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    Die Türkei betrachtet den Beschluss des US-Senats, der die Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet, als einen verantwortungslosen Schritt, der den türkisch-amerikanischen Beziehungen langfristig schaden wird. Fahrettin Altun, Kommunikationschef des türkischen Staatspräsidenten, hat sich dazu via Twitter geäußert.

     „Die Resolutionen werden den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA nichts Gutes bringen (...) Die Geschichte wird diese Resolutionen als verantwortungsloses und irrationales Vorgehen einiger Mitglieder des US-Kongresses gegen die Türkei bezeichnen. Sie werden als die verantwortliche Partei in die Geschichte eingehen, die einen dauerhaften Schaden zwischen zwei Nationen verursacht“, schrieb Fahrettin Altun auf Twitter.

    Zudem erinnerte er an den türkischen Vorschlag, eine internationale Gruppe von Historikern zur Bewertung der Ereignisse von 1915 zu bilden.

    „Bei jedem früheren Versuch einiger Mitglieder des US-Kongresses, die Geschichte zu politisieren, bekräftigten wir unsere Position, eine Gruppe zu bilden, die sich damit befasst. Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass Geschichte nicht etwas sein sollte, was Nationen trennt, sondern etwas, was sie vereint. Aber einige Mitglieder des US-Kongresses haben in den letzten Monaten jeden Versuch unternommen, den Standpunkt und die Sensibilität eines Nato-Verbündeten außer Acht zu lassen, und haben verantwortungslos gehandelt, indem sie die Beziehungen zwischen zwei Nationen und zwei Staaten belasteten“, heißt es in der Twitter-Notiz weiter.

    Resolution mit großer Symbolkraft

    Der US-Senat hat am Donnerstag die Verfolgung und Tötung von Hunderttausenden Armeniern im Ersten Weltkrieg, im damaligen Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1917 als Völkermord anerkannt. Die Senatoren verabschiedeten einstimmig eine Resolution, die jene Massaker als Genozid einstuft. Die Resolution ist zwar rechtlich nicht bindend, besitzt aber eine große Symbolkraft.

    Ende Oktober hatte bereits das US-Repräsentantenhaus die Deportation und Tötung, den sogenannten Armenier-Genozid im Ersten Weltkrieg anerkannt.

    Mit einer offiziellen Erklärung zur Unterstützung von Völkermord-Opfern vor dem Internationalen Gerichtshof hatten die USA eigentlich schon 1951 den Genozid an Armeniern anerkannt. Dennoch war Ronald Reagan der letzte US-amerikanische Präsident, der 1981 diesen Begriff noch benutzte. Obwohl 49 der 50 US-Bundesstaaten das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft haben, bleibt auf Bundesebene eine offizielle Anerkennung noch immer aus.

    Ankara fordert neue historische Aufklärung

    Die Türkei, als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches, erkennt zwar den Tod von Hunderttausenden Armeniern an, weist jedoch den Begriff Völkermord zurück und fordert eine neue historische Aufklärung. Armenien bemüht sich um eine internationale Anerkennung der Massaker als Völkermord. Bislang haben 23 Nationen sowie das Europaparlament den Genozid anerkannt. Bis heute belastet der Streit die Beziehungen zwischen Jerewan und Ankara.

    Historischer Hintergrund

    Im Ersten Weltkrieg wurden Armenier durch das Osmanische Reich systematisch verfolgt, getötet und auf Todesmärsche geschickt. Historiker sprechen von bis zu 1,5 Millionen Todesopfern.

    Mittlerweile haben rund zwei Dutzend Staaten den Genozid offiziell anerkannt. Auch Papst Franziskus sprach vom „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“. Der Deutsche Bundestag verabschiedete 2016 eine Resolution, die den Völkermord verurteilte. Als erstes EU-Land hatte Frankreich den Genozid 2001 anerkannt.

    pd/ap/sna/

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    Tags:
    anerkennen, Türkei, Völkermord, Armenier, Genozid, US-Senat, USA