20:07 03 Juli 2020
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    Bis 2050 soll die EU klimaneutral werden. Das ist laut einem Medienbericht das Ziel der EU-Kommission. Der Umweltexperte Axel Friedrich erklärt im Sputnik-Interview, wie das klappen könnte und warum wir davon noch weit entfernt sind.

    Das Umweltbundesamt hat eine Studie veröffentlicht. „So erreicht Deutschland seine Klimaschutzziele im Verkehrssektor für das Jahr 2030“ ist der Untertitel des Strategiepapiers „Kein Grund zur Lücke“. Darin wird unter anderem vorgeschlagen, Sprit deutlich teurer zu machen, die Pendlerpauschale abzuschaffen und Tempo 120 einzuführen. Im Sputnik-Interview kritisiert der Umweltexperte Axel Friedrich die Pläne seines ehemaligen Arbeitgebers als nicht weitreichend genug. Der Chemiker war bis 2008 Leiter der Abteilung „Umwelt, Verkehr, Lärm“ im Umweltbundesamt.

    Nachholbedarf bei Planung und Umsetzung

    „Wir haben Nachholbedarf nicht nur in der Planung, sondern vor allem auch in der Umsetzung“, kritisiert Friedrich. Auch wenn die Pläne des Umweltbundesamtes viel weitreichender gehen würden als das Klimapaket der Bundesregierung, würde man sehen, dass die Studie in sehr kurzer Zeit angefertigt worden sei. Es sei kein umfassendes Konzept. Friedrich erklärt:

    „Ich muss ja sehen, was will ich eigentlich haben. Die beste Methode, CO2-Emmissionen von Fahrzeugen zu mindern, ist erstmal die Verschärfung der Grenzwerte für CO2-Emmisionen. Das ist eigentlich die beste und preiswerteste Methode. Dann muss ich drauf achten, dass kein ‚Rebound-Effekt‘ entsteht, das heißt, dass die Fahrzeuge mehr genutzt werden, weil Fahren billiger geworden ist. Dazu muss ich Steuern erhöhen.“

    Höchstgrenzen für CO2-Emissionen

    Dazu könne man Höchstgrenzen für CO2-Emissionen von Autos generell vorschlagen. Auch müsse man darüber nachdenken, das umgesetzte Tempolimit technisch umsetzen zu lassen.

    Besonders wichtig ist Axel Friedrich die Umlagerung des Lastenverkehrs auf die Schiene. Dazu müsse die Schiene massiv ausgebaut werden. Das würde in allen bisherigen Konzepten zu wenig beachtet, denn man brauche Umstellungen der gesamten Systeme, und die Herausforderung laute, so Friedrich:

    „Was die meisten Menschen nicht wissen: Bis 2050 muss der Verkehr klimaneutral sein. Ab 2040 dürfen keine Autos und keine LKWs mehr zugelassen werden, die noch irgendwelche fossilen Kraftstoffe beinhalten. Das gilt nicht nur für den Verkehr, das gilt für alle anderen Sektoren. Alle Sektoren müssen bis 2050 auf null Klimagasemissionen reduziert werden. Da ist noch einiges zu tun. Wenn wir nicht den Güterverkehr auf die Schiene verlagern und die Schiene emissionsfrei mit regenerativ erzeugtem Strom betreiben, werden wir keine Lösung finden.“

    Fakten sind bekannt

    Es brauche, so der Umweltexperte, neue Verkehrssysteme, mehr Radverkehr und mehr öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Tarife für den ÖPNV seien in den letzten 30 Jahren vervierfacht worden, während Autofahren billiger geworden sei. Was billiger sei, werde mehr benutzt. Friedrich sieht hier eine Fehlsteuerung. Er betont:

    „Viele haben noch nicht verstanden, wie hoch die Notwendigkeit des schnellen Handelns ist. Wir hoffen, dass die jetzigen Entscheidungen in Madrid helfen, auch hier die Dinge zu beschleunigen. Leider hat das Verkehrsministerium bisher keinerlei Bereitschaft erklärt, Maßnahmen zu treffen, die nicht nur mit Geld bezahlt werden können, sondern auch Maßnahmen sind. Jeder rational denkende Mensch weiß, dass ein Tempolimit massive Minderungen und Verbesserungen für die Gesellschaft bringen würde. Weniger Verkehrstote, weniger Lärm, Flächenverbrauch und natürlich auch weniger Abgase und weniger CO2-Emmission. Trotzdem wird es nicht gemacht. Es geht nicht darum, dass man die Fakten nicht kennt, es fehlt an der Umsetzung. Ich sehe zurzeit nicht, dass die Regierung die Kraft hat, solche Maßnahmen entsprechend umzusetzen. Bisher versucht die CDU/CSU, alles zu blockieren, und die SPD ist halbherzig bei den Themen dabei.“

    Das komplette Interview mit Dr. Axel Friedrich zum Nachhören:

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    Tags:
    SPD, CDU/CSU, CO2-Emissionen, Deutschland, Klimaschutz