
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    Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Paris den im Berliner Tiergarten ermordeten Georgier als Kämpfer und Organisator von Explosionen in der Moskauer U-Bahn bezeichnet.

    Laut Russlands Staatschef handelt es sich bei dem Opfer der Attacke von August um einen Menschen, der auf der Seite anti-russischer Separatisten an Kampfhandlungen im Kaukasus teilgenommen hätte. Er sei auch kein ethnischer Georgier.

    „Dieser Mensch ist bei uns zur Fahndung ausgeschrieben. Das ist ein Kämpfer, dazu noch ein sehr brutaler und blutrünstiger Mensch“, so Putin.

    Allein bei einem der Terrorangriffe, den der Getötete mitorganisiert habe, seien 98 Menschen ums Leben gekommen.

    „Ich weiß nicht, was mit ihm geschehen ist. Das ist Banditenmilieu, dort kann alles Mögliche passieren.“

    Moskau habe an Berlin Gesuche um die Auslieferung des Organisators der Terrorakte in der U-Bahn gerichtet. Die deutsche Seite sei der Bitte Russlands jedoch nicht nachgekommen. Russland werde den deutschen Kollegen trotzdem bei der Aufklärung des Falls helfen.

    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz, sie rechne mit russischer Hilfe bei der Aufklärung und habe dies in einem bilateralen Gespräch mit Putin angesprochen. Es gebe derzeit einen Verdacht, nicht mehr.

    Russlands Antwortmaßnahmen

    Putin bezeichnete die Ausweisung russischer Diplomaten aus Deutschland auf der Grundlage von nur vorläufigen Erkenntnissen als inkorrekt und verkündete Gegenmaßnahmen. Der Präsident glaube jedoch nicht, dass der Fall die russisch-deutschen Beziehungen in eine Krise stürzen werde.

    „Es gibt eine ungeschriebene Vorgehensweise, ungeschriebene Regeln für diese Fälle: Unsere Diplomaten sind ausgewiesen worden, wir weisen eure aus. Das ist es.“

    Mord im Berliner Park

    Am 23. August war Zelimkhan Khangoshvili, ein 40 Jahre alter ethnischer Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit, in einem Park in Berlin erschossen worden. Die deutsche Bundesanwaltschaft nennt das Opfer „Tornike K.“ Der Täter – angeblich ein 49-jähriger Bürger Russlands – wurde noch am gleichen Tag gefasst und hüllt sich seitdem in Schweigen.

    Wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben hätten, übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel legte Russland zur Last, nicht bei der Aufklärung des Mordes zu helfen.

    Treffen im Normandie-Format

    In der Nacht auf Dienstag ging das erste Treffen der sogenannten Normandie-Vier in Paris unter Teilnahme von Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine seit drei Jahren zu Ende. Zuletzt fand ein solches Treffen 2016 statt.

    mo/sb/sna/rtr

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